Oldtimer im Kurpark

Glänzender Chrom in Bad Neuenahr

BAD NEUENAHR. Mehr als 700 Oldtimer rollten durch Bad Neuenahr-Ahrweiler. Hunderte von Taxifahrten wurden von den Besitzern der mobilen Schätze zugunsten des Hospiz-Vereins Rhein-Ahr spendiert.

Wie wäre es denn mal mit einer Fahrt auf dem Rücksitz eines 70 Jahre alten Rolls-Royce durch Bad Neuenahr, winkend wie die Queen oder grüßend wie Konrad Adenauer – und alle Menschen blicken einem zu? Oder doch lieber die Tour im Flower-Power-Stil in einer klapprigen Ente, also dem Citröen 2CV? Alles war möglich. Denn die Oldies standen als Taxis bereit.

Dutzende von Oldtimern jeglichen Alters fuhren spendenfreudige Besucher des Kurparks und der Kurgartenstraße durch die Stadt. Hunderte von Taxifahrten wurden von den Besitzern der alten Mobile spendiert. So kam ein vierstelliger Betrag zusammen, über den sich der Hospiz-Verein Rhein-Ahr freuen darf. Die Taxifahrten waren Teil eines der größten Oldtimertreffs der Region.

Bei „Oldtimer im Park“ waren im Bad Neuenahrer Kurpark und rundherum automobile Schätzchen aus fast einem ganzen Jahrhundert zu bestaunen, die Vielfalt und Entwicklung vom Vehikel eines Ford T mit jeder Menge verbautem Messing aus dem Jahr 1910 bis hin zum schnurrenden Rolls-Royce aus den 1980er Jahren beschrieben. Zum fünften Mal stand der Ahr-Automobil-Club Bad Neuenahr hinter der Veranstaltung, die Jahr für Jahr mehr Fahrzeuge und mehr Besucher anlockt.

Besuch aus Spanien

Schon früh am Morgen knatterten oder surrten die ersten alten Schätzchen durch den Park, viele von Experte Bernd Schultz mit ihren Eigenheiten und Ausstattungen vorgestellt. Die Fahrer kamen nicht nur aus der Region, sogar aus Madrid war ein Autofan mit seinem Mercedes 220 SE angereist.

„Es dürften mehr als 700 Old- und Youngtimer sein“, konnte Mitorganisator Hermann-Josef Doll nur grob schätzen, denn anmelden musste sich niemand. Die meisten Fahrer suchten sich im Park ein Plätzchen, um die Fahrzeuge den Menschenmassen zu präsentieren. Jedes der Autos hat seine ganz eigene Geschichte. Echte Hingucker waren dabei, wie der Cord 812 aus dem Jahr 1937, angetrieben von einem Lycoming Flugzeugmotor. „Der war alleine so teuer, wie zehn Ford Autos“, berichtet sein Fahrer von einem Wiesbadener Automobilclub. Heute zahlen Sammler bis zu 200 000 Euro für solch ein Auto, von dem seinerzeit gerade einmal 99 Stück gebaut wurden. Eine andere Preiskategorie steht hinter der Isetta, deren Tür sich nach vorne öffnet. Der Hersteller baute eigentlich Kühlschränke, daher vielleicht auch die etwas unkonventionelle Einstiegsweise.

Nutzfahrzeuge fehlten auch nicht, eine alte Drehleiter der Feuerwehr oder ein Transportwagen der Polizei, eingesetzt bei den Großdemonstrationen im Bonn der 1980er Jahre. Ferraris standen bei den Alfa Romeos, der Rolls Royce Silver Shadow neben dem kleinen NSU 1000.

Nicht nur Schätze, sondern auch "Alltagskarren"

„Das schöne hier ist nicht nur die Masse an Fahrzeugen, sondern auch die Tatsache, dass hier nicht nur die großen automobilen Schätze zu sehen sind, sondern auch Alltagsfahrzeuge aus früheren Tagen“, bemerke ein Paar aus Luxemburg, das es sich neben seinem 1968er Jaguar gemütlich gemacht hatte. In der Tat zog auch der froschgrüne Ford Taunus die Blicke auf sich, und auch die eine Generation jüngeren Opel Monza und Ford Sierra sind schon Oldtimer.

Im Kurpark wollten Tausende von Menschen das automobile Spektakel erleben. Bei vielen wurden Erinnerungen wach, auch beim Blick auf die alten Motorräder und Mopeds, wie eine Kreidler Florett. Ein 58 Jahre altes BMW-Gespann kutschierte das Ehepaar Schlich aus Riedener Mühle, beide über 80 Jahre alt. „Wir drei sind zusammen 225 Jahre alt“, so der stolze Motorradbesitzer, der mit seiner Frau das Gefährt regelmäßig ausfährt.

Eines hatten übrigens alle gezeigten Autos gemeinsam, nämlich ein großes Stück Pappe unter dem Motor, denn hier und da tropfte schon einmal ein wenig Öl aus einer der Leitungen.