Ahrtal-Werke

Japanische Besucher suchen nach Alternativen zur Atomenergie

KREISSTADT. Nach Fukushima wollen 87 Bürgermeister von japanischen Städten die Abkehr ihres Landes von der Kernenergie erreichen. Die Gruppe besucht nun die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler und informierte sich über die Ahrtalwerke und deren Blockheizkraftwerk.

87 Bürgermeister japanischer Städte haben sich nach der Atomkatastrophe von Fukushima zusammengeschlossen zur Vereinigung "Bürgermeister für ein atomkraftfreies Japan". Sie wollen eine Abkehr ihres Landes von der Kernenergie erreichen und den Weg ebnen zu einer erneuerbaren und dezentralen Energieversorgung in den einzelnen Kommunen. Auf Einladung der Grünen-Bundestagsabgeordneten und früheren Umweltministerin von Nordrhein-Westfalen, Bärbel Höhn, schaut sich eine dreiköpfige Delegation derzeit in Deutschland um, das in diesem Bereich eine Vorreiterstellung einnimmt. So besuchte die Gruppe jetzt auch die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler und informierte sich insbesondere über die Ahrtalwerke und deren Blockheizkraftwerk am Dahlienweg.

Denn entgegen der herkömmlichen getrennten Versorgung von Haushalten und Betrieben mit Strom und Heizwärme wird bei der Fernwärmeversorgung in Bad Neuenahr-Ahrweiler das Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung genutzt. Die bei der Stromerzeugung entstehende Wärme des Zwölf-Zylinder-Dieselmotors wird als Heizwärme in Form von Heißwasser über Rohrleitungen an die Kunden geliefert. Der Ausbau des zentralen Fernwärmenetzes biete außerdem zukunftsweisende Gestaltungsmöglichkeiten, die örtliche Energieversorgung mit einem neuzeitlichen Konzept emissionsarm und umweltfreundlich zu gestalten, so Bürgermeister Guido Orthen.

Der Abteilungsleiter Kraftwerke/Fernwärme der Ahrtalwerke, Diplomingenieur Dirk Janßen, und Geschäftsführer Heinz Georg Noske führten die japanischen Gäste zusammen mit Vertretern fast aller im Stadtrat vertretenen Fraktionen durch das imposante Gebäude. "Wir wollten einmal eine kleine Kommune besuchen, die selbst aktiv geworden ist, und sehen, wie sie es gemacht hat", begründete Generalsekretärin Hiroko Uehara den Besuch an der Ahr. Sie wurde begleitet von den beiden Bürgermeistern Kimiko Tajima und Sakae Nakajima und einem Übersetzer.

In Japan funktioniere der Ausstieg aus der Atomkraft vermutlich nur, wenn die Kommunen die Initiative übernähmen, so Uehara, "denn auf die Regierung ist in dieser Hinsicht kein Verlass." Zu groß seien die gegenseitigen Abhängigkeiten von Politik und Großindustrie.

Besonders der Aspekt der wirtschaftlichen Tragfähigkeit solcher kommunaler Projekte wurde genau unter die Lupe genommen. Wobei Bärbel Höhn ergänzte, die Erzeugung von kommunaler Energie und Wärme habe auch weit darüber hinaus reichende Effekte, beispielsweise durch die Verbesserung der örtlichen Infrastruktur und die Erhöhung der lokalen Wertschöpfung.