Handwerk in Ahrweiler

Es gibt immer weniger Bäckereien

Ehrungen bei der Bäckerinnung: Bernd Siebers (von links), Alexander Zeitler, Helmut Müller, Gerd Weiler und Rolf Genn.

Ehrungen bei der Bäckerinnung: Bernd Siebers (von links), Alexander Zeitler, Helmut Müller, Gerd Weiler und Rolf Genn.

AHRWEILER. Rolf Genn bleibt für weitere fünf Jahre Obermeister der Innung des Kreises. Sorge besteht nur um den Nachwuchs. Die Zahlen der Lehrlinge haben sich seit 2007 halbiert.

Brot und Brötchen, die gibt es buchstäblich an jeder Ecke zu kaufen, ob beim Discounter, an der Tankstelle oder – lecker belegt – beim Metzger. Was dagegen immer seltener wird, ist der traditionelle Bäcker. Der, der mitten in der Nacht in der warmen Backstube steht und Backwerk in unzähligen Varianten produziert. Mitten in der Nacht – das ist eines der Kriterien, die junge Leute abschreckt, das traditionelle Handwerk zu erlernen.

Gab es 2007 noch 36.000 Bäckerlehrlinge, so sind es aktuell noch 18.000. Da macht der Bereich der Bäckerinnung im Kreis Ahrweiler keine Ausnahme. Wo früher zwei Berufsschulkassen mit Bäckern gebildet wurden, sind heute in einer Mini-Klasse gerade einmal sechs Bäcker-Azubis und fünf Bäckereifachverkäuferinnen zugegen.

Klar, dass auch die Innungen kleiner werden. Die Zahl der Mitgliedsbetriebe halbierte sich binnen 15 Jahren, berichtete Landesinnungsmeister Bernd Siebers, der Gast bei der Jahreshauptversammlung der Bäckerinnung des Kreises war. Die hat aktuell auch nur noch 22 Mitgliedsbetriebe.

Eine Entwicklung mit Konsequenzen

Die Konsequenzen wurden bei der Versammlung deutlich: Bernd Weiler konnte als stellvertretender Obermeister nicht wiedergewählt werden, er hat das Rentenalter erreicht und seine Bäckerei geschlossen. Und zur Kreishandwerkerschaft können die Bäcker nur noch einen Delegierten senden, nachdem die Mitgliederzahl unter 25 gesunken ist. Natürlich nehmen die Bäcker die Entwicklung nicht tatenlos hin. Vor allem die Innungen und die Fachverbände rühren mächtig die Werbetrommel. Denn buchstäblich rund um die Uhr müsse man heute in vielen Berufen präsent sein. Die Bezahlung stimme im Bäckerhandwerk auch, so Obermeister Rolf Genn, der als Kreislehrlingswart unermüdlich auf Nachwuchssuche ist.

Diejenigen, die noch traditionell backen, machten gute Geschäfte. Zudem sei das derzeit gute Konsumklima auch geeignet, mehr Geld für hochwertige Backwaren auszugeben, so der Landesinnungsmeister. Dass derzeit die Umsätze steigen, habe laut Siebers insbesondere seinen Grund darin, dass in den Bäckereien vermehrt Snacks verkauft würden. Bei den klassischen Backwaren aber seien weiter Umsatzverluste zu verzeichnen.

Neue Lösungen müssen her

Geschäftsführer Alexander Zeitler rief zur Zusammenarbeit zwischen Bäcker und Metzger auf. Es könne ja nicht sein, dass Bäcker auf gute Brötchen Industriewurst legen und Metzger ihr Produkte in billigen „Acht-Cent-Brötchen“ verkaufen würden. Zudem könne man doch Azubis einen Anreiz schaffen, indem man ihnen einen mit Werbung versehenen Kleinwagen zur Verfügung stelle.

Im Rahmen der Jahreshauptversammlung bestätigten die anwesenden Mitglieder Obermeister Rolf Genn für weitere fünf Jahre in seinem Amt. Zu Genn‘s Stellvertreterin wurde Cornelia Schlösser gewählt. Neuer Lehrlingswart ist Dirk Josten. Die Zahl der Beisitzer sank von fünf auf zwei, das sind Jürgen Schmitz und Rene Müller. Dirk Josten und Volker Schragen wurden zu Meisterbeisitzern im Prüfungsausschuss gewählt.

Ehrungen standen ebenfalls auf der Tagesordnung. So erhielt Gerd Weiler Urkunde und Präsent für seine langjährigen Verdienste um die Bäckerinnung. Helmut Müller wurde für seine mittlerweile 50-jährige Berufstätigkeit von Kreishandwerksmeister Frank Wershofen mit dem allgemeinen Ehrenzeichen in Gold der Kreishandwerkerschaft ausgezeichnet.⋌