Konferenz- und Kantinengebäudes

Eröffnung des neuen Gebäudes der Ahrweiler Akademie ist geplatzt

Ahrweiler. Der Bau des Konferenz- und Kantinengebäudes der Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz (AKNZ) in Ahrweiler sollte bereits im Mai fertig gestellt werden. Doch daraus wurde nichts. Nun findet auch die für Ende Oktober geplante Eröffnungsfeier nicht statt.

Akademieleiter Thomas Mitschke und Wahid Samimy, Sprecher des Bonner Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), zu dem die Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz (AKNZ) gehört, hatten im Mai gar konkrete Termine genannt: Übergabe des Gebäudes durch das Amt für Bundesbau (ABB) des Landes Rheinland-Pfalz an das BBK als Nutzer am 21. Juli, die Eröffnungsfeier für den neun Millionen Euro teuren Zweckbau war für den 27. Oktober vorgesehen.

Doch nach der Vorgeschichte hätte es eigentlich stutzig machen müssen, dass das ABB einen Besichtigungstermin kurzfristig platzen ließ. Der Grund liegt jetzt quasi auf der Hand. Auf Anfrage des General-Anzeigers teilte ABB-Sprecher Martin Treutlein kurz und bündig mit: „Die Bauverwaltung hat dem Nutzer geraten, von einem offiziellen Einweihungstermin im Oktober abzusehen, da aktuell noch Bauarbeiten (Ersatzvornahmen) durchgeführt werden müssen. Zu der Bauverzögerung kommt es aufgrund einzuhaltender Vergabeverfahren, an die der öffentliche Bauherr grundsätzlich gebunden ist. Es wird von Seiten der Bauverwaltung alles getan, damit der Nutzer den Seminarbetrieb frühestmöglich aufnehmen kann.“

Akademie kann Tagung Ende November nicht beherbergen

Pustekuchen für die Einweihung, aber auch für den ersten großen geplanten Kongress in dem 150 Teilnehmer fassenden Tagungszentrum. Vom 29. November bis zum 1. Dezember sollten dort Experten vor dem Hintergrund der Flüchtlingsproblematik zum Thema „Betreuungswesen im Bevölkerungsschutz“ tagen. Der Kongress findet statt, aber nicht in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Es muss für viereckig Geld extra ein Tagungshotel angemietet werden. Aber das nur am Rande.

Ein Zusatz in der Antwort des ABB lässt jedoch aufhorchen: „Wir haben Ihren Wunsch nach einem offiziellen Ortstermin mit Pressevertretern zur Kenntnis genommen. Aufgrund der aktuellen Situation sehen wir uns allerdings derzeit gezwungen, von einem solchen Termin mit dem Hinweis auf das schwebende Verfahren abzusehen.“

Schwebendes Verfahren? Nach Informationen des General-Anzeigers liegt der ausführende Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung (LBB) im Clinch mit Firmen, die bisher an der Dauerbaustelle gearbeitet haben. Streitpunkt: die Qualität der Bauausführung. Und auch, dass man sich mit Ausschreibungen „sehr viel Zeit gelassen hat, statt sie zügig durchzuziehen“, soll nicht gerade zum Baufortschritt beigetragen haben. Fest steht, dass sich das ABB sämtliche öffentlichen Informationen in Sachen Neubau vorbehält. Das hat das Amt für Bundesbau allen Beteiligten kundgetan: BBK, AKNZ und LBB.

Seit Jahren wird immer wieder verschoben

Bauen ist eben eine Sache für sich. Wenn der Bund baut, erst recht. Vor allem, wenn es darum geht, Termine einzuhalten, oder eben auch nicht. Dafür ist das Konferenz- und Kantinengebäude ein Paradebeispiel. Dort wird seit Jahren verschoben und wieder verschoben. Dies, obwohl ein Gebäude von 62,5 Metern Länge, 18 Metern Breite, zwölf Metern Höhe, 2300 Quadratmetern Brutto-Gesamtfläche und 10 900 Kubikmetern umbautem Raum kein Hauptstadt-Flughafen ist.

