Bad Neuenahrs Katholiken denken um

Kirche der Zukunft heißt Kirche von unten

Wagen Schritte in die Zukunft der Kirche: Peter Dörrenbächer (links), Beatrix Knieps-Müller, Jörg Meyrer.

Wagen Schritte in die Zukunft der Kirche: Peter Dörrenbächer (links), Beatrix Knieps-Müller, Jörg Meyrer.

BAD NEUENAHR. Die Pfarreiengemeinschaft der Kreisstadt startet einen deutlichen Prozess der Neuausrichtung mit einer Auftaktveranstaltung im Rathaus.

Klare, auch selbstkritische Worte fanden Pfarrer Peter Dörrenbächer, Dechant Jörg Meyrer und die Pfarreienratsvorsitzende Beatrix Knieps-Müller im Vorfeld der Auftaktveranstaltung der Pfarreiengemeinschaft Bad Neuenahr-Ahrweiler.

„Herausgerufen – Schritte in die Zukunft wagen“ findet am Mittwoch, 5. Oktober, 19.30 Uhr, im Großen Sitzungssaal des Rathauses statt und soll einen Zukunftsprozess mit möglichst vielen Bürger auslösen, wie es ihn noch nie gegeben hat: „Wir können nur Kirche sein, wenn wir nah an der Lebenswirklichkeit der Menschen dran sind“, „Wir müssen das Ehrenamt aufwerten und ein Mehr an echter Mitwirkung ermöglichen“, „Wir denken nicht um, sondern machen was ganz Neues. Transparenz ist wichtig“.

Daher findet der Auftakt auch im Rathaus und nicht in einer Kirche statt, „um das Gespräch zu suchen mit allen, die dazu bereit sind, um die Realität in unserer Stadt in all ihrer Unterschiedlichkeit zu erfassen“, so Moderator Dörrenbächer beim Pressegespräch im Pfarrheim. Kirchenaustritte, immer weniger Gläubige und Priester, fehlende Gottesdienstbesucher, individuellere Lebensstile ohne Verpflichtungen in Organisationen: Zuvor hatte er das zusammengefasst, was zur Gründung der Pfarreiengemeinschaft 2011 mit sieben Pfarreien und 15 574 Katholiken und dem Versuch, die Seelsorge zu organisieren, geführt hat.

„Ursprünglich wollten wir auf den Bischof zugehen und ihm vorschlagen, aus sieben eine Pfarrei zu machen. Dann kam die 'Großwetterlage' Synode, die dem Bistum vorschlug, noch größere Einheiten zu bilden. Und als wir uns dann fragten, ob unser Prozess noch Sinn macht, stellten wir fest: Jetzt erst recht. Es wird darauf ankommen, wie wir in der Stadt miteinander zurecht kommen. Vor Ort muss es Menschen geben, die kirchliches Leben wollen.“

Dechant Meyrer machte klar: „Selbst wenn wir genug Priester hätten, müssten wir umdenken und nach neuen Antworten suchen. 'Wir haben Scheuklappen auf, helft uns sehen', kann nur die Devise für den Prozess sein.“ Schon jetzt gebe es in vier der sieben Pfarreien nur alle zwei Wochen einen Gottesdienst. In Ramersbach war das vielen Bürgern zu wenig, sie versammeln sich wie die Recher auch zu einem familiären „Kaffeetrinken“, um Glauben zu leben und miteinander zu sprechen.

Phase 1 der inhaltlichen und strukturellen Neuaufstellung beginnt also am Mittwoch. Unter der Moderation von Judith Rupp vom Bistum geben vier „Fachleute“ in einer Talkrunde Antworten auf Leitfragen. Bürgermeister Guido Orthen, Grünen-Kommunalpolitiker Wolfgang Schlagwein, Grundschulrektorin Ursula Bell und Rainer Nennmann vom Seniorennetzwerk werden dann vor hoffentlich vielen Interessierten ihre Meinung sagen zu „Welche Erwartungen haben Sie, was Kirche hier vor Ort tun und bewirken soll auch im Hinblick auf das Gemeinwesen?“ oder „Gibt es Anregungen, wie das Zusammenarbeiten in der Kirche, aber auch im Hinblick auf kirchliche und kommunale Stellen verbessert werden soll?“.

Darüber wird im Anschluss gesprochen, „das nehmen wir dann zur Auswertung mit“. Nach der rund fünfmonatigen Grundlegung erfolgt Phase 2 mit inhaltlicher Erarbeitung und einem Beschluss. „Dann muss der Pastoralplan in Phase 3 umgesetzt werden und mit dem, was künftig von der Synode kommt, verzahnt werden. Transparenz, Austausch und Kommunikation bleiben während des ganzen Prozesses immens wichtig“, so Dörrenbächer.