Anzahl der Besucher sinkt

Kirche reduziert Gottesdienste

Die Rosenkranzkirche in Bad Neuenahr: Dort gibt es sonntags nur noch ab 9.30 Uhr einen Gottesdienst.

KREISSTADT. Die katholische Kirche in der Kreisstadt ist im Umbruch. "Wir werden uns davon verabschieden müssen, dass jeder in seinem Ort in die Kirche gehen kann." So brachte Dechant Jörg Meyrer auf den Punkt, was ab Mai in der Pfarreiengemeinschaft Bad Neuenahr-Ahrweiler Gültigkeit haben wird.

Denn am Sonntag wird mit einem Festgottesdienst in Sankt Mauritius Heimersheim Pfarrer Herbert Ritterrath in den Ruhestand verabschiedet. Dann gibt es als Pfarrer in der Kreisstadt nur noch Meyrer und Peter Dörrenbächer. Zwar wohnt im Ahrweiler Pfarrhaus derzeit auch noch Kaplan Andreas Kern, doch auch dessen Tage an der Ahr sind gezählt. Im Sommer läuft Kerns dreijährige Ausbildung aus und Dörrenbächer wie Meyrer rechnen damit, dass er nicht ersetzt wird. Denn: "Im ganzen Bistum gibt es zum Sommer nur zwei neue Kapläne. Wir rechnen nicht mit Ersatz", so die beiden Seelsorger, die dann auf sich alleine gestellt sein werden.

Zur Pfarreiengemeinschaft gehören Sankt Barbara Ramersbach, Sankt Laurentius Ahrweiler, Sankt Pius in der Mitte, Sankt Marien und Sankt Willibrord in Bad Neuenahr, Sankt Martin Heppingen, Sankt Mauritius Heimersheim und Sankt Lambertus Kirchdaun.

In allen Pfarreien hat Ritterraths Abschied weitreichende Konsequenzen für die Gottesdienstordnung. "Die Zahl der Gottesdienste wird stark reduziert", machten Meyrer und Dörrenbächer gestern klar. So wird es künftig an Samstagen nur noch eine zentrale Vorabendmesse für die Kernstadt geben: ab 18.30 Uhr in Sankt Pius. In geraden Kalenderwochen gibt es ab 17 Uhr einen Vorabendgottesdienst in Heppingen, in ungeraden ab 17 Uhr in Heimersheim. In der Bad Neuenahrer Rosenkranzkirche gibt es sonntags nur noch den Gottesdienst um 9.30 Uhr, in Ahrweiler um 11 und um 18 Uhr. In geraden Kalenderwochen gibt es einen Sonntagsgottesdienst in Ramersbach und in ungeraden in Kirchdaun. Die bisherigen Sonntagsgottesdienste in Heimersheim und Sankt Pius entfallen. In der Summe ist das eine Reduzierung von zehn auf sechs.

Auch mit weiteren Zahlen warteten die Pfarrer auf. Aktuell gibt es in der Kreisstadt 16.000 Katholiken. An den Wochenenden werden rund 2500 Gottesdienstbesucher gezählt. Davon entfällt der Löwenanteil auf Sankt Laurentius mit 1000 gefolgt von Sankt Marien in Bad Neuenahr mit 700 und Sankt Pius mit 300.

Dörrenbächer und Meyrer sehen bei den Gläubigen zwar eine "Trauer, dass etwas aufhört, was es lange gab", ernten aber auch Verständnis dafür, "dass reduziert werden muss". Die neue Regelung sei mit allen kirchlichen Gremien abgesprochen und abgestimmt worden. Dörrenbächer machte klar, dass "jetzt dafür gesorgt werden muss, dass diese auch angenommen wird". Das müsse über inhaltliche Profilierungen der Gottesdienste geschehen. Als Beispiel dafür nannte er den auf Familien und Kinder abgestimmten Gottesdienst am Sonntagmorgen in Sankt Laurentius. Wichtig sei, dass "es verlässliche Gottesdienste" gebe.

Eng wird es für die Seelsorger beim Thema Beerdigungen. Derer gibt es im Schnitt 240 pro Jahr. Da sei der Trend hilfreich, dass immer weniger Beerdigungen mit Eucharistiefeier stattfänden. Beisetzungsfeierlichkeiten könnten zudem auch von Diakonen und dafür ausgebildeten Laien durchgeführt werden. In der Kreisstadt gibt es Bernhard Stahl als hauptamtlichen Diakon, Bert Flohe ist Diakon im Nebenamt.

Das Thema Gottesdienste an Feiertagen ist laut Meyrer "noch nicht durchbuchstabiert", auf bestehende Traditionen solle hingegen Rücksicht genommen werden. Da bauen die Seelsorger auch auf ihre Ruhestandsgruppe, der sich Ritterrath ebenfalls anschließen will. Und auch die Geistlichen aus dem Lantershofener Priesterseminar springen ein, wenn es durch Urlaub noch enger wird.