Bürgermeisterwahl in Bad Neuenahr-Ahrweiler

Guido Orthen ist wieder als Bürgermeisterkandidat nominiert

CDU-Kreisvorsitzender Horst Gies (l.) gratuliert Guido Orthen zur Nominierung.

CDU-Kreisvorsitzender Horst Gies (l.) gratuliert Guido Orthen zur Nominierung.

BAD NEUENAHR-AHRWEILER. Der CDU-Stadtverband von Bad Neuenahr-Ahrweiler nominiert Guido Orthen erneut zum Bürgermeisterkandidaten. Einen Gegenkandidaten gibt es nicht - auch nicht von Seiten der Opposition.

Guido Orthen soll nach dem Willen des CDU-Stadtverbandes Bürgermeister der Kreisstadt bleiben. Mit überwältigender Mehrheit (51 Ja-Stimmen, zwei Nein-Stimmen, eine Enthaltung) wurde der 51-jährige Jurist von den Mitgliedern der CDU zum Kandidaten für die Wahl am 12. November nominiert. Einen Gegenkandidaten hatte Orthen in der Parteiversammlung nicht. Nach bisherigem Stand werden die örtlichen Parteien keine eigenen Bewerber für das Bürgermeisteramt der Kreisstadt ins Rennen schicken.

In einer eindrucksvollen 40-minütigen Rede hatte Orthen – seit acht Jahren im Amt – nicht nur Rückschau gehalten und einen Ausblick gegeben, sondern in berührender Weise auch Einblick in seine Gemütsverfassungen gewährt. Eine erneute Kandidatur sei für ihn nicht immer zweifellos gewesen, gab er zu.

„Eine geraume Zeit haben Ereignisse unsere Arbeit in Rat und Verwaltung dominiert, die wir vor acht Jahren in der Dimension nicht erahnen konnten. Ereignisse, die uns in Atem gehalten haben, die verdammt viel Kraft gekostet haben und auch mich zeitweise an meine psychischen und physischen Grenzen gebracht haben“, sagte Orthen.

Drei Erfahrungen habe er in dieser für ihn schweren Zeit gemacht: „Wir sind nicht allein. Da ist ein Gott und da sind immer Menschen, die einen nicht im Stich lassen. Die Politik dieser Stadt steht dann fest zusammen, wenn wir zum Wohle der Stadt Herausforderungen zu bewältigen haben, wenn wir Probleme zu lösen haben, die wir nicht selbst verursacht haben. Und: Krise bedeutet immer auch Chance.“

Orthen rief zu einem „Mutausbruch“ auf: „Unser Land und unsere Stadt stehen gut da, weil viele Menschen täglich ihre Pflicht tun, und weil viele Menschen täglich mehr als ihre Pflicht tun und mutige Entscheidungen treffen.“

Er wolle ein Zeichen gegen die „Miesepeter, Schlechtredner, Problemsucher, Verhinderer und lebensunlustigen Ewiggestrigen“ setzen, sagte Orthen in seiner Bewerbungsrede. Die Stadt brauche keine egoistischen Wutbürger, sie brauche Mutbürger, die bereit seien, zum Wohle aller Verantwortung zu übernehmen.

Seit acht Jahren ist der 51-jährige Jurist im Amt

Die Gestaltung des unmittelbaren Lebensumfeldes sei die Sache aller. Dialoge, Bürgerinformation und Bürgerbeteiligung seien wesentliche Voraussetzung dafür, dass politische Entscheidungen gelängen. Orthen: „Gemeinsam mit den politischen Mandatsträgern möchte ich auf diesem Weg der Transparenz weiter gehen für und mit Menschen.“

Aber am Ende einer Diskussion brauche die Stadt den Mut zur Entscheidung derer, die in freien, geheimen, unmittelbaren und gleichen Wahlen vom Volk zur Entscheidung berufen seien. „Und bei diesen Entscheidungen braucht man eben auch den Mut, gegen laut vorgetragene Einzel- oder Gruppeninteressen das öffentliche Wohl durchzusetzen und auch dann Nein zu sagen, wenn ein Ja nicht ehrlich oder nicht verantwortlich ist“, fügte Orthen an. Seit 2012 gebe es in der Kreisstadt ausgeglichene Haushalte. Dies bleibe die finanzpolitische Maxime. Finanzpolitisch nicht rentierliche Investitionen sollten grundsätzlich gegenfinanziert werden, damit die Verschuldung langfristig zurückgeführt werden könne. Das bedeute aber, dass für finanzpolitisch rentierliche Investitionen auch vor dem Hintergrund der Infrastrukturmaßnahmen innerhalb der Landesgartenschau durchaus eine Kreditfinanzierung vertretbar sei.

Bei Steuern und Abgaben gelte es, in Zukunft weiter Maß zu halten. „Das bedeutet aber zugleich, dass auch eine Erhöhung von Gebühren, Beiträgen und Steuern dann erfolgen muss, wenn auf anderem Wege ein Haushaltsausgleich nicht erreicht wird. Dies steht wahrscheinlich bereits für den Haushalt 2018 an“, kündigte Orthen an.

Hotellerie, Gastronomie, die Gesundheits- und die Weinwirtschaft seien wesentliche Säulen der Stadt. „Wir haben mit dem Erwerb der ehemaligen AG-Liegenschaften die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass wir Zukunft selbst gestalten können. Und wir haben mit der Gründung und der Heilbad-Gesellschaft die identitätsstiftenden Faktoren für das Heilbad Neuenahr zu neuem Leben erweckt“, führte das Stadtoberhaupt aus. Er sehe aber ebenfalls, dass viele Bereiche, insbesondere mit Blick auf die Übernachtungszahlen, offensichtlich nicht rund laufen würden.

Es gelte, jungen Menschen die Möglichkeit zu geben, ihren Traum vom Eigenheim zu verwirklichen. Und es gelte, bezahlbaren Wohnraum für alle Generationen zu schaffen. Orthen: „In diesem Zusammenhang möchte ich auch die Gründung einer Wohnungsbaugesellschaft diskutieren.“ Darüber hinaus ging der Bürgermeister auf das Thema „Soziales“ ein: „Es geht nicht allen gut. Kinder- und Altersarmut dürfen keine Tabuthemen sein. Es ist notwendig, auch jene Menschen im Blick zu haben und für sie einzutreten, die der solidarischen Hilfe der Gesellschaft bedürfen. Ich möchte eine soziale Stadt.“

Die größte Chance für die Entwicklung der Stadt und zugleich für eine nachhaltige Bewusstseinsveränderung in Bad Neuenahr werde die Landesgartenschau sein. Sie werde zum wirtschaftlichen Impulsgeber. Orthen: „Wir planen und schaffen nachhaltig: für heute und für morgen.“

Bad Neuenahr-Ahrweiler bleibe eine Stadt der Offenheit und des respektvollen Miteinanders. Orthen wolle den Menschen weiter Mut machen, „damit sie Ja zum Leben sagen und wir gemeinsam dieses Leben in unserer Stadt ein Stück liebenswerter und menschlicher machen“.