Zoff im Verein

Flüchtlingsnetzwerk im Kreis Ahrweiler bleibt unter alter Führung

Wiedergewählt (v.l.): Adelheid Trocha, Ingeborg Heuser, Heike Krämer-Resch und Joachim Trocha.

Wiedergewählt (v.l.): Adelheid Trocha, Ingeborg Heuser, Heike Krämer-Resch und Joachim Trocha.

BAD NEUENAHR. Eigentlich wollte der Vorstand des Vereins, der sich im Kreis Ahrweiler um Geflüchtete kümmert, komplett zurücktreten. Doch bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung kam alles anders.

Die bisherigen Vorstandsmitglieder des Flüchtlingsnetzwerks Kreis Ahrweiler machen weiter. Bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung, die notwendig geworden war, weil der Vorstand komplett zurücktreten wollte, stellten sich die Vorsitzende Heike Krämer-Resch, ihre Stellvertreterin Adelheid Trocha, Kassenwart Joachim Trocha und Schriftführerin Ingeborg Heuser überraschend zur Wiederwahl. Die anwesenden Mitglieder votierten mehrheitlich für sie: Jedes Vorstandsmitglied erhielt 24 Ja- und acht Neinstimmen sowie eine Enthaltung.

Der Wahl vorangegangen waren in der zweistündigen Versammlung teils hitzige Debatten, die zeigten, dass der Verein derzeit in zwei Lager gespalten ist. Eines hatte sich um die ehemalige zweite Vorsitzende Marion Morassi gebildet. Unter anderem dabei: Stadtrat Wolfgang Huste und Gerd Maurer.

Schlammschlacht auf Facebook

Die genannten drei hatten mit Äußerungen auf Facebook für Unfrieden im Flüchtlingsnetzwerk gesorgt und eine Schlammschacht im Internet angezettelt, auch weil sie den Verein mit politischen Parteien in Zusammenhang bringen wollten.

Adelheid Trocha nutzte nun die Gelegenheit zur Abrechnung und wandte sich an Maurer: „Die Äußerungen, die Sie gepostet haben, sind an den Haaren herbeigezogen. Sie zeigen, dass Sie die Menschen, die sich im Flüchtlingsnetzwerk engagiert haben, überhaupt nicht kennen, sonst würden Sie nicht solche gedankenlosen Posts versenden.“

Huste und Morassi warf sie deren Aussage vor, zwei Vorstandsmitglieder seien politisch bei der SPD tätig: Auch dies entspreche nicht der Wahrheit. Während Morassi und Huste sich auf einen verbalen Schlagabtausch einließen, schwieg Maurer.

Während der Wahlen flammte der Streit erneut auf. Morassi, die für den Vorsitz kandidieren wollte, zog ihre Kandidatur zurück. Huste behauptete, es werde zahlreiche Vereinsaustritte geben, sollte Krämer-Resch noch einmal gewählt werden. Die Vorsitzende zeigte sich unbeeindruckt. Derweil hatte Versammlungsleiter Antoun Haddad alle Mühe, für einen geordneten Ablauf zu sorgen.

Überraschender Rücktritt vom Rücktritt

Im Vorfeld der Mitgliederversammlung, als die Kandidatur von Morassi bekannt wurde, hatte sich der Vorstand wohl zu einer Kehrtwende entschlossen und dabei auch für den Verein geworben, der bis dahin nur aus wenigen Mitgliedern bestand, dafür aber bis zu 150 Helfer an seiner Seite wusste. Nun wurden binnen drei Wochen 22 neue Vereinsmitglieder gewonnen, die Gesamtzahl stieg auf 38.

Begonnen hatte die außerordentliche Mitgliederversammlung mit einem Rechenschaftsbericht der Vorsitzenden Krämer-Resch, die dabei nicht nur die Aktivitäten seit der vorigen, ebenfalls außerordentlichen Mitgliederversammlung im Dezember aufzählte. Sie stellte auch klar, dass gegen das Flüchtlingsnetzwerk keine schwebenden Untersuchungen aus dem Bereich des Zivil- oder Strafrechts anhängig seien oder jemals waren.

Kassenwart Joachim Trocha bilanzierte bei Einnahmen von rund 10 700 Euro und Ausgaben von rund 13 600 Euro ein Minus von knapp 3000 Euro in den vergangenen zwölf Monaten. Zudem würden für die aufgegebene Begegnungsstätte in der Ahrweiler Wilhelmstraße bis Jahresende noch 2100 Euro Mietzahlungen fällig. Die könne der Verein aus eigenen Mitteln bestreiten.

Vorstand einstimmig entlastet

Dem Vorstand wurde auf Antrag der Kassenprüfer ohne Gegenstimme Entlastung erteilt. Krämer- Resch sagte am Ende der Versammlung, man wolle das Flüchtlingsnetzwerk nun zunächst in abgespeckter Version weiter betreiben.

Derweil kam aus den Reihen der Versammlungsteilnehmer die deutliche Forderung, in diesem Verein solle künftig zusammen statt gegeneinander gearbeitet werden. Auch die Mitglieder forderten die Aufrechterhaltung der Arbeit. Derzeit kümmern sich der Verein und rund 25 Helfer um rund 100 Flüchtlinge, in Spitzenzeiten wurden 300 Menschen betreut.