Historisches Weinfest

Fanfaren und Fahnen für die Königin in Heimersheim

HEIMERSHEIM. Die Heimersheimer feiern ihren Weinfestumzug in mittelalterlichem Ambiente erstmals am Sonntag. Damit wollten die Verantwortlichen das "Besucherloch" am dritten Festtag stopfen.

Am Sonntag waren nach dem Eindruck vieler auch sicher mehr Besucher als in den Vorjahren da, aber ob auch insgesamt mehr Besucher gekommen sind, konnte Patrick Hartwig vom Vorstand des ausrichtenden Vereins „Wir für Heimersheim“ noch nicht bilanzieren: „Das werden wir uns nach dem Fest anschauen und für nächstes Jahr besprechen.“ Fest steht, dass das dreitägige Mittelaltertreiben immer noch viele Fans hat, die den historischen Markt, Pferde, Kutschen, Fanfarenzüge, Weinmajestäten und das kostümierte Volk bejubelten, das sich farbenfroh und klangstark im Umzug präsentierte.

Der beste Fahnenschwenker der Landsknechte zu Köln strebte einmal mehr einen neuen Höhenrekord beim Wurf der Fahne in die Luft an. Gaukler jonglierten auch mal auf einem Bein, und in die Rhythmen von Trommeln, Schalmeien und Dudelsäcken verfielen nicht nur Bauchtänzerinnen und Akrobatinnen mit Tüchern, Bändern und Bällen.

Paarweise schritt die Schützenbruderschaft mit ihrer Königin ganz vorne durch die Gassen. Die Ehlinger Junggesellen hatten ihren Hahnenkönig, der Tischtennisverein seinen Nachwuchs dabei. Der Bad Bodendorfer Heimat- und Bürgerverein kam als Boureschar, die Mitglieder der Karnevalsgesellschaft als Edelleute und Gesinde. Ihren Kinderprinz Marius Borscheid chauffierten sie zu seinem 13. Geburtstag auf einem Thron durch die Menge.

Einheimische machten mit

Der „große“ Prinz Willi Schneider goss auf Wunsch eifrig Wein in die Tonbecher, die ihm von den Zuschauern entgegengestreckt wurden, und auch „seine“ Cäcilienchöre waren nicht weit. Angesichts von so viel Einsatz rollten die Uhus der Falknerei Anderswelt verwundert mit den Augen, und lächelte Kellerkinder-Chef Addi Burkert als Mona Lisa besonders lieblich. „Handgeklapper“ gab es für die amtierenden und ehemaligen Weinköniginnen Heimersheims und der Umgegend sowie vor allem für Jenni I. (Jennifer Knips), die trotz Sommerhitze strahlte. „Ich bin viel entspannter als vor drei Jahren als Hofdame“, erklärte sie vor dem Start ihres Triumphzugs. Seit der Inthronisation am Freitag sei sie zunehmend ruhiger geworden.

Am Samstag standen dann vor allem Kämpfe mit Stroh gefüllten Jutesäcken im Mittelpunkt. Denn beim Tjosten-Wettkampf versuchten sich nicht nur Söldner und Landsknechte auf einem Baumstamm sitzend darin, durch gezielte Treffer mit dem Strohsack den Kontrahenten auf den Boden zu befördern.

Einige Einheimische machten spontan mit. Bereits im Vorfeld hatten sich nach Angaben von Hartwig überraschend viele Auswärtige gemeldet. „Auffällig ruhig“ fand hingegen Schreiner Wilhelm Humberg, der seit 23 Jahren als Standbetreiber aus Wuppertal kommt, den Samstagnachmittag. „Die Leute wussten wegen der Verlegung des Umzugs wohl nicht, was los ist“, sagte er. Obwohl er von Umsatzeinbußen für den Samstag sprach, stand mancher am Sonntag schon wieder beim Armbrustschießen und beim Basteln von Holzschwertern bei ihm Schlange.

Neue Besucher aus Köln

Wie Hartwig und Burkert hatte er sehr gut besuchte Innenhöfe und einen vollen Markt beim abendlichen Wechsel in die Neuzeit mit Live-Musik auf der Hauptbühne verzeichnet.

Neue Besucher aus Köln und der Eifel waren ebenso auszumachen, und die waren nicht nur angetan von Markt, Musik, Gaukeleyen und Ritterspielen, sondern ebenso von den gestaffelten Preisen. „Fünf Euro für den Sonntag sind für das Gebotene mehr als akzeptabel“, fanden zwei Kölner, die sich morgens spontan auf den Weg gemacht hatten und bis zum abschließenden Feuerspectaculum blieben.