Ausstellung in Bad Neuenahr

Einmal Jenseits und zurück

Mit den Koffern für die letzte Reise machen sich Hans Stefan Steinheuer (von links), Gregor Lersch, Anne Nübel-Orthen und Ingrid Hübner auf den Weg nach Hause. Ab 1. November werden sie ausgestellt.

BAD NEUENAHR. Wer kennt es nicht, das Spiel "Ich packe meinen Koffer und nehme mit . . ." Gehirnjogging auf der einen, Zeitvertreib auf einer langen Fahrt auf der anderen Seite.

Einen ganz besonderen Koffer für die letzte Reise packen derzeit sieben Menschen aus der Region für eine Ausstellung, die am 1. November im Bad Neuenahrer Wohnstift Augustinum Einzug hält: "Einmal Jenseits und zurück" heißt es für den Tierfilmer und Abenteurer Andreas Kieling, Sternekoch Hans Stefan Steinheuer, Meisterflorist Gregor Lersch, Musiker Stephan-Maria Glöckner, die Tennismeisterin Ingrid Hübner, Anne Nübel-Orthen, die MS-krank ist und das Buch "Auf tauben Sohlen unterwegs" schrieb, sowie den Mediziner Eckehardt Louen, Leiter der Remagener Palliativstation.

Es war an Andreas Reuther vom Vorstand des Hospiz-Vereins Rhein-Ahr, ihnen im Beisein von Stiftsdirektorin Caroline Hillesheim und Kulturreferentin Corinna Rossmy die leeren Koffer zu überreichen. Kieling, oft monatelang auf seinen Expeditionen rund um den Globus unterwegs, zieht jedoch einen Rucksack vor.

Mit 16 Jahren aus der DDR geflohen - "das hätte schon meine letzte Reise sein können" - glaubt er nicht an eine Wiederkehr nach dem Tod. "Die letzte Reise braucht daher keinen Koffer", so der Schirmherr des Vereins: "Wichtig wäre mir, und das würde mir genügen, Abschied nehmen zu können."

Die Augustinum-Bewohnerin Hübner, die gerade mit 87 Jahren wieder bei den Deutschen Seniorenmeisterschaften einen Titel holte und sich in Sachen Sterbebegleitung auskennt, hat schon gedanklich vorgepackt. Sie wird ihren Koffer voller Erinnerungen präsentieren mit einem Tennisball, Fotoalben, einem Atlas, der Bibel, Bonhoeffer-Büchern, aber auch einem Nachthemd und einem Stück Seife. "Man überlegt und verwirft wieder", so Steinheuer, Schirmherr des Stationären Hospiz, das im Dezember eröffnet wird.

Er hat den Projektinitiator und Bestatter Fritz Roth bei einer Trauerfeier erlebt, weiß um die Spannung in diesem Prozess. Bei Anne Nübel-Orthen steht trotz der schweren Bürde im Umgang mit ihrer Krankheit das wahre Leben im Fokus. Sie weiß ebenso wie Glöckner, der materiellen Kram vergessen will, noch nicht, wie ihr Koffer gefüllt sein wird: "Der packende Moment, das, was gerade wichtig ist."

Gregor Lersch, der Mann, der in 32 Ländern dieser Welt mit Blumen floral gearbeitet hat, weiß, dass man nichts mitnimmt. "Ich werde keine Blümchen reinpacken", so Gregor Lersch, "sondern versuchen, den Gedanken kompakt und reduziert rüberzubringen. Wenn wir anfangen zu sammeln, haben wir schon verloren." "Die Auseinandersetzung mit dem Tod ist auch eine mit dem Leben.

Denn es stellt sich die Frage: Was ist mir hier und heute wichtig? Ein solches Projekt übers Leben ist hier in unserem Haus, in dem das Sterben ein präsentes Thema ist, von immenser Bedeutung", so Direktorin Caroline Hillesheim. Corinna Rossmy ergänzt: "Wenn der Tod näher rückt, bergen das Projekt und der Besuch der Ausstellung die große Chance, hineinzuspüren, was einem wichtig ist. Es ist ein spannender Prozess."

Die sieben sehr persönlichen Statements werden dann die Wanderausstellung mit 100 Koffern ergänzen. Da gibt es Feuerlöscher fürs Fegefeuer ebenso zu sehen wie Prousts' Werk "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit". Es gibt vollgestopfte, leere oder künstlerisch gestaltete Koffer: so vielfältig, überraschend und irritierend, wie die Menschen und ihre Biografien. Zu jedem Exponat gibt es ein Foto der "Reisenden" und eine Erläuterung zum Inhalt.

Zur Ausstellung

Von Sonntag, 1., bis Sonntag, 22. November, ist die Wanderausstellung "Ein Koffer für die letzte Reise", die auch schon in Moskau, Wien und Luzern Station machte, im Theatersaal des Wohnstiftes Augustinum in Bad Neuenahr auf Initiative des Hospiz-Vereins Rhein-Ahr zu sehen.

Der mittlerweile verstorbene Trauerbegleiter und Bestatter Fritz Roth aus Bergisch-Gladbach hat das Kunstprojekt initiiert. 100 Menschen jeden Alters, Künstler, Intellektuelle, Handwerker, Prominente und Menschen ohne große Bekanntheit, die alle noch leben, machten sich somit mit der Endlichkeit des Lebens vertraut. In Ergänzung zu den 107 Exponaten gibt es ein Rahmenprogramm mit Musik, Kabarett (Konrad Beikircher) und Vorträgen wie "Medizin am Ende", "Zwischenräume - wann beginnt sterben?"