Mit unheilbarem Schnupfen auf die Couch

Kabarettist Bernd Stelter in der Trinkhalle Bad Neuenahr

Bernd Stelter: „Ich nehme ab und zu ab und zu.“

Bernd Stelter: „Ich nehme ab und zu ab und zu.“

BAD NEUENAHR. Der Mann weiß, wovon er redet: Nach 27 Jahren Ehe, übrigens alle mit derselben Frau, nahm Kabarettist Bernd Stelter genau diese Lebensform in der Bad Neuenahrer Trinkhalle gehörig unter die Lupe.

Knapp 500 Besucher hingen dem Musiker und Geschichtenerzähler dabei förmlich an den Lippen. Sie bekamen vor allen Dingen viel zu lachen. Stelter hatte die Idee zu seinem sechsten Bühnenprogramm just in dem Moment bekommen, als die eigene Silberhochzeit anstand. „Zieh noch mal deinen Hochzeitsanzug an“, so seine Frau.

„Den Triumph gönnte ich ihr nicht, den Anzug hatte ich nach 24 Jahren entsorgt“, erklärte der Westfale, der es längst auch zu einer festen Größe im Karneval geschafft hat und der zeigte, dass der Menschenschlag rund um Münster auch lustig sein kann. Warum entsorgt? „Ich nehme ab und zu ab und zu.“

Zurück zur Ehe: Die hat eine lange Geschichte, auch wenn der Neandertaler sie auf seinen Spaziergängen durch Düsseldorf noch nicht kannte. Die Formen waren in der Evolution recht unterschiedlich, mutierten auf zahlreichen Wegen von der Vielehe hin zur Einzelehe: „Derzeit sind wir wieder auf dem Weg zur Vielehe, aber mit vielen Ehen nacheinander.“ Sein Tipp für Männer: „Sucht euch eine Frau, die kochen kann, denn Liebe vergeht, aber der Hunger bleibt.“ Macho-Gehabe war dem Kabarettisten aber fremd. Er sprach vielmehr von der Wehleidigkeit der Männer, die beileibe nicht besser seien. Ganz besonders dann nicht, wenn sie sich mit einem unheilbaren Schnupfen zum Sterben auf der Couch niederlassen müssten.

Als sauerländischer Silberhochzeitsredner hielt er eine überaus launische Ansprache ans Jubelpaar, Pastor und die anderen Festgäste, wobei er kein Fettnäpfchen ausließ: „Ihr habt im Mai geheiratet, denn im Juni hätte das Kleid nicht mehr gepasst.“ Fein auch der Auftritt als fachvortragender Leiter des Standesamtes Westerstede, der vor bundesweiter Kollegenschar über die Homo-Ehe referierte, zu deren Gegner die Priester gehörten, weil sie eifersüchtig seien. Die Kritiker wies er in die Schranken und bemerkte dabei wohlwollend triumphierend: „Sollen die Frauen doch mal merken, wie es ist, mit einer Frau zusammenzuleben.“

Apropos Frau: Die drückt ja heute ihre Gefühle nicht mehr versteckt in einem Tagebuch aus, sondern schreibt diese ins Internet. Und so wurde der „Sabse-Blog“ als ständiger Begleiter des Programms auch immer wieder zitiert. Hochinteressant, denn „Sabses“ Freundin Julia will ja heiraten. Im 13 Kilogramm schweren, eierschalenfarbenen Brautkleid.

Ein rundes Programmpuzzle, zusammengesetzt aus vielen Einzelstückchen, das Bernd Stelter da in Bad Neuenahr in knapp zwei Stunden vortrug. Das Publikum war begeistert und entließ den Spaßmacher erst nach langem Applaus und Zugabe in seine Wahlheimat Bornheim.