Energie in Bad Neuenahr

Gläsernes Kraftwerk zur Landesgartenschau

BAD NEUENAHR. Die Ahrtal-Werke wollen Produktion von Wärme und Strom für die Besucher am Eingangstor der Landesgartenschau erlebbar machen. Dazu soll ein "Gläsernes Kraftwerk" errichtet werden.

„Bebauungsplan Schulzentrum Bad Neuenahr - 4. Änderung.“ Unter dieser nüchternen Bezeichnung liegt derzeit ein Papier im Rathaus der Kreisstadt zur Einsicht aus, das sich erst auf den zweiten Blick als Projekt der Landesgartenschau offenbart. Denn der Bebauungsplan ist die Voraussetzung für ein „Gläsernes Kraftwerk“, das die Ahrtal-Werke direkt am Eingangsbereich der Landesgartenschau neben der Sporthalle der Berufsbildenden Schule(BBS) in Bad Neuenahr errichten wollen.

Bislang stehen dabei nur die Kerndaten fest: Auf dem 2000 Quadratmeter großen Grundstück soll ein Blockheizkraftwerk entstehen – Gebäudehöhe etwa 16 Meter, Höhe der Pufferspeicher 20 Meter und Höhe der Schornsteinanlage bis zu 34 Metern. So geht es aus der Textfassung des Bebauungsplanes hervor. Was aber bedeutet „Gläsernes Kraftwerk“? Unter diesem Begriff findet sich die geplante Anlage in den Bewerbungsunterlagen für die Landesgartenschau. Der General-Anzeiger fragte bei Dominik Neswadba, Geschäftsführer der Ahrtal-Werke, nach.

„Wir wollen für die Landesgartenschau, die sich ja Klimaneutralität als Überschrift gegeben hat, Kraft-Wärme-Kopplung für jedermann erlebbar machen“, sagt Neswadba. Gläsern bedeute in dem Zusammenhang nicht, dass das Kraftwerkgebäude aus Glas sei, sondern dass Produktion und Philosophie transparent gemacht würden. Letzteres könne über Schaukästen, Informationstafeln, aber auch über Bildschirme geschehen. „Wichtig ist uns, dass interessierte Menschen erfahren können, wie wir aus Gas zunächst Wärme für die Fernwärme in der Stadt und quasi als Zusatzprodukt Strom für die Haushalte produzieren“, sagt Neswadba, der mit dem Planungsrecht für die Anlage im Sommer rechnet: „Dann erst können wir den Bauantrag einreichen, mit der Planung können wir intern aber schon früher loslegen.“

Ob es dann noch für einen Baubeginn in diesem Jahr reicht, ist offen. Fest steht für den 41-jährigen Geschäftsführer: „Zur Landesgartenschau ist die Anlage in Betrieb.“ Bis dahin werden dann nach aktueller Schätzung sechs Millionen Euro am Standort Schulzentrum verbaut werden, eine Million fürs Gebäude, fünf Millionen für die Technik. „Das sind Erfahrungswerte aus dem Bau des Blockheizkraftwerkes am Dahlienweg, das 2013 in Betrieb genommen wurde“, sagt Neswadba. Konkrete Kalkulationen lägen noch nicht vor.

Was jedoch vorliegt, sind Zahlen zur Produktion der neuen Anlage. Diese ist so ausgerichtet, dass rund 1000 Ein-Familienhaushalte mit Fernwärme (15 000 kw/h pro Jahr entsprechen 1500 Litern Heizöl) und 7000 Haushalte mit Strom bei einem Verbrauch von 2500 Kilowattstunden pro Jahr versorgt werden können. In einem Ring sind dann künftig die Fernwärmeleitungen von Dahlienweg (Kraftwerk 1) und Berufsbildender Schule (Kraftwerk 2), für die der Liefervertrag mit dem Kreis Ahrweiler als Träger schon unterschrieben ist, verbunden.

Zurück zum „Gläsernen Kraftwerk“. „Wir planen und bauen zuerst die Technik und dann das Gebäude drumherum“, sagt Neswadba. Die Bauzeit ist etwa auf ein Jahr angesetzt. Erst dann könne gesagt werden, wie es erlebbar gemacht werde. Da seien der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Doch eines weiß der Geschäftsführer des Regionalversorgers heute schon: „Fenster alleine genügen nicht. Es bedarf der Erläuterungen.“ Daher kann er sich gut vorstellen, dass es ab der Landesgartenschau Führungen durch das Kraftwerk gibt, wie sie auf Anfrage bereits im Werk am Dahlienweg stattfinden. Letztere seien allerdings bislang nicht offensiv beworben worden, weil diese ja auch Personal binden würden, das „nicht auf Vorrat eingestellt wird“. Dennoch haben sich seit der Inbetriebnahme vor fünf Jahren immerhin bereits 1000 Interessenten das Werk neben dem städtischen Betriebshof angesehen.

Direkt daneben haben die Ahrtal-Werke zurzeit ihre aktuelle Baustelle. In Kombination von Neubau und altem Wasserwerk entsteht dort die neue Zentrale der Gesellschaft, die zu 51 Prozent der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler und zu 49 Prozent Schwäbisch-Hall gehört. Der neue Komplex ist auf 41 Arbeitsplätze ausgelegt und soll zum Jahresende von den dann rund 20 Mitarbeitern bezogen werden. „Wir haben also noch Luft nach oben“, so Neswadba, der zurzeit den Bau der Fernwärmeleitungen in Richtung „Auf den Steinen“ und Boeselager-Realschule sowie Bahnhofs-Quartier Bad Neuenahr vorantreibt.