Weinlese

Ernteeinbußen beim Weißwein an der Ahr

Mit im Schnitt 84 Grad Öchsle wurden von den rund 600 Mitgliedsfamilien der Dagernova die Trauben gelesen.

Mit im Schnitt 84 Grad Öchsle wurden von den rund 600 Mitgliedsfamilien der Dagernova die Trauben gelesen.

Bad Neuenahr. Die Dagernova-Genossenschaftswinzer an der Ahr haben durch Frost und Hagel in diesem Jahr 15 Prozent weniger Lesegut. Eigentlich hatten die Winzer mit größeren Verlusten gerechnet.

Im Ahrtal heißt „Et hät joht jejange“ übersetzt: „Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen“. Gingen die 600 Dagernova-Genossenschaftswinzer zunächst von einem Verlust bei der Traubenernte durch Hagel und Frost von 30 Prozent auf ihren insgesamt 156 Hektar Rebfläche aus, so hatten sie am Ende 15 Prozent Einbuße. „Schade ist, dass sich das überwiegend bei den Weißweinsorten niedergeschlagen hat. Die Spätburgundersorten sind mit 2016 vergleichbar“, so Vorstandsvorsitzender Thomas Monreal, der mit seinem Vorstandskollegen und Kellermeister Günter Schüller sowie Vertriebsleiter Mirco Burkardt dem GA den Erntebericht 2017 vorstellte.

Das Defizit bei den hellen Weinen – beispielsweise ist der Müller-Thurgau frostempfindlich und fäulnisempfänglich – wird jedoch jetzt im Keller durch den Ausbau mit feinherben und trockenen Blanc de Noirs, also weißen Weinen aus roten Trauben, ausgeglichen. „Mit einem Öchsle-Mittelwert beim Spätburgunder von 84 Grad sind wir aber mit der Qualität zufrieden“, ergänzte Schüller. Regen in der Reifephase habe eben nicht nur Nachteile, sondern mache erst die Einlagerung von Mineralstoffen, die zu hohen, enorm geschmacksbildenden Extraktwerten führten, möglich. Er rechnet mit rund einer Million Liter Wein, die nun im Keller ausgebaut werden.

„Im Schnitt ist es mit 70 Hektolitern pro Hektar eine geringe Ernte, wenn man bedenkt, dass wir vom Gesetzgeber her 100 Hektoliter ernten dürften. Doch die reduzierte Menge ist nicht nur den diversen Unwettern in diesem Jahr, sondern auch unserer Qualitätsoffensive und der Selektionsarbeit der Winzer am Stock geschuldet. Gesundes Lesegut ist oberste Prämisse. Und es gilt immer zu bedenken, dass wir das einzige der 13 deutschen Anbaugebiete sind, in dem zu 100 Prozent von Hand gelesen wird. Keine faule Traube gelangt in den Bottich. Dagegen unterscheidet ein Vollernter nicht, ob er auch Blätter, Faulgut oder Insekten einsammelt. Der hat Hunger auf alles“, erklärte Monreal.

Da die mehr als 140 Jahre alte Dagernova-Weinmanufaktur auf das reagieren muss, was die Natur bietet, muss demnach auch individuell das Sortiment angepasst werden. „Den Rivaner gibt es dieses Jahr nur in der Variante feinherb, nicht trocken. Er liegt im Verhältnis Säure-Restsüße mittendrin“, erklärte Schüller. Das ist auch der erste Wein des Jahres 2017, sozusagen der „Primeur“, der ab kommenden Samstag, 28. Oktober, erhältlich sein wird. Apropos Sortiment: Zukünftig wird es bei den Dagernova-Weinen eine an die VdP-Kollegen angelehnte Qualitätspyramide geben. „Aber mit eigener Philosophie“, so Monreal, der auch bei den Etiketten eine dezente, aber zeitgemäße Anpassung mit Wiedererkennungseffekt vornehmen ließ.

Es gibt künftig vier Linien. „Basis“ ist der Grundstock, der „Jeden-Tag-Wein“, der unkomplizierte, klassische Vertreter der Region. „Handschrift“ steht für den Charakterwein, der das Thema Ahr mehr definiert, die Handschrift des Winzers und Kellermeisters trägt und vom Terroir, der Herkunft, erzählt. Die Linie „Kultweine“ bleibt und steht für Weine mit Geschichte, extrem selektiert, mit hoher Stilistik und farbintensiv wie die „No. 1“ oder „Edition R“. Beim „Einzellagenwein“ heißt es: ein Winzer, ein Weinberg, ein Wein und vor allem eine bauchige Burgunderflasche. Da steht die Herkunft im Rampenlicht wie zum Beispiel beim Dernauer Schieferlay.

Womit das Vorstandsduo bei den jüngsten Auszeichnungen war. Denn der „2015er Dernauer Schieferlay Spätburgunder QbA trocken“ wurde bei der Premiere des Degustationswettbewerbs „Burgunder-Weingüter des Jahres 2017“ des Genussmagazins „Selection“ mit vier Sternen ausgezeichnet.

Im Finale standen 25 Burgunderproduzenten Deutschlands, egal ob Weingut oder Genossenschaft, mit 180 ihrer besten Weine. Der Mitstreiter, der „2016er Ahr Frühburgunder Qualitätswein trocken“, erklomm mit vier Sternen gar den ersten Platz auf dem Siegertreppchen in der Kategorie „Andere rote Burgundersorten trocken bis zehn Euro“. Diese 2000 Flaschen, die für je 9,90 Euro noch erhältlich sind, ziert dank der höchstbepunkteten Bewertung auch die Medaille von „Selection“.

„Das Magazin ist angesehen bei den Winzern, erreicht aber auch die Endverbraucher. Daher ist solch ein Wettbewerb wertiger als ein brancheninterner. Auszeichnungen werden vom Handel als Vertriebsmagnet genutzt, Urkunden beispielsweise an Regalen platziert“, sagte Burkardt. Ebenso Rang Eins erreichte die Dagernova- Weinmanufaktur in der Kategorie „Burgunder-Weingut Ahr des Jahres 2017“ (weitere Auszeichnungen siehe Infokasten). „Fünf unserer angestellten Weine von Weiß bis Rot erzielten fünf Treffer. Darauf sind die Winzer und die Kellermannschaft stolz“, freute sich Monreal.