Gedenkstätte

"Faktencheck" zum Lager "Rebstock" läuft ins Leere

AHRWEILER. Anfang November wurde die Gedenkstätte für das Lager „Rebstock“ vor dem Hauptportal des ehemaligen Regierungsbunkers in Marienthal eingeweiht. Zwei Heimatforscher hatten daran Verschiedenes kritisiert.

Anfang November wurde die Gedenkstätte an das Lager „Rebstock“ vor dem Hauptportal des ehemaligen Regierungsbunkers in Marienthal eingeweiht. Dies in Kooperation mit der Kreisstadt, der Verbandsgemeinde Altenahr, der Grafschaft und dem Bürgerverein Synagoge. Infotafeln erinnern dort an das Geschehen in dem Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald.

Inhalte dieser Tafeln, die auf den Bad Breisiger Heimatforscher und Militärhistoriker Wolfgang Gückelhorn zurückgehen, haben die Heimatforscher Matthias Bertram aus Bernau und Hans-Jürgen Ritter aus Bad Neuenahr auf den Plan gerufen. Ebenso eine Broschüre der Landeszentrale für politische Bildung, die auf Texten Gückelhorns basiert. Kritikpunkt der Heimatforscher: „Fakten und Zahlen sind nicht korrekt.“ Um dies zu klären, hatte der Bürgerverein Synagoge Donnerstagabend zum „Faktencheck“ in die Synagoge eingeladen. Moderator war Dieter Burgard, Bürgerbeauftragter des Landes und Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft der NS-Gedenkstätten.

Kein leichtes Unterfangen für den Mann aus Mainz. Denn einig sind sich die drei Heimatforscher nur in zwei Punkten: Die Gedenkstätte ist wichtig, und die Gedenktafel in Dernau, deren Anbringung seinerzeit ein Politikum war (der GA berichtete), hängt am falschen Platz.

Bertram und Ritter favorisieren beide den Begriff Arbeitslager, störten sich an der Bezeichnung KZ, die auch von Buchautoren wie Michael Preute alias Jacques Berndorf verwendet wurde. Da kassierten sie jedoch von Burgard eine klare Definition: „Das ist klar geregelt. Das Außenlager eines KZ ist kein Arbeitslager, sondern ein KZ-Außenlager.“ Auch die Zahl der Menschen, die in dem Lager ausgebeutet wurden, brachte die Diskutanten auseinander. Während Gückelhorn mit Kopien von Originaldokumenten aufwartete, berief sich Bertram auf Zeitzeugen.

1500 Menschen sollen laut Gückelhorn in der Zeit von Frühjahr 1943 bis Spätherbst 1944 das Lager durchlaufen haben. Bertram brachte die Zahl 800 ins Spiel. Strittig ist auch, wie viele Todesopfer es gab. Schließlich ging es darum, wo das Lager samt Produktionsstätten nach heutigen Gemeindegrenzen überhaupt lag: Dernau, Kreisstadt, Grafschaft, Rech? Und es ging um das Schicksal von 300 ungarischen Juden, die zwar an die Ahr gebracht worden waren, von dort aber nach Thüringen transportiert wurden. Bertram vermisst zudem auf den Tafeln den Hinweis, dass im Winter 1944/45, als die Dernauer den Tunnel als Luftschutzbunker nutzten, dort 30 Menschen an Typhus starben.

Klären konnte der Moderator nichts. Ein Faktencheck sehe wohl anders aus, musste sich das Trio auf dem Podium aus dem Publikum anhören. Auch, dass „Zahlen völlig wurscht“ seien, denn „wir alle müssen uns dafür schämen, was dort damals passiert ist“.

Der Streit der Heimatforscher schade dem ganzen Projekt Gedenkstätte, untergrabe dessen Glaubwürdigkeit. „Die Form der Auseinandersetzung ist total daneben“, hieß es. Auch hätten sich die Diskutanten „besser vorher zusammengesetzt“, denn bei der Darstellung der Geschehnisse auf den Infotafeln und in der Broschüre seien „bestimmt Kompromisse möglich gewesen“.

Auch Dernaus Bürgermeister Alfred Sebastian hatte mehr erwartet: „Ich bin enttäuscht.“ Damit saß er im selben Boot wie andere Zuhörer, die von einer „hochinteressanten Veranstaltung mit ganz schlechter Systematik“ sprachen. Nach wie vor gebe es „nicht übereinstimmende Positionen“. Ein „erwarteter Zahlenabgleich“ habe nicht stattgefunden, die „unausgeglichene Diskussion“ hinterlasse vielmehr einen „schrägen Eindruck“. Und schließlich brachte es das Publikum auf den Punkt: „Zahlen sind unwichtig. Wichtig ist, dass wir uns an das erinnern, was dort Schreckliches geschehen ist.“