Strafbefehl gegen früheren Kurdirektor

Legionellen-Fall in Ahr-Themen hat gerichtliche Folgen

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Der Legionellen-Vorfall vor zweieinhalb Jahren in den Bad Neuenahrer Ahr-Thermen hat juristische Konsequenzen. Das Amtsgericht Bad Neuenahr-Ahrweiler hat einen Strafbefehl gegen den im Jahr 2011 amtierenden Geschäftsführer der Ahr-Thermen Bad Neuenahr Verwaltung GmbH erlassen.

Das war der damalige Vorstand der Aktiengesellschaft Bad Neuenahr sowie vormalige Bürgermeister der Kreisstadt und stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende der AG, Hans-Ulrich Tappe. Ihm wurde seitens der Staatsanwaltschaft Koblenz ein Vergehen gegen die Trinkwasserverordnung und das Infektionsschutzgesetz zur Last gelegt. Der Strafbefehl über eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen ist seit dem 11. September rechtskräftig. Aktenzeichen: 2020 Js 15926/12.

Zur Vorgeschichte: Ende Februar 2012 hatte bei einer Routineuntersuchung das Hygiene-Institut der Uni Bonn in Teilen der Trinkwasser-Installation der Ahr-Thermen eine "hohe bis sehr hohe Verunreinigung mit Legionellen" festgestellt. Noch am selben Tag hatte das Kreisgesundheitsamt ebenfalls Untersuchungen angeordnet und verfügt, dass alle Duschköpfe mit Filtern versehen werden, um eine unbedenkliche Nutzung zu ermöglichen. Die Medien wurden am 29. Februar über den Vorfall informiert.

In dem am 12. Juni dieses Jahres von der Staatsanwaltschaft Koblenz beim Amtsgericht Bad Neuenahr-Ahrweiler beantragten Strafbefehl, der am 25. Juni erlassen wurde, warf die Anklage dem damaligen Geschäftsführer jedoch vor, "spätestens am 1. Dezember 2011 erfahren zu haben, dass das Duschwasser in den Thermen erheblich durch Legionellen belastet war und dieser Zustand schon längere Zeit andauerte".

Das erklärte der Koblenzer Oberstaatsanwalt Rolf Wissen auf Anfrage des General-Anzeigers. Und weiter: "Entgegen der ihm bekannten Meldepflicht vereinbarte er mit einem gesondert verfolgten Beschuldigten, auch ab Dezember 2011 das Gesundheitsamt nicht zu informieren, den Badebetrieb nicht einzustellen, sondern lediglich durch thermische Desinfektion die vorhandenen Legionellen zu bekämpfen."

Seinerzeit hatte das Kreisgesundheitsamt nach der Meldung der Legionellen Strafanzeige erstattet und damit die Koblenzer Behörde auf den Plan gebracht.

Die Aufnahme von Ermittlungen bestätigte Rolf Wissen im Januar 2013 dem General-Anzeiger. "Es besteht der Verdacht, dass dem zuständigen Gesundheitsamt bei der Kreisverwaltung Ahrweiler erstmals im Jahre 2012 meldepflichtige Befunde über in Trinkwasserproben festgestellte überhöhte Legionellen-Konzentrationen mitgeteilt wurden, obwohl das mit der Untersuchung beauftragte Labor bereits in einer Probe im Jahre 2008 und bei in den Folgejahren untersuchten Proben überhöhte Werte festgestellt hatte und ab November 2011 die Verantwortlichen auf die bestehende Meldepflicht hingewiesen wurden."

Verantwortliche Allein-Vorstände der Aktiengesellschaft Bad Neuenahr waren im fraglichen Zeitraum der zwischenzeitlich verstorbene Rainer Mertel und sein Nachfolger Hans-Ulrich Tappe, der Anfang 2012 auf eigenen Wunsch aus dem seinem Amt ausgeschieden ist.

Das von der Staatsanwaltschaft angeführte Labor war das Hygiene-Institut der Universität Bonn, das für die Ahr-Thermen die Routineuntersuchungen durchführte.

Im Rahmen der Ermittlungen wurden damals auch die Geschäftsräume des Bonner Instituts und das Chefbüro der Aktiengesellschaft Bad Neuenahr durchsucht. Bis Ende März dauerte es übrigens vor zwei Jahren, bis in den Ahr-Thermen Entwarnung gegeben werden konnte. Neben den Duschen waren auch Therapiebecken und vier Whirlpools wegen Legionellengefahr geschlossen worden.

2013 gab es dann einen erneuten Legionellen-Vorfall, der allerdings vom zu diesem Zeitpunkt amtierenden AG-Vorstand Gerd Zimmermann umgehend dem Kreisgesundheitsamt gemeldet wurde. Seitdem herrscht, zumindest was Keime angeht, in den Ahr-Thermen Ruhe.