"EnAHRgie"

Forschungsprojekt stellt Abschlussbericht für Ahrweiler vor

Windkraft in Weibern. Die Kirche ist schon lange nicht mehr das höchste Gebäude des Eifeldorfes.

Windkraft in Weibern. Die Kirche ist schon lange nicht mehr das höchste Gebäude des Eifeldorfes.

KREIS AHRWEILER. Das Bundesforschungsprojekt „EnAHRgie“ stellt seinen Abschlussbericht für den Kreis Ahrweiler vor. Die Mitarbeiter sehen großes Potenzial für erneuerbare Energien und interkommunale Kooperationen. Aber auch Nachteile für den Tourismus.

Ein großes Potenzial für erneuerbare Energien und interkommunale Kooperationen im Kreis Ahrweiler sieht das Bundesforschungsprojekt „EnAHRgie“. An der Europäischen Akademie angesiedelt, untersucht das Projekt die Umsetzbarkeit der von der Bundesregierung propagierten Energiewende am Beispiel des Kreises Ahrweiler. Anhand dieser Modellregion sollen Wege für eine nachhaltige Gestaltung der Landnutzung und Energieversorgung auf kommunaler Ebene aufgezeigt werden. Jetzt gab es einen vorläufigen Abschlussbericht.

Der Wunsch nach Engagement im Bereich der Erneuerbaren Energien bestehe im Kreis Ahrweiler bereits seit Langem, berichtet Projektmitarbeiter Markus Voge von der Europäischen Akademie. Man könne gut an bereits bestehende Konzepte anknüpfen, etwa an die integrierten Klimaschutzkonzepte einiger Verbandsgemeinden und Städte.

Zudem solle auch die Landesgartenschau 2022 in Bad Neuenahr-Ahrweiler klimaneutral durchgeführt werden. „Doch die bisherigen Aktivitäten reichen bei weitem nicht aus, um das Ziel des Kreistags zu erreichen: Den Stromverbrauch im Kreis Ahrweiler bis 2030 bilanziell zu 100 Prozent aus Erneuerbaren Energien zu decken“, so Voge.

Photovoltaik und Kraft-Wärme-Kopplung

Deshalb erarbeiteten regionale Akteure und Wissenschaftler im Projekt EnAHRgie ein Energiekonzept für den Kreis Ahrweiler, das helfen soll, diese Ziele zu konkretisieren und zugleich die Möglichkeiten und Chancen im Landkreis darzulegen. Für jede Kommune wurden eigene Szenarien erstellt, die mögliche Zukunftsvisionen abbilden – auch unter dem Blickpunkt der Kosteneffizienz. Dabei kam heraus, dass es regional unterschiedliche Potenziale für den Einsatz von Erneuerbaren Energien gibt.

In Sachen Stromversorgung müssten etwa die Städte von den umliegenden Gemeinden mitversorgt werden. Die Szenarien veranschaulichten allerdings, dass insbesondere der verstärkte Einsatz von Windenergie es ermöglichen könnte, das ausgegebene Ziel zu erreichen: Den Strombedarf bis 2030 bilanziell zu 100 Prozent durch Erneuerbare Energien zu decken. Dafür seien kreisweit rund 55 Windräder mit jeweils drei Megawatt Leistung notwendig.

Auch andere alternative Technologien wie etwa die Photovoltaik oder die Kraft-Wärme-Kopplung seien in den Szenarien bedeutende Stromlieferanten, so Voge, könnten jedoch alleine den Energiebedarf im Kreis Ahrweiler nicht vollständig decken. Selbst, wenn sämtliche geeigneten Dächer mit Photovoltaik-Modulen ausgerüstet würden, könnte ein Versorgungsgrad von 100 Prozent ohne den Ausbau von Windenergie nicht erreicht werden. Verhältnismäßig gering seien auch die Potenziale zur Energiegewinnung aus Biogas, Klärgas oder Wasser.

„Während bei Strom eine Überproduktion Sinn macht, um Speicherverluste auszugleichen und die regionale Wertschöpfung zu stärken, kann Wärme kaum importiert oder exportiert werden“, hielt Voge entgegen. Hier könne eine 100-prozentige Deckung des Energiebedarfs durch Erneuerbare Energien nicht gewährleistet werden.

Umsetzungsvorschläge werden gemeinsam erarbeitet

Allerdings habe man den Aufbau zusätzlicher Wärmenetze aufgrund unzureichender Daten nicht berücksichtigen können. Diese seien jedoch zu empfehlen, um die Effizienz und den Anteil Erneuerbare Energien zu steigern. In den Ergebnissen fällt allerdings auch auf, dass insbesondere Energieeffizienzmaßnahmen wie eine bessere Gebäudedämmung den Wärmebedarf deutlich einschränken können.

Als mögliche Nachteile für den verstärkten Einsatz von Windenergie sehen die Forscher unter anderem einen Wertverlust bei Immobilien (bis zu 17 Millionen Euro) und mögliche Einbußen für den Tourismus. Letztere könnten sich auf bis zu fünf Millionen Euro pro Jahr insgesamt summieren. Allerdings sehen die Projektmitarbeiter auf der anderen Seite auch die Chance, das Thema Elektromobilität für den Tourismus greifbar zu machen und somit eine zusätzliche touristische Attraktion zu schaffen. „Emissionsfreier Verkehr vor idyllischer Landschaftskulisse mit E-Bikes und E-Autos, die durch sauberen und vor Ort produzierten Strom aufgeladen werden, könnte einen Imagegewinn für die Tourismusregion Ahrweiler bedeuten.“

Die Ergebnisse sollen in Arbeitsgruppen und in den Gremien weiter bearbeitet und der Öffentlichkeit auf der Abschlussveranstaltung präsentiert werden, die für Mittwoch, 6. Dezember, vorgesehen ist. Zuvor werden für Freitag, 24. November, alle Mitglieder der am Projekt beteiligten Verbände und Vereine des Landkreises Ahrweiler eingeladen, um gemeinsam Umsetzungsvorschläge für die Energiewende zu erarbeiten.

Einen Tag später gibt es dann ein „Vernetzungstreffen“, zu dem alle an der Energiewende interessierte Akteure aus Wirtschaft, Politik, Verwaltung und aus der Zivilgesellschaft eingeladen werden.