Dreharbeiten in Ahrweiler

Kloster Calvarienberg wird zur Filmkulisse

AHRWEILER. An sechs Drehtagen sind im Kloster Calvarienberg Szenen für den autobiografischen Spielfilm "Vatersland" entstanden. Die Schülerinnen durften als Komparsen mitarbeiten.

Das war mal eine gelungene Abwechslung für die Schüler, als auf dem Ahrweiler Calvarienberg eine Filmcrew ihre Zelte aufschlug und das historische Ambiente als Kulisse für Dreharbeiten nutzte. Es ging nicht um das ehemalige Kloster, nicht um die Versuche es zu verkaufen, und auch nicht darum, das Leben der Ursulinen, die dort fast 180 Jahre lebten, festzuhalten. Vielmehr diente das Gebäude als Kulisse für den Film „Vatersland“, eine Produktion der Coin-Film in Köln, finanziert von WDR, Arte, der Film- und Medienstiftung NRW und dem Deutschen Film-Förder-Fonds.

Der Film spielt in den 1960er Jahren und ist eine Autobiografie der Regisseurin und Drehbuchautorin Petra Seeger. Erzählt wird ihre eigene Jugend, hier nicht als „Petra“, sondern als „Marie.“ Diese, inzwischen 48 Jahre alt, erhält eine Kiste mit zahlreichen Fotos und Filmaufnahmen ihrer Familie aus den 1960er Jahren. Sie stammen von ihrem Vater, der als Werksfotograf und auch in der Freizeit leidenschaftlich gerne fotografierte.

Als Marie die Kiste öffnet, trifft die Vergangenheit sie mit voller Wucht und sie begibt sich auf eine Zeitreise in ihre Kindheit, als ihre Mutter starb und sie mit Vater und Bruder aufwuchs, die nicht mit ihr fertig wurden. Marie kam aufs Internat – eine Ursulinenschule im Köln/Bonner-Raum. Dort flog sie später von der Schule, weil sie Alkohol getrunken hatte.

Perfekte Kulisse

In Ahrweiler wurden zahlreiche Schulszenen gedreht, mit dabei waren rund 60 Schülerinnen beider Schulen des Calvarienbergs. „Wir haben nach Informationen an die Eltern eine fast 100-prozentige Zustimmung erhalten, dass die Kinder mitmachen können“, erzählte Produzent Herbert Schwering im Anschluss an die Dreharbeiten. Aber nicht nur das beeindruckte den Filmemacher, vielmehr war es das Gebäude selbst, vor allem die Innenausstattung.

„Wir waren total überrascht von der historischen Präsenz und mussten für einen Film aus den 60er Jahren gar nicht so viel ändern“, so Schwering. Inneneinrichtung, Mobiliar, die Schlafsäle, der Speisesaal, das alles habe die Produktion sofort angesprochen. Folglich weitete man die Dreharbeiten aus, erstellte eine Krankenszene im Krankenflügel des Hauses und drehte auch Szenen aus einem eigentlich in Berlin gelegenen Loft. Die Darstellung der Marie bezog sich auf die Altersstufen acht, zehn und 16 Jahre und wurde mit drei Schauspielerinnen gedreht.

Entsprechend konnten auch Komparsen der verschiedenen Altersstufen eingesetzt werden. „Das war alles total unkompliziert und hat Spaß gemacht“, so Schwering. Gefreut hat sich sicherlich auch die Hotellerie, denn die Produktion war mit rund 50 Personen an sechs Drehtagen vor Ort und übernachtete auch in der Kreisstadt. Derweil hat der Calvarienberg den Filmemacher weitläufig inspirieren können. Dennoch dürfte dort eher keine kommende Filmkulisse entstehen. Der Grund: „In Rheinland-Pfalz gibt es keine Filmförderung“, so der Produzent. Nach Festival- und Kinoauswertung in 2019 wird „Vatersland“ zuerst bei Arte und dann im WDR oder in der ARD ausgestrahlt.