Workshop in der Akademie für Krisenmanagement

Einsatzkräfte Ahrweiler wappnen sich gegen Starkregen

Braune Fluten und Geröllmassen blockierten im Juni 2016 die Straße zwischen Ringen und Beller. Das Wasser kam von der Autobahn 61 und spülte "einen halben Acker" auf die Fahrbahn.

Braune Fluten und Geröllmassen blockierten im Juni 2016 die Straße zwischen Ringen und Beller. Das Wasser kam von der Autobahn 61 und spülte "einen halben Acker" auf die Fahrbahn.

KREIS AHRWEILER. Um Überflutungen durch Starkregen ging es bei einem Workshop in der Ahrweiler Akademie für Krisenmanagement. Fachleute rieten zu baulicher Vorsorge und besserer Kommunikation.

Ein Starkregen hat die Dorfstraße in Unkelbach zum Sturzbach gemacht. Land unter auf der A 61 zwischen Vettelhoven und Ringen. Braune Fluten und Geröllmassen blockierten die Grafschafter Straßen. Bei Nierendorf lief das Rückhaltebecken über, etliche Häuser standen meterhoch im Parterre unter Wasser. In Altenburg mussten Camper per Helikopter vor den Fluten der Ahr gerettet werden – Ereignisse aus dem Sommer 2016, die zu denken geben.

Welche Probleme ein unvorhersehbares Extremereignis mit sich bringt, darüber berichtete Benno Fritzen, ehemaliger Leiter der Feuerwehr Münster, anhand eines Beispieles aus seiner Heimatstadt bei einem Workshop in der Ahrweiler Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz, kurz AKNZ.

Mit dabei waren unter anderem Vertreter der Hochwassernotgemeinschaft Rhein (HWNG) und des Informations- und Beratungszentrums Hochwasservorsorge Rheinland-Pfalz (IBH). Münster, aber auch die Ereignisse im Kreis Ahrweiler zeigen laut Fritzen: „Der Klimawandel bringt in vielen Bereichen neue Herausforderungen für die Kommunen mit.

Soziale Medien müssen berücksichtigt werden

Die zunehmenden Überflutungen durch Starkregenereignisse lassen sich allein durch Wasserrückhalt in der Fläche und technische Rückhaltungen nicht vermeiden. Daher muss auch die Gefahrenabwehr verbessert werden.“ Vertreter von Berufsfeuerwehren und Verwaltungen haben in dem zweittägigen Workshop erarbeitet, wie man sich auf häufigere und zum Teil auch extremere Überflutungen vorbereiten kann, um die Schäden möglichst gering zu halten.

Fritzen: „Die Besonderheiten der Starkregenereignisse – , man weiß nicht, wann und wo sie genau auftreten – stellen eine Herausforderung für die Vorbereitung von Übungen dar.“ Soweit möglich bieten diese aber die Chance, frühzeitig Defizite aufzudecken und zu beseitigen, waren sich die Teilnehmer einig. Die gute Kommunikation zwischen allen Beteiligten sei dabei ein entscheidender Punkt und daher auch zentraler Aspekt von Übungen.

Deutlich wurde auch, dass die neuen Möglichkeiten der Kommunikation (Facebook, Twitter & Co.) nicht mehr außen vorgelassen werden können. Bei Katastropheneinsätzen, seien es Flusshochwasser oder Starkregenereignisse, müssten künftig die sozialen Medien berücksichtigt, kontrolliert und gelenkt werden. Auch dies müsse schon im Vorfeld von Einsatzkräften und Verwaltungen geübt werden. Hier sahen die Workshop-Teilnehmer noch großen Fortbildungsbedarf.

Sensibilisierung der Bevölkerung

Alle Beteiligten hoffen auf eine bessere Vorhersage von Starkregenereignissen, um mehr Zeit für die Vorbereitung zu haben. Hier werde zwar intensiv geforscht, wie ein Experte des Deutschen Wetterdienstes darlegte, „aber mit einer deutlichen Verbesserung ist wahrscheinlich in den nächsten zehn Jahren aufgrund der vielen klimatischen und topografischen Faktoren, die das Auftreten eines solchen Ereignisses beeinflussen, nicht zu rechnen.“ Umso höher, so das Fazit der Veranstaltung, ist der Stellenwert der baulichen und planerischen Vorsorge.

Und die Sensibilisierung der Bevölkerung sei wichtig: „Nur durch konsequente Hochwasser- und Starkregenvorsorge können Schäden merklich vermindert werden. Hochwasser angepasstes Planen und Bauen ist ein Baustein umfassender Hochwasservorsorge und muss bei allen Projekten beachtet werden, egal ob bei der Stadtsanierung am Rhein oder bei der Planung von Neubaugebieten.“