Entscheidung in Mainz

Landesgartenschau 2022 in Bad Neuenahr-Ahrweiler

BAD NEUENAHR-AHRWEILER. Ministerpräsidentin Malu Dreyer verkündet, dass die Auswahlkommission des Landes sich für Bad Neuenahr-Ahrweiler entschieden hat. Bad Kreuznach, Bitburg und Neuwied haben das Nachsehen. Jubel im Rathaus.

Die Würfel sind gefallen: Bad Neuenahr-Ahrweiler wird Standort der fünften rheinland-pfälzischen Landesgartenschau im Jahr 2022. Das gaben Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Wirtschaftsminister Volker Wissing nach dem Beschluss des Ministerrats bekannt. Die Mitteilung löste im Bad Neuenahrer Rathaus Riesenjubel aus. „Wir haben es geschafft, wir haben überzeugt! Heute feiern wir“, meinte ein glücklicher Bürgermeister Guido Orthen. Er lud spontan die Bürger der Stadt für Mittwoch ab 18.30 Uhr zu Freibier in den Innenhof des Rathauses ein. Das Nachsehen hatten Bad Kreuznach, Bitburg und Neuwied. Auch diese Städte waren in die Endauswahl gekommen. Von der Entscheidung dürfte nun die gesamte Region profitieren: Die Landesgartenschau zieht erfahrungsgemäß Millionen Besucher an.

„Die Entscheidung ist uns nicht leichtgefallen. Alle Bewerberstädte waren als Standort für die Landesgartenschau geeignet und haben stimmige, teils sehr unterschiedliche Konzepte vorgelegt“, sagte Dreyer. Das aus dem Ahrtal habe den Ministerrat jedoch am meisten überzeugt.

Das Konzept der Kreisstadt sieht vor, den Strukturwandel vom Kur- und Heilbad hin zu einem zeitgemäßen Gesundheits- und Erholungsstandort auch im Stadtbild nachzuvollziehen. Punktuelle städtebauliche Maßnahmen mit dem Schwerpunkt Familien- und Mehrgenerationenwohnen, inklusive Wohnformen sowie die teilweise Neugestaltung des Freiraums sollen die touristische Attraktivität unterstreichen. „Mit verhältnismäßig geringem Mitteleinsatz kann die Attraktivität der Stadt gesteigert und ein Impuls für die Region gesetzt werden“, so Dreyer und Wissing.

Der Ministerrat habe die beteiligten Ministerien (Wirtschaft, Inneres, Umwelt und Finanzen) sowie die Gewinner-Stadt nun beauftragt, ein tragfähiges Finanzierungskonzept zu erstellen.

Das Bewerbungsverfahren zur Ausrichtung der rheinland-pfälzischen Landesgartenschau im Jahr 2022 wurde auf Grundlage eines überarbeiteten Konzeptes zur Planung und Durchführung von Landesgartenschauen realisiert. Dabei wurden erstmals ein Bewertungsbeirat, bestehend aus Vertretern von elf verschiedenen Institutionen und Organisationen, sowie eine Auswahlkommission, bestehend aus den Staatssekretären der für eine Förderung infrage kommenden Ressorts eingesetzt. Was die Verliererstädte angehe, so werde die Landesregierung auch mit Bitburg, Neuwied und Bad Kreuznach konzeptionell an der Lösung ihrer Bedarfe mitarbeiten, unterstrich die Ministerpräsidentin.

Es war 14.33 Uhr, als im Rathaus die Sektkorken knallten. Kaum hatte Malu Dreyer erklärt: „Nach sorgfältiger Abwägung haben wir uns für Bad Neuenahr-Ahrweiler entschieden“ lag man sich im Sitzungssaal in den Armen. Die Beigeordneten, Ratsmitglieder und die halbe Stadtverwaltung waren erschienen, um die Verkündung der Entscheidung mitzuerleben. „Wir werden die Herausforderung annehmen“, sagte Orthen. Fünf Jahre harte Arbeit lägen nun vor Rat und Verwaltung: „Das wird ein Kraftakt.“ Sein Dank galt seinen Mitarbeitern, die mit viel „Herzblut und unglaublichem Engagement“ an den Vorbereitungen beteiligt gewesen seien.

Mit großem Aufwand hatte sich die Kreisstadt als herausragender Botschafter der Region in Mainz präsentiert. Nicht zuletzt aufwendig gestaltete und äußerst informative Broschüren hatte man der Landesregierung und den Fachgremien vorgelegt, um die Pläne der Stadt deutlich zu machen. Eine gesunde Stadt und ein gesundes Leben waren hierin das alles umspannende Leitthema einer Landesgartenschau an der Ahr.

Bürgermeister Orthen hatte zudem mit großer Überzeugung in Mainz dargelegt, dass seine Stadt alle maßgeblichen Anforderungen der Bewerbungsleitlinien erfüllt. „Wir verwirklichen in der Landesgartenschau 2022 die Idee von der Ganzheitlichkeit menschlichen Lebens“, meinte er damals wörtlich. Bad Neuenahr könne als Stadt des Wassers erlebt werden, als Heilbad und Gesundheitskompetenzzentrum. Der Jury hatte man auf 130 Hochglanzseiten dargelegt, wie unter dem Motto „Das blühende Leben“ eine weit ausstrahlende Landesgartenschau in der Kreisstadt aussehen kann. Die Mühen sind nun von Erfolg gekrönt.

Auf 20 Hektar innerstädtischen Grünanlagen, die das Zentrum der Landesgartenschau bilden werden, soll 2022 Landschaftsbau- und Gartenkunst des 21. Jahrhundert präsentiert werden. Dies auf Flächen, die sich allesamt im Eigentum der Stadt befinden. Orthen hatte schon vor Wochen erklärt, dass die Stadt keine Neuverschuldung eingehen müsse, um die Gartenschau zu finanzieren.

Viel Vorarbeit war also der eigentlichen Präsentation in Mainz vorausgegangen, um den Wirtschafts-, Gesundheits- und Tourismusstandort Bad Neuenahr-Ahrweiler angemessen darzustellen. Ähnliche Vorarbeiten hatten aber auch die Mitbewerber Bad Kreuznach, Bitburg und Neuwied vorgelegt. Allerdings: Mit Ausnahme des Bewerbers aus dem Ahrtal warben alle anderen Städte für eine Landesgartenschau als gezielte Strukturfördermaßnahme, um brachliegende Flächen zu reaktivieren.