Regierungsbunker Ahrweiler

Entdeckungsreise in die Unterwelt des Kalten Krieges

Vor dem Tunnelsystem: Ein Gästeführer zeigt den Besuchern den ehemaligen Regierungsbunker. Mit dabei: Museumsleiterin Heike Hollunder (2. von rechts) und GA-Mitarbeiterin Angelika Praus (3. von links).

Ahrweiler. Das 17,336 Kilometer lange Bunkersystem in Ahrweiler war während des Kalten Krieges letzte Zuflucht für die Regierung. 3000 Personen hätten 30 Tage aushalten können, während "oben" das nukleare Chaos herrschte. Seit rund vier Jahren können 203 Meter des Labyrinthes besichtigt werden. Höchste Zeit also, sich einmal in die geheimnisvolle Bunkerwelt zu wagen - und das mit Jung und Alt.

Wie von Geisterhand schiebt sich das 25 Tonnen schwere Tor vor den Eingang des Bunkers. Halb erstaunt, halb ängstlich schauen sich Jan und Jonas an. Die acht Jahre alten Jungen stellen fest: "Hier sind wir sicher." Was für die einen beruhigend ist, löst bei anderen Unbehagen aus. Die vierjährige Marie treibt eher die Sorge um, ob sie jemals wieder rauskommt.

Kinder, Eltern und Großeltern sind heute zum ersten Mal im Ahrweiler Regierungsbunker zu Gast. Was man hier unten zum Leben braucht, ist den Kindern schnell klar: "Essen, Trinken, Luft und Strom." Der Friseursalon, den es gibt, irritiert sie nicht.

Die Haare des Bundeskanzlers müssen doch gut sitzen, wenn er vom Filmraum aus zum Volk spricht. Die Älteren sind eher überrascht. Wer hat schon Muße zur Schönheitspflege, wenn draußen die Welt untergeht? Johannes Jung, der an diesem Tag die Familienführung übernommen hat, weiß den Grund: das Arbeitsrecht. Jeder Bedienstete hat schließlich Anspruch auf Hygiene.

[kein Linktext vorhanden]Vor den kleinen Schlafräumen, ausgestattet mit schlichten Hochbetten und Spinden, fühlen sich die jungen Besucher an eine Jugendherberge erinnert. Manche Väter denken eher an ihre Bundeswehrzeit zurück.

Den Luxus eines Einzelzimmers besaßen hier unten nur Bundespräsident und Bundeskanzler. Auch sie hätten sich im Ernstfall mit schmalen Feldbetten begnügen müssen. Bei dem Gedanken daran, welcher Kanzler hier hätte Platz finden müssen, huscht manchem ein Lächeln über die Lippen.

Es geht weiter, vorbei an Werkfeuerwehr und Materiallager, in dem Ersatzteile für alle möglichen Reparaturen aufbewahrt wurden. Hier unten konnte alles instand gesetzt werden. Das galt auch für die Bunkerinsassen selbst. Vier Krankenstationen waren für einfache Behandlungen ebenso gerüstet wie für komplizierte Operationen. Schon jetzt wird klar: Hinter der Bunkeranlage verbarg sich eine logistische Meisterleistung. An was hier nicht alles gedacht werden musste!

Während sich die Kinder mitten in einer Zeitreise befinden, brauchen ihre Eltern und Großeltern weniger Fantasie, um Altbekanntes wiederzuentdecken. So auch in der Küche. In insgesamt fünf Großküchen konnten für jeweils 600 Menschen drei Mahlzeiten pro Tag zubereitet werden.

Der Besucherführer öffnet einen Pappkarton. Glänzende Päckchen kommen zum Vorschein. Während die Kinder Goldreserven dahinter vermuten, werden bei den Vätern erneut Erinnerungen an ihre Bundeswehrzeit wach. Die Ein-Mann-Packungen dienten auch im Bunker als Verpflegung für den Ernstfall.

Als der Gästeführer eine Tasse fallen lässt, ist das Staunen der jungen Besucher groß: Sie bleibt auf dem Steinfußboden liegen, ohne zu zerspringen. Das Geschirr im Bunker besteht aus Melamin, es ist "unkaputtbar". Warum das so sein muss, ist den Kindern schnell klar: "Wenn die Bombe einschlägt, soll hier ja nicht alles in Scherben liegen." Anders als für manchen Erwachsenen scheint das Atomzeitalter für Kinder eher spannend als bedrohlich.

In der Kommandozentrale, dem Herzstück, können die jungen Besucher dann Herr über den Bunker sein, Knöpfe drücken, Schalter kippen und mit viel Fantasie das 25 Tonnen schwere Eingangstor betätigen.

Dass das Tor am Ende der Führung offen steht, beruhigt die kleine Marie ungemein. Nein, sie kann sich nicht vorstellen, in dem Bunker zu leben. Anders geht es Jan und Jonas. Ihre Abenteuerlust ist geweckt. Sie sind fast schon traurig, nach eineinhalb Stunden das Phantasialand der Unterwelt wieder verlassen zu müssen.

Informationen

Wo kann ich das erleben?
Dokumentationsstätte Regierungsbunker, Am Silberberg 0, 53474 Bad Neuenahr-Ahrweiler, Telefon: 02641/9117053

Wie lange dauert das?
Die Familienführung findet an jedem ersten Sonntag im Monat statt, kann aber auch individuell gebucht werden. Dauer: 1,5 Stunden.

Wo gibt es weitere Infos?
www.regbu.de und "Dokumentationsstätte Regierungsbunker. Ein Museumsführer für junge Leute" von Heike Hollunder.