Ausstellung mit historischen Fotografien

Hospiz im Ahrtal zeigt alte Nürburgring-Fotos von Willi Weber

An einem der Nürburgring-Exponate: Werner Ring (v.l.), Wolfgang Gros, Christoph Drolshagen, Dieter Weidenbrück und Monika Lessenich.

An einem der Nürburgring-Exponate: Werner Ring (v.l.), Wolfgang Gros, Christoph Drolshagen, Dieter Weidenbrück und Monika Lessenich.

BAD NEUENAHR. Das Hospiz im Ahrtal am Bad Neuenahrer Dorotheenweg zeigt Schwarz-Weiß-Fotografien von Willi Weber: Zu bestaunen sind Bilder der Legende "Nürburgring" sowie Fotos ihrer legendären Bezwinger.

Weber hatte zwischen 1969 und 1973 viele Motorsport-Veranstaltungen auf dem Nürburgring für die Ring GmbH, den ADAC und den AvD mit seiner Kamera festgehalten.

Für die Menschen der Region hat der Nürburgring einen extrem hohen Stellenwert. Sie fühlen sich mit ihm verbunden, sind mit ihm verwurzelt, da sitzen Emotionen ganz tief. 300 000 Zuschauer verfolgten in den 1960er Jahren die Formel-1-Rennen, fieberten mit ihren Idolen. Fakt ist aber auch, dass viele Fahrer, wie Gerhard Mitter, nicht mehr ins Ziel zurückkehrten. „Die Uhr tickte bei ihm ins Leere“, kann sich Dieter Weidenbrück, Sprecher des Vereins „Ja zum Nürburgring“, an den tragischen Unfalltod Mitters am 1. August 1969 nur zu gut erinnern, denn er war der Junge, der kurz zuvor noch von dem Piloten eine Unterschrift im Programmheft ergattert hatte.

Er steht im Hospiz im Ahrtal am Bad Neuenahrer Dorotheenweg mit anderen rennsportaffinen Männern vor Schwarz-Weiß-Fotografien von Willi Weber zusammen, um Bilder der Legende Nürburgring, aber auch ihrer legendären Bezwinger auf vier Rädern zu bestaunen. Weber hatte zwischen 1969 und 1973 viele Motorsport-Veranstaltungen für die Ring GmbH, den ADAC oder AvD mit seiner Hasselblad oder Leica festgehalten. Bis zu dem Tag, an dem er sich im alten Fahrerlager eine Kohlenmonoxidvergiftung zuzog und seine Frau ihm weitere Aufnahmen in der grünen Hölle verbot. 1988 starb Willi Weber. Werner Ring (63) nutzte jetzt seinen Vorruhestand, um Ordnung in rund 2500 Motive seines Stiefvaters, dessen Passion für den Nürburgring nie verblasste, zu bringen und einige davon nun der Allgemeinheit zugänglich zu machen.

Im Lindner-Hotel am Ring hängen schon viele Exponate des Motorsportfotografen und sind dort laut Direktor Wolfgang Gros „der Hotseller“. „100 000 Gäste laufen im Jahr bei uns durch die Lobby, die Nachfrage ist enorm“, so Gros. Hat das Hotel die Kosten für die Exklusivauswahl in Galeriequalität als Druck auf Alu-Dibond oder hinter Acrylglas übernommen, so konnten aus dem Verkauf bereits 1000 Euro für die Hospizarbeit im Kreis Ahrweiler gespendet werden.

Das war einer der Gründe, eine zusätzliche Ausstellung im neuen stationären Hospiz zu installieren, die dort bis April zu sehen sein wird. Ein anderer ist sicher, dass gerade im Rennsport Leben und Tod eng beieinander liegen. Und ein weiterer ist: „Leben bis zuletzt lautet unsere Prämisse“, so Geschäftsführer Christoph Drolshagen, der mit Hospiz-Vereins-Beisitzerin Monika Lessenich Werner Ring, Wolfgang Gros und Dieter Weidenbrück zur Vernissage begrüßte. „Sport im Allgemeinen, Autorennen im Speziellen, das ist ein Ausdruck von Leben“, betonte Drolshagen. Und Lessenich ergänzte: „Die Hospizbewegung ist eine Bürgerbewegung und wir wollen, dass jeder, nicht nur Hospizgäste und ihre Angehörigen, ins Haus kommt. Wir lassen hier das Leben zu.“

Über die goldenen Zeiten des Nürburgrings gerieten die Vernissage-Gäste schnell ins Schwärmen, jedes Motiv von Willi Weber mit Legenden wie Jackie Stewart, Jochen Mass, Mario Andretti oder Juan Manuel Fangio brachte neue Anekdoten hervor. Die von Fangio, der mit anderen Argentiniern fürs 84-Stunden-Rennen trainierte, die aber nur bis in die Hatzenbach kamen, weil der Ring sich von seiner tückenreichsten Seite zeigte. Oder die von der hübschen Blondine im Minirock, die barfuß neben einem Boliden bei der Startaufstellung stand. Die vom Formel-1-Star, der selbst schraubend unterm Auto lag und trotzdem bereitwillig ein Autogramm gab. Oder die von den Jungen aus der Eifel, die alle wussten, wo der Zaun an der Strecke undicht ist und die alle ihren Sport der Jugend betrieben, indem sie für eine Mark eine Runde über die Nordschleife bretterten.