Kloster in Ahrweiler verkauft

Große Andrang bei Räumung des Klosters Calvarienberg

AHRWEILER. Beim Ausverkauf des Kloster-Inventars auf dem Calvarienberg herrschte ein Massenandrang. Hunderte Menschen wollten ein Andenken ergattern.

Die Aufforderung an der Tür wurde von den meisten übersehen. Aber sowieso hätte es dort statt „Bitte den Spielsaal aufgeräumt verlassen“ getrost auch „ausgeräumt“ heißen können. Denn beim als „Flohmarkt“ bezeichneten Ausverkauf des Inventars im Ahrweiler Kloster Calvarienberg blieb zwischen Internats-Spielsaal und Internats-Speisesaal so gut wie nichts stehen oder liegen. Massive Eichentische und Schränke wurden, teils in Einzelteile zerlegt, wie in Ameisenkolonnen herausgetragen. Kaum einer, der nicht wenigstens mit einem Kerzenhalter oder einer Kaffeekanne im Arm, einem zierlichen Kruzifix in der Handtasche oder meterhohem Kruzifix auf der Schulter den Calvarienberg an diesem Tag wieder verließ. Auch Bücher in Sütterlin, Töpfe, Teppiche, Wolle und ein Webstuhl fanden Abnehmer. Selbst Bilder an der Wand und die schwarzen Vogel-Imitate, die draußen die Tauben abschrecken sollen, interessierten die Besucher.

Vor dem Klostergebäude herrschte zuweilen Verkehrschaos wegen des Besucherstroms zu Fuß oder mit dem Auto und den Wagen mit Anhängern, die nach gemachtem Fund als Transportmittel herbeizitiert wurden. Hinauf auf „den Berg“ sowie hinunter ging zeitweise nichts mehr, und auch im Gebäude staute es sich gewaltig.

Mit viel Resonanz hatte Schwester Irmgard als Hauptorganisatorin gerechnet, „weil ich das schon in Aachen mal mitgemacht habe, sagte sie. Aber von einem solchen Pilgerandrang waren auch die alteingesessenen und an Prozessionen zu ihrem Wallfahrtsort gewöhnten Nonnen überwältigt. „Man kommt kaum zum Nachdenken, aber vielleicht ist das auch gut so. Schön ist die Kloster-Aufgabe ja nicht, aber es muss sein“, konstatierten einige von ihnen.

Lange Schlangen vor dem Kloster

Schon lange bevor die Klosterpforten öffneten, hatten sich Schlangen davor gebildet. Und drinnen waren vor allem Kommoden und Wäschetruhen schnell weg oder mit dem Vermerk „verkauft“ versehen. Alles aus Holz sowie Besteck, Porzellan und, zur Überraschung mancher Schwester, auch Handarbeitsutensilien fanden reißenden Absatz. Fürs Nachräumen hatten sie kaum Luft. Dabei hatten sie sich schon Verstärkung von befreundeten Ursulinen von außerhalb geholt, und ein paar Besucher erklärten sich spontan bereit, noch mitzuhelfen.

Der Niederzissener Ulrich Durben hatte sich mitten im Trubel auf einem Stuhl niedergelassen. Nicht nur um sich diesen zu sichern, sondern auch, um auf seine Frau zu warten, die unter anderem mit einer Bibel und zwei Kerzenleuchtern zurückkehrte. „Auch unsere Tochter, die hier in den 80ern in der Schule war und jetzt in Lüneburg wohnt, war es wichtig, dass wir ihr etwas mitbringen“, sagten sie. Ein Erinnerungsstück wollte fast jeder. Julia Boes aus Ehlingen und Christian Dolff aus Ahrweiler begnügten sich mit einem Kristallglas-Teelichthalter respektive einer Münzgeldkassette.

Die Calvarienberg-Abiturienten des Jahrgangs 2015 erkannten um sich herum die Stühle aus dem Kunstsaal und Einzeltische aus dem Klassenarbeitsraum wieder und hatten sich selbst an eins der Zweier-Pulte aus den früheren Klassenzimmern gesetzt, um „ein bisschen nostalgisch“ zu beobachten, wie erst alle um sie herumschwirrten und der große Raum dann immer leerer wurde.

Viele Auswärtige kamen zum Kloster

Neben Ehemaligen auf Andenken-Suche und Kreisstädtern, die erstmals oder letztmals vorbeischauen wollten, kamen auch viele Auswärtige, entweder Schnäppchenjäger oder „weil es so einen Ausverkauf im Kloster ja nicht alle Tage gibt“. Zwei Boxen mit Stickgarn und Wolle machten die neunjährige Greta aus Bad Godesberg glücklich. „Der Fund ist ganz unerwartet, wo sie doch so gerne stickt“, erklärte ihre Mutter. Flohmarkt-Fan Michael Roos aus Mendig nannte bald eine Stehlampe fürs Wohnzimmer und einen Schrank „für sperriges Kochgeschirr für die Gartenküche“ sein eigen.

Auf einigen Gegenständen standen Mindestspendesummen, an anderen hingen Zettel mit der Bitte: „Machen Sie uns für diese(s) Objekte(e) ein großzügiges Spendenangebot, das wir nicht ablehnen können.“ Viele zeigten sich großzügig, „weil der Erlös ja schließlich dem Erhalt der Schulen des Calvarienbergs zugute kommt“, andere gaben sich als harte Verhandler. Auf jeden Fall füllten sich die zu Spendentöpfen umfunktionierten Bodenvasen, die in jedem Raum die Kasse ersetzten, schnell.

Um die Mittagszeit flaute der Ansturm ab. Auch einige Besucher nutzten schweigend die Ruhe nach dem Sturm, um bei einem Rundgang im Klostergarten wieder zu sich zu kommen – oder um Abschied zu nehmen vom „C’berg“, der für viele Ex-Schüler „nicht mehr dieselbe sein wird wie mit den Ursulinen“. Weitere Flohmarkttermine im Kloster Calvarienberg sind jeweils samstags, 1. April und 6. Mai, von 10 bis 15.30 Uhr.