Die Jugend schmeckt Heimat

Kochen mit Bad Neuenahrer Sternekoch

In der Profiküche ging es bei Sternekoch Steinheuer an den Herd.

In der Profiküche ging es bei Sternekoch Steinheuer an den Herd.

HEPPINGEN. Der Bad Neuenahrer Sternekoch Hans Stefan Steinheuer ruft mit Kollegen und der Volksbank den Wettbewerb „Tag der Ahrtalküche“ aus.

Sie sind „coctione doctorum“, Kochprofis, die beiden Zwölftklässlerinnen Marie Fritsche und Annika Steinert vom Ahrweiler Peter-Joerres-Gymnasium (PJG). Dass ihnen der Zwei-Sterne-Koch Hans Stefan Steinheuer, gerade erst wieder in der neuesten Ausgabe des Guide Michelin in höchsten Tönen gelobt, seinen Platz am Herd überlässt, um sie anlässlich des Projektes „Jugend schmeckt Heimat“ ein Drei-Gang-Menü zaubern zu lassen, das ist das eine. Sie am Ende eines vierstündigen schweißtreibenden Marathons in Konkurrenz mit drei anderen Schülerteams mit den Worten zu loben „was auf den Tellern lag, sehen wir selbst bei Abschlussprüfungen selten in so hoher Qualität“, lässt die beiden Schülerinnen aus dem Latein-Leistungskursus von Anja Husemeyer strahlen.

Lehrerin Husemeyer sitzt mit Schulleiter Reiner Meier bei der Siegerehrung des zweiten regionalen Kochwettbewerbs „Tag der Ahrtalküche“ mit am Tisch des Gourmetrestaurants „Alte Post“. Sie genießen mit 35 geladenen Gästen „Gefüllte Weinblätter mit geräucherter Forelle“, „Glasierte Hirschrückensteaks in Rotwein-Printen-Soße“ und „Mousse, Eis und Tarte von der Birne“, eine Komposition, die aus den Zubereitungen der vier Teams vom PJG, der Berufsbildenden Schule (BBS), des Rhein-Gymnasiums Sinzig und des Are-Gymnasiums Bad Neuenahr entstand.

„Ich wusste, dass mein Kursus koch-affin ist“, so Husemeyer. Von 13 Schülern hätten sich zehn für den Wettbewerb gemeldet, Marie und Annika setzten sich am Ende mit ihrem Menüvorschlag durch. Ein Probekochen mit Coach und Mediator Roger Müller vom Prümer Gang schloss sich an. „Das war 1000 Mal besser als heute“, fassen sie den Tag in der Profiküche zusammen. Kleine Fehler schleichen sich ein, so wird die Sahne nicht steif, in die Schokolade, die im Wasserbad schmilzt, schwappt Wasser über. Doch am Ende reicht es für den Sieg der 300 Euro Preisgeld der Volksbank Rhein Ahr Eifel, die das Projekt fördert.

Vergangenes Jahr war Steinheuer die Idee gekommen, einen besonderen Weg der Jugendförderung zu gehen. „Nicht, um Konkurrent des Clubs der Köche mit dem Max-Meier-Pokal zu werden. Sinn der Aktion, die meine Kollegen vom Köchemarkt und die 'Ahrtal de Luxe'-Partner sofort unterstützten, ist, junge Leute an regionale Produkte heranzuführen. Weg vom Fast Food, hin zur gesunden Ernährung, zur Wertschätzung im Umgang mit Lebensmitteln. Wir wollen den jungen Leuten Essen und Esskultur näher bringen und auch den Lehrberuf des Kochs als mögliche Option bei der Berufswahl der jungen Menschen ins Gedächtnis rufen.“

So überzeugen nach der Themenvorstellung im Sommer bei der Anmeldung im Herbst die vier Zweierteams mit Marie Fritsche und Annika Steinert, Leonie Molwitz und Henry Schmerer (zweiter Platz, 200 Euro, Rhein-Gymnasium) sowie die Drittplatzierten (je 100 Euro) Berivan Haji und Sofia Nao (BBS) und Lara Gäb und Sarah Giffels (Are). Dann heißt es unter Berücksichtigung von Forelle, Hirsch und Grafschafter Birnen, zu kreieren, zu rezeptieren, vor- und zuzubereiten und am Ende mit einer Präsentation die Jury zu überzeugen. Mit im Boot hat Steinheuer zur Betreuung der Hobbyköche die Profis Lothar Freudenreich, Jürgen Neumann, Hauke Metzler und Roger Müller.

Nach der Präsentation eines Films – die Kamera hat die Nachwuchsköche begleitet und O-Töne wie „Unser Ziel war nicht der Sieg, sondern nichts anbrennen zu lassen“ festgehalten, – nehmen die Juroren gemeinsam mit Volksbank-Vorstandsvorsitzendem Elmar Schmitz, und Thomas Theisen, Direktor des Regionalmarktes Ahr-Brohltal der Volksbank, die Ehrung mit Vergabe der Urkunden, der Geldpreise und der Siegerschürzen vor.

„Der glasierte Hirschrücken war vergangenes Jahr unser Weihnachtsessen“, betont Annika Steinert, die von den Eltern die Leidenschaft zum Kochen geerbt hat. Henry Schmerer, einziger Junge im Wettbewerb, gibt an, später Konditor werden zu wollen: „Ich habe heute viele Tricks gelernt.“ Wie lange das Projekt „Jugend schmeckt Heimat“ in den Schulen nachwirkt, kann niemand sagen.

Doch Steinheuer, dem Manfred Gangnus attestiert, sich mit Inbrunst auf diesen Wettbewerb vorbereitet zu haben, ist die Vermittlung von esskulturellen Themen in Schulen wichtig. „Auch wenn das nicht täglich in Familien abrufbar ist, müssen die Kinder ein Gefühl für gutes Essen mitbekommen“, so der Heppinger Sternekoch, der der Volksbank für ihr Engagement dankte.

Roger Müller findet, dass der Tag schon einer Rheinland-Pfalz-Meisterschaft glich: „Die Entscheidung war knapp, das Menü geschmacklich sehr gut.“ Ihm pflichtet Jean-Marie Dumaine bei: „Kochen beginnt im Kopf und hier hat man heute einen guten Ansatz gespürt.“ „Wir haben Großes gesehen“, lobt Elmar Schmitz.

Kochen sei eine Frage von Kreativität und führe bei ihm zur Entspannung: „Kochen gehört zur Kultur auf höchster Ebene. Wir sind eine Genossenschaft, das kommt von genießen.“ Zum Menü gehören auch die korrespondierenden Weine von den Weingütern Nelles und Meyer-Näkel, auf deren Genuss die Schüler im Beisein ihrer Lehrer und Schulleiter jedoch verzichten.