Restaurierung für 900.000 Euro

Kirche Sankt Laurentius in Ahrweiler braucht Hilfe

AHRWEILER. Die Fassade der Ahrweiler Pfarrkirche wird restauriert, es klafft allerdings eine Finanzierungslücke von 300.000 Euro. Die Bevölkerung hat schon ein Drittel der fehlenden Summe gespendet.

Für viele Menschen ist sie das schönste Gebäude Ahrweilers, die katholische Pfarrkirche Sankt Laurentius mitten auf dem Marktplatz. 1269 erfolgte im Auftrag der Abtei Prüm die Grundsteinlegung. Kommendes Jahr blickt die älteste gotische Hallenkirche im Rheinland auf 750 bewegte Jahre. „Sie ist was Besonderes, da sie nicht im damals üblichen Basilikastil gebaut wurde. Bei der Hallenkirche sind die Seitenschiffe gleich hoch wie das Mittelschiff. Sie ist aber auch so was wie ein Museum, die Besucher der Stadt strömen hinein, pro Woche werden mehrere Hundert Kerzen entzündet, was auch für eine tiefe, emotionale Bindung spricht“, so Paul Radermacher, Vorsitzender des Verwaltungsrates der Kirchengemeinde.

Da die Verantwortlichen um die stadtbildprägende Erscheinung, den Mittelpunkt geistlichen Lebens, die Außergewöhnlichkeit des unter Denkmalschutz stehenden Bauwerks wissen, und um es für die Zukunft zu bewahren, war ihnen schon vor zehn Jahren klar: „Wir müssen Rücklagen bilden, um die zuletzt Anfang der 1980er Jahre angestrichene Außenfassade restaurieren zu können.“ Im Sinne von „Eigentum verpflichtet“ wurden bis heute 400.000 Euro angespart.

Jetzt liegt nach aufwendigen restauratorischen, dendrochronologischen (Verfahren zur Bestimmung des Alters vorgeschichtlicher Funde mithilfe der Jahresringe gefundener Holzreste), farbtechnischen und bauhistorischen Untersuchungen unter Einbeziehung des Bistums und der Denkmalschutzbehörden die bauliche Genehmigung des Bischöflichen Generalvikariates vor. Damit kann die Pfarrei, die seit 1824 zum Bistum Trier gehört, die umfangreichen, mit 878.000 Euro veranschlagten Arbeiten beginnen.

Was die Experten überraschte, so der Architekt des Bistums, Thomas von der Stein: „Die gegenwärtige Fassung der Kirche ist nicht historisch.“ Will heißen: Bei der Untersuchung des Dachstuhls kam ein Stück der ursprünglichen Fassade zutage, wie sie voraussichtlich im 13. Jahrhundert ausgesehen hat. Der bauleitende Architekt der Pfarrgemeinde, Michael Unger aus Ehlingen, vermutet, dass man in der Bauphase von zehn bis zwölf Jahren – es liegt kein genaues Einsegnungsdatum vor – die Pläne geändert hat.

Zunächst war wohl ein weniger steiles Dach geplant und der Putz am Kirchenturm bis zum geplanten First aufgetragen. Da dieser dann aber höher ausfiel, verschwand ein Teil des Außenputzes unterm Dach. „So wissen wir nun, wie die Außenfassade vor Jahrhunderten ausgesehen hat. Nicht weiß mit gelb, sondern hellocker geschlämmt und braunrot gequadert“, erklärte Radermacher.

Freiluftmesse im Jubiläumsjahr 2019

Um dem Ziel näherzukommen, diese erste, originäre Fassung annähernd wieder zu rekonstruieren, tritt jetzt der Kreuzberger Restaurator und Malermeister Markus Simons auf den Plan. Er wird an der Nordseite des Gotteshauses in der Nähe der Sakristeitür zwischen zwei Pfeilern eine Musterachse anlegen, diesen Abschnitt verputzen und mit den 21 mal 46 Zentimeter großen Quadern bemalen. „Danach werden wir entscheiden, ob wir fassadentechnisch zurück zum Ursprung gehen“, so Radermacher, der weiß, dass diese Gestaltung zeitaufwendiger und kostenintensiver ist.

Ohnehin steht jetzt schon fest: Im Jubiläumsjahr 2019, wenn beim Pfarrfest Bischof Stephan Ackermann eine Freiluftmesse hält, werden die Arbeiten, die in mehreren Abschnitten erfolgen müssen, nicht fertig sein. Und noch eines ist klar: Ohne die Ahrweiler Bürger und ihre Spendenbereitschaft geht es nicht, wenn es gilt, die Finanzierungslücke von rund 300.000 Euro zu schließen.

Das Spendenbarometer am Seiteneingang – daneben sind deutlich Farb- und Putzabplatzungen zu sehen – zeigt zumindest, dass mit 103 000 Euro gut ein Drittel geschafft ist. „Wenn es um ihre Kirche geht, waren die Ahrweiler Bürger immer mit helfenden und gebenden Händen zur Stelle“, weiß Radermacher aus der Historie. So legte der große Brand 1689 die Stadt in Schutt und Asche, die Flammen zerstörten Kirchturm und Dach, die Hitze ließ gar die sieben Glocken schmelzen. Doch schon 1707 konnte Sankt Laurentius wieder neu eingeweiht werden. 1899 bis 1903 fand eine der größten Sanierungen statt, der Friedhof kam aus der Stadtmitte ans Ahrtor.

Zur Restaurierung der Fassade kommen noch Dacharbeiten an Stellen defekter Schiefereindeckung hinzu, und alle Fenster werden saniert. Unter dem Motto „Alles für Lau“ ist eine Arbeitsgruppe aktiv, um Spendenaktionen zu initiieren. Benefizkonzerte sind geplant, die Bäcker verkauften 100 Laurentiusbrote, die Schützen wollen einen Laurentiuswein kreieren, der Ahrweiler Ballspielclub plant, den Erlös eines Heimspiels zu stiften, ein Jubiläumskalender ist auf dem Markt. Ein zehnjähriges Mädchen gab fünf Euro mit den Worten „Ich bin hier getauft“. „Es sind auch die kleinen Beträge, die in der Summe viel bewirken“, ist Radermacher zuversichtlich.