Riesenjubel im Landkreis Ahrweiler

In Lohrsdorf knallten die Korken

18.03.2016 KREIS AHRWEILER. Die Vorstellung des Bundesverkehrswegeplan 2030 sorgte im Kreis Ahrweiler für großen Jubel. Die Umgehungsstraße in Lohrsdorf wurde unter "vordringlicher Bedarf" eingestuft und auch die A 1 wird weiter gebaut.

Hans-Jürgen Juchem, Ortsvorsteher von Lohrsdorf, ist aus dem Häuschen. Denn was sich im am Mittwoch vorgestellten Referentenentwurf für den Bundesverkehrswegeplan 2030 schlicht hinter dem Punkt „B 266 n Ahrquerung“ und „vordringlicher Bedarf“ verbirgt, ist das, worauf Lohrsdorf hingearbeitet hat. Mit schwarzen Fahnen, mit durch zivilem Ungehorsam an der Fußgängerampel herbeigeführten Staus, Briefen, Eingaben und mit Hilfe der lokalen Politik haben die Lohrsdorfer für ihre Umgehung Druck gemacht. Die war eigentlich zu den Akten gelegt. Denn das Land hatte die Trasse ursprünglich nicht mehr in Berlin angemeldet.

Da gab es ob der Kämpferlaune der Lohrsdorfer einen Sinneswandel. Vielleicht auch, weil das Dorf wie ein Mann hinter dem Ortsvorsteher stand und vorführte, was passiert, wenn durch bewusst mit einer Fußgängerampel herbeigeführte Staus die Verbindungsstrecke von der Kreisstadt zum Rhein mitten im Berufsverkehr lahmgelegt wird. Da hatten sich die Lohrsdorfer Hönningen zum Beispiel genommen. Dort hatten die Bürger auch mit zivilem Ungehorsam für ihre Umgehung gekämpft, als sie mit Kinderwagen, Straße kehren und Ladevorgängen die Zufahrt zur Formel 1 auf dem Ring in ein komplettes Chaos verwandelten.

„Die schwarzen Fahnen bleiben hängen“, sagte Juchem, der ob der Nachricht aus Berlin, die er am Mittwochabend via General-Anzeiger erhalten hatte, vom „schönsten Tag“ seine Lebens sprach. „Das ganze Dorf ist glücklich“, berichtete der Ortsvorsteher gestern. Erst im vergangenen Sommer hatte Veit Steinle, Abteilungsleiter im Bundesverkehrsministerium, bei einer Dorfversammlung dem Lohrsdorfer Projekt „gute Chancen“ für die Aufnahme in den Plan eingeräumt.

Nur, wann die seit 60 Jahren gewünschte Umgehung gebaut wird, das ist offen. Die Projekte des Bundesverkehrswegeplanes unter der Position „vordringlicher Bedarf“ haben jedoch die Aussicht, bis 2030 realisiert zu werden. Da will Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles intervenieren. „Ich werde mich im Deutschen Bundestag dafür einsetzen, dass wir die entsprechenden Ausbaugesetze noch in diesem Jahr verabschieden können“, erklärte die SPD-Politikerin aus dem Wahlkreis Ahrweiler. Neben der Bedeutung der Ortsumgehung Lohrsdorf unterstrich Nahles auch die des Lückenschlusses der A 1 im Westen des Kreises. Sie wertet wie Juchem die Nachricht aus Berlin als Etappenziel für die Projekte im Kreis Ahrweiler.

„Wir sind froh, dass die Umgehung Lohrsdorf als vordringliches Neubauvorhaben gekennzeichnet ist und somit bei künftigen Überlegungen des Bundes wieder eine Rolle spielen kann“, sagte denn auch Kreisstadt-Bürgermeister Guido Orthen gestern. Denn die Menschen im östlichen Stadtteil seien es, die schon seit Jahrzehnten all die Belästigungen vor der eigenen Haustüre zu ertragen hätten, die das „immense Verkehrsaufkommen in dem Nadelöhr mit sich bringt“.

Mit einer Resolution reagierte der Adenauer Verbandsgemeinderat unter Vorsitz von Bürgermeister Guido Nisus auf den Plan aus Berlin.

Darin heißt es unter anderem: „Es ist nun mit Nachdruck darauf hinzuwirken, dass die baurechtlichen Voraussetzungen für den Lückenschluss zeitnah geschaffen werden. Dazu sind in erster Linie die Landesregierungen von Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz in der Pflicht. Der Verbandsgemeinderat Adenau fordert die Landesregierungen auf, nunmehr unverzüglich die erforderlichen Schritte umzusetzen.“

Landrat Jürgen Pföhler sprach gestern in Sachen Lohrsdorf und A 1 von einer „wichtigen Weichenstellung für die Infrastruktur im Kreis“. Unverständnis zeigte der Landrat hingegen dafür, dass die alternative Güterzugstrecke zur Entlastung des Mittelrheintals nicht für eine Planung vorgesehen sei: „Das ist angesichts der vom Schienenlärm betroffenen Bevölkerung nicht akzeptabel.“ (Günther Schmitt)