Planungen in Bad Neuenahr

Kurpark wird fit für die Landesgartenschau gemacht

BAD NEUENAHR. Noch in diesem Herbst könnte ein Realisierungswettbewerb für die Landesgartenschau in Bad Neuenahr auf den Weg gebracht werden. Außerdem will der Stadtrat Leitlinien festlegen, was alles in die Planungen einfließen muss.

Der viereinhalb Hektar große Kurpark ist das Herzstück von Bad Neuenahr. Und er soll auch das Herz der Landesgartenschau 2022 (Laga) werden. Darin ist sich die Politik in der Kreisstadt einig. Doch bis zur Laga soll sich sein Gesicht verändern, und auch Barrierefreiheit soll Einzug halten. Letzteres ist Grundvoraussetzung für Mittel des Landes.

Wie der Kurpark sich dann Hunderttausenden von Besuchern präsentieren wird, dafür will die Stadt noch in diesem Herbst einen Realisierungswettbewerb ausschreiben. Soll heißen: Landschaftsarchitekten sind gefragt.

Gefragt sind aber nicht einfach schöne Pläne, sondern realistische Vorstellungen, die sich für 3,386 Millionen Euro netto umsetzen lassen. Dies unter Berücksichtigung der Folgekosten. Denn auch die Wirtschaftlichkeit wird ein Aspekt des Wettbewerbs sein. Und eines macht Bürgermeister Guido Orthen klar: „Auch wer nach Punkten gewinnt, muss nicht den Auftrag bekommen. Es kann auch sein, dass sich für die Realisierung Arbeitsgemeinschaften aus mehreren Planern bilden.“

Basis für den Wettbewerb

Damit also nicht ins Blaue geplant wird, empfehlen der Haupt- und Finanzausschuss der Kreisstadt und der Landschaftspflegeausschuss jeweils einstimmig dem Stadtrat, die Ergebnisse einer Grundlagenermittlung und Planungsleitlinien für eine Umgestaltung zur Kenntnis zu nehmen und die Verwaltung zu beauftragen, diese als Basis für den Wettbewerb zu verwenden.

In den Bereich Grundlagenermittlung fallen dabei die historische Entwicklung seit dem 19. Jahrhundert von der Grundplanung von Peter Joseph Lenné über architektonische Veränderungen von der Gründerzeit über die 20er und 30er Jahre unter dem Essener Architekten Hermann Weiser bis heute, Bestandsaufnahmen von Flora, Fauna auch unter Artenschutzaspekten sowie Infrastruktur von Wegen bis Wasserläufen und -flächen. Ein Blick in die Leitlinien, die den Wettbewerbsteilnehmern zuzüglich der Bebauungsplanentwürfe für Kurgartenstraße und Oberstraße an die Hand gegeben werden. Für die sogenannte Kurgartenrandbebauung soll es einen separaten Wettbewerb geben.

Zielsetzung

Erklärtes Ziel ist es, eine langfristig tragfähige Sanierung der Parkanlage zu erreichen, wobei die Landesgartenschau als temporäre Veranstaltung mit dem für den Kurpark in der Bewerbung formulierten Thema „Heilende Gärten“ zusätzlich nachvollziehbar umzusetzen ist. Entscheidend ist bei allen baulichen Maßnahmen, dass die prägenden Kurparkstrukturen nicht verloren gehen, sondern als Potenzial erkannt und ausgebaut werden.

Die Rückbesinnung auf die historische Verbindung von formalem und landschaftlichem Teil der Parkanlage sowie der Dreiklang von Wasser, Naturerleben und Musik (Konzertmuschel) soll das Gerüst für die erforderlichen Anpassungen bilden.

Denkmalpflege

Der Kurpark als historische Parkanlage ist Denkmalzone, die Handschrift des königlichen Gartenarchitekten Lenné jedoch nur noch rudimentär zu erkennen. Nur die Konzertmuschel steht unter Schutz. Maßgeblich ist hier die thematische Aufteilung der Parkanlage in zwei Bereiche: den künstlerisch aufwendig gestalteten Gartenabschnitt, zu Neudeutsch Pleasureground, mit den doppelten Baumalleen im östlichen Teil der Anlage und der landschaftlich gestaltete westliche Teil des Parks.

Diese grundlegende Teilung gilt es beizubehalten und sowohl gärtnerisch als auch gestalterisch zeitgemäß zu entwickeln. Ob es dann noch den großen Springbrunnen gibt, das sollen die Pläne zeigen. Denn der östliche Bereich ist auch der, in dem Veranstaltungen über die Bühne gehen sollen. Da kann sich Bürgermeister Guido Orthen durchaus „versenkte Wasserspiele wie auf dem Bad Neuenahrer Alter Markt“ vorstellen, die, wenn sie abgeschaltet sind, Fläche bieten.

Naturschutz

Die entlang des Parks fließende Ahr unterliegt einem strengen Biotop- und Artenschutz. Flächenversiegelungen sind auf das verkehrs- und veranstaltungstechnisch Notwendige zu beschränken. Auch soll der durch den Park fließende Mühlenteich renaturiert und die Uferböschung zur Ahr aufgewertet werden. Schließlich geht es um den Erhalt wertvollen Baumbestandes als Lebensraum für Vögel, Fledermäuse, Kleinsäuger und Insekten. Zudem gilt es zu beachten, dass der Kurpark für das Mikroklima im Stadtzentrum „verantwortlich zeichnet“.

Gesundheit

Der Kurpark soll künftig noch mehr Möglichkeiten zur Erholung, Therapie und Prävention in naturnaher Umgebung bieten. Er soll dazu nicht nur den Gesundheitsgästen, sondern auch den Tages- und Urlaubsgästen sowie den Einwohnern einen therapeutischen Naherholungsraum bieten. Auf der Suche nach der Bedienung moderner Gesundheitstrends wie Besinnung, Balance, Achtsamkeit, Selbstfindung und Naturerleben soll der Kurpark allen Generationen einen Ankerpunkt geben, so die Leitlinie. Dieses dann vom Wandeln auch bei schlechtem Wetter über einen Parcours der Sinne bis zur überdachten Kneippanlage, dem Erleben des Wassers am Großen Sprudel, dem freigelegten Mühlenteich oder der Ahr bis hin zum Heilkräutergarten.