Vermarktung von Holz

Kommunen schlagen Kapital aus dem Wald im Kreis Ahrweiler

KREIS AHRWEILER. Die gemeinsame Vermarktung von Holz aus Staats-, Kommunal- und Privatwäldern ist auch im Kreis Ahrweiler künftig passé. Die Städte und Gemeinden des Kreises schließen sich daher der neuen Holz-Vermarktungsorganisation Eifel an.

Landauf, landab beschäftigt die Kommunalpolitik zurzeit ein Thema, das sonst nur einmal pro Jahr mit dem Forstwirtschaftsplan auf die Tagesordnung von Ausschüssen und Räten kommt: der Holzverkauf.

Eingebrockt hat das den Gremien vor 15 Jahren ein Sägewerksbesitzer aus dem Nachbarland Baden-Württemberg. Dieser hatte das Bundeskartellamt angerufen, weil die staatlichen Forstämter neben dem Holz aus Staatswäldern auch das der Kommunen und der privaten Waldbesitzer gemeinsam vermarkteten. Der Vorwurf lautete, dass so ein Vertriebskartell gebildet würde. Zu Recht, fand im vergangenen Jahr das Oberlandesgericht Düsseldorf.

Dies und mögliche Schadensersatzklagen von Holzkunden vor Augen, hat Rheinland-Pfalz reagiert. Die auch dort erfolgreich geübte Praxis der gemeinsamen Holzvermarktung wird zum Jahresende eingestellt. Soll heißen: Kommunale und private Waldbesitzer müssen selbst sehen, wie sie ihr Holz an den Mann bringen. Während sich die Privaten über ihre Waldbauvereine zu Vermarktungsorganisationen zusammenschließen, gehen die Kommunen im Land ihren eigenen Weg.

So werden landesweit fünf Holzvermarktungsregionen installiert, in denen jeweils eine Kommunale Holzvermarktungsorganisation (KVO) in Form einer GmbH gegründet wird. Die acht Kommunen des Kreises Ahrweiler schließen sich dabei, vorbehaltlich der Zustimmung ihrer Räte, der KVO Eifel an. Diese umfasst das Gebiet von Remagen im Osten bis zur Verbandsgemeinde Südeifel im Westen. Beteiligt sind 21 Städte und Verbandsgemeinden sowie die Gemeinde Grafschaft.

Mehr als die Hälfte der Fläche ist Wald

Bolko Haase, Leiter des Forstamtes Ahrweiler, nennt Zahlen für den Kreis Ahrweiler: „52 Prozent der Kreisfläche sind Wald. Damit liegt die Rhein-Ahr-Region an zweiter Stelle im Land.“ Im Jahr 2016 betrug die Holzernte allein in den Kommunalwäldern des Kreises rund 46 826 Festmeter Holz. Die geringsten Ernten brachten die Grafschaft mit 185 und Bad Breisig mit 616 Festmetern ein. Spitzenreiter ist die Verbandsgemeinde Adenau mit 24 912 Festmetern, gefolgt von Altenahr (8169), Brohltal (7083), Bad Neuenahr-Ahrweiler (3315), Sinzig (1739) und Remagen (807). Die neue Vermarktungsregion mit ihren 21 Kommunen hatte im selben Jahr einen Holzertrag von 244 000 Festmetern, wobei Nadelstammholz mit 66 Prozent den Löwenanteil stellt. Die Fäll- und Rückekosten liegen nach Angaben von Landesforsten Rheinland-Pfalz bei 20 bis 22 Euro pro Festmeter, der Gewinn, der bislang in die Haushalte der Kommunen floss, lag im Schnitt bei 80 Euro pro Festmeter.

„Die neue GmbH, der die Kommunen als unmittelbare Gesellschafter angehören, soll ihren Sitz in Hillesheim haben“ , sagt Haase, der nach den Empfehlungen der rheinland-pfälzischen Lenkungsgruppe von einem dort positionierten sechsköpfigen Team ausgeht, zwei von Landesforsten beurlaubte Führungskräfte und vier von Landesforsten gestellte Tarifkräfte.

200000 Festmeter Holz

Aufgabe der KVO ist das Verkaufen des Holzes, die Koordinierung des Mengenflusses an die Käufer und das Erstellen der Rechnungen. Die Erlöse gehen dann direkt an die Kommunen, die über die Vermarktungsstrategie mitbestimmen können. „Für die Ortsgemeinden als mittelbare Gesellschafter sind Beiräte angedacht“, erläutert Haase das System, das in den ersten sieben Jahren aus Mitteln des Kommunalen Finanzausgleichs gefördert werden soll. Dabei ist laut Haase die Vermarktungshöhe im Jahresschnitt von 2015 bis 2017 entscheidend. Für die KVO Eifel bedeutet das laut EU-Rahmenregelung bei einem angenommenen Schnitt von 200 000 Festmetern pro Jahr eine halbe Million Euro plus einmalig bis zu 60 000 Euro. Wobei die Förderhöchstgrenze bei 100 Prozent der Aufwendungen für Personal, Büro, Miete, Nebenkosten und Dienstfahrzeugen liegt. Nach dieser Phase mit Anschubfinanzierung muss sich jede KVO allein tragen. „Auch deshalb soll nach dem ersten Jahr eine Gebühr pro Festmeter vermarktetem Holz erhoben werden“, erläutert Haase die Marschrichtung der zu gründenden GmbH. Diese solle „idealerweise“ ihre Räume in Hillesheim zum 1. November beziehen. Alles Maßnahmen, die auch der Städte- und Gemeindebund Rheinland-Pfalz als Konsequenz aus dem Fall Baden-Württemberg zieht.

„Dadurch wird ein reibungsloser Übergang der Vermarktung des Holzes aus dem Kommunalwald gewährleistet, und die laufenden Einnahmen aus dem Holzverkauf werden sichergestellt. Für die neuen Gesellschaften werden die erforderlichen Startbedingungen geschaffen durch entsprechende Anschubfinanzierung sowie die Möglichkeit der Übernahme geschulten Personals“, sagt denn auch Kreisstadt-Vize Detlev Koch, der gemeinsam mit dem Adenauer Verbandsbürgermeister Guido Nisius die Interessen der Kommunen des Kreises Ahrweiler in der Gründungsphase der KVO in einer Arbeitsgruppe vertritt.