Ein Blick in die Zeittafel des Projektes, das von Pleiten, Pech und Pannen gebeutelt ist. So wurde denn der beim Richtfest im November 2015 verkündete Fertigstellungstermin Ende 2016 nicht eingehalten. „Der ursprünglich geplante Teilübergabetermin des Bauwerks an den Nutzer wird sich in den Januar 2017 verschieben“, hieß es damals vom LBB auf Anfrage des General-Anzeigers. Dies vorsichtig mit der Einschränkung versehen: „Nach heutigem Stand“. Ursachen für die Verzögerung seien in den Vergabeverfahren für die Ausführung der Gewerke des technischen Ausbaus wie Elektrotechnik oder Lüftung zu suchen.

Gründe für Verschiebungen gab es gar viele. Schon im Sommer 2010 wurde der erste Spatenstich für das Gebäude für das Frühjahr 2012 angekündigt. Anfang 2011 wurde dann der Siegerentwurf eines Architekten-Wettbewerbes vorgestellt. Diesen hatte das Bundesamt für Bauen und Raumordnung ausgeschrieben. Sieger war ein Leipziger Architekturbüro. Wie sagte Ralph Tiesler, damals noch Vizepräsident des BBK und seit dem 1. Oktober 2016 Vize des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge, 2012 bei der Präsentation so schön: „Der Siegerentwurf ist eine gelungene Symbiose aus Funktionalität, Nachhaltigkeit und Gestaltung bei Einhaltung des Kostenrahmens.“

Pannenserie vom ersten Spatenstich an

So gelungen wohl dann doch nicht. Denn die Pannenserie nahm ihren Lauf. Der für Anfang 2012 geplante erste Spatenstich fiel ins Wasser. Die vorgesehene Fertigstellung für Ende 2013 platzte. Die Planer mussten ihren Entwurf komplett überarbeiten. Der Platz für die Technik war quasi vergessen worden, was Tiesler im Mai 2012 so kommentierte: „Es besteht allgemeiner Optimierungsbedarf.“

Auch wurde der einstige Siegerplan komplett auf den Kopf gestellt. Tiesler damals: „Das bisher im Erdgeschoss vorgesehene Konferenzzentrum kommt ins Obergeschoss. Die dort vorgesehene Kantine mit Küche und Technik ins Erdgeschoss.“ Da muss einer die alte Baumeisterregel vergessen haben: „Kantine nach oben, dann kann in der Frühstückspause auch keiner riechen, was es mittags gibt.“

Nächster Termin: Spatenstich 2014. Diesen kündigte das Bundesamt in Bonn im Januar 2013 an. Grund: Die Suche nach Einsparpotenzialen und das Warten auf die Genehmigung durch das Bundesbauministerium samt dem Harren auf Ausschreibung und Vergabe.

Doch auch der zweite angekündigte Spatenstich fiel aus. „Die Pläne mussten zur Einhaltung des Kostenrahmens von sieben Millionen Euro angepasst werden“, sagte Tiesler. „Es gibt kein Untergeschoss mehr, Technik und Lagerräume sind ins Parterre gewandert.“ Auch das Luftgeschoss, das sich über zwei Etagen erstrecken sollte, hatte sich in Luft aufgelöst.

Apropos Kosten: Zuerst standen rund 12,5 Millionen Euro im Raum, dann 9,5 Millionen Euro, sieben Millionen waren das Ziel, nach aktuellem Stand sind es neun Millionen. Eine dritte Terminierung für einen ersten Spatenstich gab es nicht mehr. Ende Mai 2015 ging es ohne offizielles Brimborium an die Bodenplatte für den Neubau. Der steht längst und alles sah vor fünf Monaten noch so aus, als könne der Bezugstermin gehalten werden. Doch so richtig fertig ist außer der Pförtnerloge nichts. Aber die ist immerhin schon bezogen. Für den Rest dürfte es – unter Vorbehalt – 2018 werden. Wie hieß es bei einem hohen Besuch aus Mainz in Ahrweiler zum Thema Bauen in der AKNZ aus dem Umfeld von BBK-Präsident Chistoph Unger noch: „Kein Kommentar. Ich muss aus meinem Herzen eine Mördergrube machen.“

Fast hätte in den kommenden Tagen übrigens der Pförtner im Neubau Gesellschaft bekommen. Die Küche sollte in das Konferenz- und Kantinengebäude umziehen und damit auch das Personal. Aber auch daraus wird mal wieder nichts. Wann jetzt umgezogen wird, dahinter stehen Fragezeichen.