Flüchtlingsnetzwerk in Bad Neuenahr-Ahrweiler

Helfer bündeln ihre Hilfe

BAD NEUENAHR-AHRWEILER. Aktuell gibt es in Bad Neuenahr-Ahrweiler 56 Asylsuchende, 31 Kontingentflüchtlinge und rund 400 anerkannte Asylbewerber. Menschen, die vor Krieg und Gewalt geflüchtet sind, die bei Null wieder anfangen, die der Hilfe bedürfen und deren dramatische Geschichten man am besten gar nicht wissen will.

Helfen wollen viele. Doch wenn jeder helfen will, werden Pfarrhäusern oder Caritas Türen eingelaufen, das Durcheinander ist programmiert. So haben sich katholische und evangelische Seelsorger nach Worten des Ahrweiler Dechanten Jörg Meyrer "zwischen Tür und Angel entschieden", mit Organisationen wie Caritas, Diakonie und ökumenischer Flüchtlingshilfe ein Flüchtlingsnetzwerk aus der Taufe zu heben. Das ist am Donnerstagabend im Rathaus der Kreisstadt geschehen. "Der Laden ist voller als wir gehofft haben", kommentierte Meyrer das Geschehen im Ratssaal. Gut 150 Bürger waren erschienen, um Hilfe anzubieten oder sich über Hilfsmöglichkeiten zu informieren.

"Nehmt einander an", gab denn auch der evangelische Pfarrer Klaus Neufang die Losung aus. Er machte aber auch darauf aufmerksam, dass es auch in der Kreisstadt "Menschen mit Ängsten oder Vorbehalten gegenüber Flüchtlingen" gebe. Dabei seien viele evangelische Christen vor 70 Jahren selbst als Flüchtlinge aus dem Osten an die Ahr gekommen. "Jeder Mensch, den Sie auf Bildern oder TV-Beiträgern auf einem Flüchtlingsboot sehen, kann auch hierhin kommen", erläuterte Eva Pestemer von der Caritas. Es gehe darum, vorbehaltlos Hilfe anzubieten. Und dies gebündelt und kompetent. Deshalb nannte sie Kernbereiche, in denen Bürger aktiv werden können: Wohnungen, Material, Bildung und Sprache, Begleitung sowie im Organisationsteam jeweils unter Leitung von hauptamtlichen Helfern oder wie im Fall Wohnungen den Experten von Sozialamt und Jobcenter.

Viel Theorie, der noch am selben Abend mit einer Art "Markt der Möglichkeiten" Praxis folgte. Da suchte die Grundschule Bad Neuenahr Blöcke und Stifte, ein Mann mit Kastenwagen bot jeden Freitag Transporte an. Auch gab es Migranten, die spontan ihre Hilfe als Dolmetscher anboten. Zudem konnte jeder einen Fragebogen mit Kontaktdaten ausfüllen: "Was möchte ich tun? Was kann ich zur Verfügung stellen? Was mache ich besonders gerne?"

Wer helfen möchte, kann sich im Pfarrbüro Sankt Laurentius unter Tel. 02641 34737 melden.