Pläne für Kahlschlag an der Ahr

Gutachter untersuchen Bäume in Bad Neuenahr

Groß ist das Interesse an der Allee-Begehung in Bad Neuenahr. Laga-Geschäftsführer Martin Schulz-Brehme (Mitte) erläutert dabei die Baumproblematik.

Groß ist das Interesse an der Allee-Begehung in Bad Neuenahr. Laga-Geschäftsführer Martin Schulz-Brehme (Mitte) erläutert dabei die Baumproblematik.

Bad Neuenahr. Fast 200 Bäume am Ufer der Ahr sollen weichen, wenn es nach Plänen für die Landesgartenschau 2022. Das sorgte in Bad Neuenahr für hitzige Diskussionen. Nun untersuchen Gutachter die Bäume.

Ob es nun Alleen sind oder nur Bäume in zwei Reihen - den Bad Neuenahrern ist es ziemlich egal, was die Berliner Planer vom Büro bbz für die Landesgartenschau 2022 unter Allee-Charakter verstehen. Das wurde am Mittwochnachmittag bei einer Ortsbegehung an der Bad Neuenahrer Lindenstraße und der Georg-Kreuzberg-Straße mit dem Landschaftspflegeausschuss deutlich. Denn wenn es nach den Planern aus der Hauptstadt geht, müssten 198 Schwarznussbäume, Kastanien, japanische Kirchen und andere Bäume, die zum Teil seit 150 Jahren das Ahrufer säumen, weichen, um einer reinen Lindenallee Platz zu machen.

Das mag Unter den Linden in der Hauptstadt en vogue sein. Die Akzeptanz in der Kreisstadt tendiert, obwohl einige Bäume tatsächlich leidend aussehen, für diese Maßnahme gegen Null.

Und genauso spiegelte sich das Bild in der Ausschusssitzung, die die Begehung folgte. Niemand will einen Kahlschlag. Dafür aber mehr Wissen über Artenschutz und den Zustand der 198 Bäume zwischen der Landgrafenbrücke und der Maria-Hilf-Brücke.

Genau aus diesen Gründen wird es, obwohl die Zeit für die Realisierung der Gartenschauprojekte so langsam drängt, mit der Entscheidung, was in den betreffenden Alleen geschieht, noch dauern. Denn einmütig sprachen sich alle Fraktionen dafür aus, die Beratung in den Herbst zu verschieben. So haben Gutachter die Möglichkeit, den Zustand der Bäume während des Frühjahrs und des Sommers zu beobachten und nach festgesetzten Kriterien zu bewerten. Denn, so Laga-Geschäftsführer Martin Schulz-Brehme: "Die Vitalität des Bestandes lässt sich erst nach dem Austreiben der Bäume bewerten."

Auch eine artenschutzrechtliche Überprüfung steht in dieser Zeit an. Fest steht für Schulz-Brehme, dass davon auszugehen ist,  dass im Bereich der Ahrpromenade eine Quartier- und Brutstättenkartierung und Kontrolle sowie eine Kartierung von Fledermäusen und Amphibien erforderlich werden, bevor gutachterliche Aussagen getätigt werden können. Diese dürften im Herbst vorliegen.

"Bis dahin steht jede Planung unter dem Vorbehalt der artenschutzrechtlichen Zulässigkeit", heißt es von der Gartenschau-Gesellschaft.

Fakt ist eines: Von den 198 Bäumen, um die sich die Diskussion bislang gedreht hat, ist aktuell lediglich ein Baum in einem Zustand, der sein Fällen aus Verkehrssicherungsgründen notwenig macht.

Was die Berliner wollen, ist klar: eine Allee für die nächsten 100 Jahre. Doch ob die Bad Neuenahrer dafür die Vielfalt der bisherigen Anlagen opfern wollen, dahinter steht ein großes Fragezeichen. Deshalb fordert die Politik mehr Wissen ein. Jetzt sind die Gutachter am Zug.