Bildband über Ahrweiler

Im Laufe der Jahrhunderte

AHRWEILER. Der Heimatverein „Alt-Ahrweiler“ und Hans-Georg Klein stellen einen neuen Bildband vor. In 19 Kapiteln bietet dieser viele Stiche, Drucke und Fotos.

Ein kleines Gotteshaus auf einem hoch aufragenden Felsen, der zu allen Seiten steil abfällt, oben auf dem Türmchen ein Wetterhahn. Und ein Weg mit vielen Stufen, der sich wie eine Schlange zu dem Gebäude hoch zieht, dieses umschlingt: So hat ein Künstler aus dem 17. Jahrhundert die Kapelle auf dem Ahrweiler Calvarienberg in einer aquarellierten Federzeichnung dargestellt und damit das Wesentliche dieses kleinen Bauwerks festgehalten: eine Verbindung von der Erde zum Himmel.

Die Zeichnung fällt direkt ins Auge, wenn man den neuen Bildband „Ansichtssachen. Ahrweiler in alten Stichen, Drucken und Fotos“ aufschlägt. Hans-Georg Klein hat den Band zusammengestellt, der Heimatverein „Alt-Ahrweiler“ hat ihn herausgegeben. Bei einer gut besuchten Veranstaltung mit Lichtbildern in der Ahrweiler Zehntscheuer hat Klein das Buch vorgestellt. Es zeigt 584 zum größten Teil noch unveröffentlichte Bilder mit kurzen Erklärungen aus dem alten Ahrweiler bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Aufgeteilt ist der Bildband in 19 Kapitel nach Sachthemen wie Alte Ansichten, Stadtbefestigung, Die Ahrtalbahn, Die Gleislose, Hochwasser, Karneval, Martinsbrauchtum, Schützengesellschaften, Krieg, Schulen – damit ist alles abgedeckt, was die alte Stadt ausmacht.

Bilder mit Wiedersehenseffekten

Bei markanten Gebäuden wird auf den Wandel der Nutzung im Laufe von Jahrhunderten und Jahrzehnten hingewiesen. Schön sind die Zeichnungen und Fotos der Stadttore in ihrer durchaus noch dörflichen Umgebung mit pickenden Hühnern und unbefestigten Straßen.

Ein Foto vom oberen Kanonenwall zeigt ganz nebenbei eine Frau mit Ziege auf dem Weg zur Bockstation. Schön auch ein Blick auf die Promenierenden auf der Friedrichstraße – noch mit Baumbestand. Auf der Rausch konnten Kinder einst ihren Kreisel rotieren lassen. Berücksichtigt sind auch Bachem und Walporzheim.

Wiedersehenseffekte zeigten bei der Präsentation Einrichtungen wie der „Rheinkonsum“ und der „Damen u. Herren Frisiersalon“, beides in der Niederhutstraße und mit Belegschaft. Durchaus dörflich wirkt das Haus der Parfümerie Kurt Kley in der Oberhutstraße von 1910 mit Familie, schon etwas gediegener das Geschäft von Schuhmachermeister Johann Knieps in der Oberhut auf einem Foto von 1914. Thema ist auch die die vorab stark diskutierte Errichtung der Fußgängerzone in der Altstadt.

Weinbau und Winzerfeste

Der „Weiße Turm“ um 1900 ist zu sehen, die Villa Sophia, der Ahrweiler Winzerverein im Wandel, Winzerhöfe und Mühlen, Café Hohenzollern. Dann geht’s weiter mit den Stadtbefestigungen, der Ahrtalbahn, der „Gleislosen“, der Strategischen Eisenbahn, der Pilzzucht in den dazugehörigen Tunneln und schließlich der Dokumentationsstätte Regierungsbunker.

Hochwasser schießt unter Brückenbögen durch und reißt ganze Häuser mit sich. Themen sind Weinbau und Winzerfeste, Karnevalsumzüge, Schanzenbau fürs Martinsfest, Kommunion und Prozessionen, Schützengesellschaften – mit viel Volk und vielen Bekannten. Es folgen der Krieg und die Schulen, Klassenfotos mit vielen disziplinierten Kindern. Und man sieht das Ahrweiler Original Katinka Lingen 1974 mit Bundespräsident Gustav Heinemann.

Hans-Georg Klein: Ansichtssachen. Ahrweiler in alten Stichen, Drucken und Fotos. Herausgegeben vom Heimatverein „Alt Ahrweiler“, 240 Seiten, 28 Euro, ISBN 978-3-946766-01-08, erhältlich in der Buchhandlung „Am Ahrtor“ in Ahrweiler und in der ARE Buchhandlung Bad Neuenahr.