Ehemaliges Kloster

Investor legt Pläne für Calvarienberg in Ahrweiler vor

AHRWEILER. Der Stadtrat in Bad Neuenahr-Ahrweiler befasst sich am Donnerstag in nicht-öffentlicher Sitzung mit der Zukunft des Calvarienbergs. Die Landmarken AG präsentiert zwei Varianten.

„Ein Kloster für alle – Geschichte wird Zukunft“, so lautet der Titel des von der Aachener Landmarken AG als Investor erstellten Nutzungskonzeptes für den Ahrweiler Calvarienberg. Im Hauptausschuss Anfang Mai vorgestellt, wird am Donnerstagabend der Stadtrat in nichtöffentlicher Sitzung darüber beraten. Das Verwertungsinteresse des Investors, der dem Ursulinenorden als Noch-Eigentümer ein notarielles Kaufangebot unterbreitet hat, driftet bislang mit den Vorstellungen der Verwaltung zur Stadtentwicklung auseinander. Diskussionsbedarf gibt es hauptsächlich wegen des gewerblichen Anteils.

Diesen will die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler ohne Gastronomie- und Veranstaltungsfläche bei 24 Prozent ansetzen. „Wir glauben aufgrund unserer Erfahrungen, dass es kein guter Gewerbestandort ist und die Nachfrage fehlen wird“, betonten am Mittwoch Leonie Heuschäfer, Landmarken-Projektleiterin, und Unternehmenspressesprecher Kolja Linden. Dem General-Anzeigers stellten sie das Nutzungskonzept auf Anfrage vor.

„Um ein Entgegenkommen zu demonstrieren und weil die Politik das gewünscht hat, werden wir die sogenannte Variante 1 – Wohnen 65 Prozent, Gewerbe 24 Prozent, Gastro sechs Prozent, Veranstaltungen fünf Prozent plus nicht profaniertem Schwesternchor mit 20-jährigem Nutzungsrecht als Pilgerort – bis zum 1. November am Markt anbieten“, so Linden. „Kommt vom Makler, der das Ergebnis reportiert, ein positives Signal, dann veräußern wir an den oder die Interessenten. Das kann unter anderem für repräsentative Räume für Kreativköpfe von Werbeagenturen sein oder aber von Kanzleien für Rechtsanwälte oder Steuerberater“, ergänzt Heuschäfer.

Sollte die Annahme der Landmarken AG jedoch zutreffen, dass sich keine gewerblichen Interessenten finden, dann bevorzugt sie Variante 2, bei der der um zwölf Prozent minimierte Gewerbeanteil der Wohnfläche auf dann 77 Prozent zugeschlagen wird.

"Benötigen klares Bekenntnis der Politik"

Das große Gebäudeensemble mit Kloster und ehemaliger Kirche steht seit eineinhalb Jahren leer. Ursprünglich war der Kaufabschluss – die Summe fließt in den Stiftungstopf, der den Erhalt der beiden Schulen auf dem Calvarienberg sichert – für 2017 avisiert.

„Wir möchten unsere Ideen, die wir zum Teil auch als Erkenntnis aus dem Worldcafé im November 2016 mit den Bürgern, Vereinen und Mandatsträgern der Stadt mitgenommen haben, nun umsetzen. Dafür benötigen wir als Signal ein klares Bekenntnis der Politik, das unser Weg ein gemeinsamer ist und das nach vielen Gesprächen mit Kreis und Stadt zu einer schnellen Baugenehmigung führt. Wenn das nicht der Fall ist, dann sind wir raus aus dem Projekt“, so Linden.

Aus der Planung raus ist ein Hotel. „Dafür fand sich nach unzähligen Abfragen bei großen Hotel-Ketten kein Bedarf, weil das ihrer Meinung nach die Gebäudestruktur des Klosters mit elf Bauteilen nicht hergebe“, erläuterte die Projektleiterin. Ebenso verschwunden im überarbeiteten Konzept ist ein neuer Parkplatz hinter den Schulen und der von der Stadt gewünschte zweispurige Ausbau der steilen Straße Richtung Maibachfarm. „Ob für die Ursulinen oder für uns, das war zu teuer“, so Linden. Nun sehen die Pläne die Erweiterung des vorhandenen Lehrer-Parkplatzes vor. Damit sei das Gros der Schulparkplätze abgedeckt.

Die Neubaugebiete, das weitläufige Klosterterrain umfasst 27.000 Quadratmeter, sehen nach dem Abriss der sogenannten Ökonomie sechs Häuser für Familien im Klosterberg vor, hinzu kommen 17 Häuser auf dem Gelände des ehemaligen Klostergartens. „Die Mauer bleibt bestehen, das Parkdeck verschwindet dahinter praktisch wie eine Tiefgarage. Auch bei den Neubebauungen werden wir bei mehreren Kaufinteressenten den Kriterien der Stadt Rechnung tragen und jungen Familien Vorrang einräumen“, so Heuschäfer. Zielgruppen für das Mehrgenerationenwohnen nach einer von Landmarken beauftragten Studie seien Familien mit einem Anteil von 30 Prozent, Paare, die „jungen Alten“ und Senioren mit jeweils 20 und Singles mit zehn Prozent.

Unter Konzeptpunkt vier namens „Alles miteinander verknüpft“ sieht die Landmarken AG die Einrichtung einer App als digitaler Concierge mit Features wie Wäsche- und Bügelservice, Car- und Bike-Sharing, Fitnessraum, Apothekenlieferung, Hausmeister oder Catering zur Vernetzung der künftigen Bewohner vor. Im Juni findet eine Verkehrszählung an der Ramersbacher und Kalvarienberg Straße statt. „Ein Gutachten weist nach, dass Parken und Wohnen sich vereinbaren“, so Linden.