Winzerfestzug in Ahrweiler

Ein Mann baut Festwagen für Winzerfest alleine

AHRWEILER. Vier Tage lang feiert Ahrweiler im September sein Winzerfest. Den Höhepunkt bildet ein Festzug. Für diesen baut gerade ein einziger Mann die Festwagen: Bacchus Bernd Krah.

Am Sonntag, 1. September, werden in Ahrweiler die Tore in der Stadtmauer, die die historische Altstadt umgibt, geschlossen. An den beiden Durchbrüchen werden die Schranken herabgelassen, Schützen ziehen zum Wachdienst auf. Wer Einlass erbittet, den bitten die Wachen im Gegenzug um einen freiwilligen Obolus.

Am 1. September ist Winzerfest in Ahrweiler. Wer dann in der Altstadt ist, erlebt am Nachmittag einen bunten Winzerfestzug als einen der Höhepunkte des insgesamt viertägigen Treibens. Musikanten, Fußgruppen und jede Menge Festwagen ziehen durch die Altstadt, es herrscht beste Laune unter Tausenden von weinseligen Besucher von nah und fern. An diesem Tag wird jedem bewusst, warum Ahrweiler „Rotweinmetropole“ genannt wird.

Dass für den Bau der Festwagen nur eine Person verantwortlich sein soll, ist kaum zu glauben. Ganz so ist es auch nicht, denn bis die Wagen zum Zug Aufstellung nehmen, packen viele Hände fleißig mit an. Vor allem in den 48 Stunden vor dem Festzug, dann nämlich werden die Wagen im Betrieb von Ralf Wershofen mit Zehntausenden von frischen Blumen dekoriert.

Wagenbauerteam besteht nur noch aus einer Person

Jetzt, sechs Wochen vor dem Fest, ist der Wagenbau in vollem Gange. Und der liegt in diesem Jahr in nur zwei Händen: denen von Bacchus Bernd Krah. Das einstige Wagenbauerteam in Ahrweiler, das nicht nur fürs Winzerfest, sondern auch für den Rosenmontagszug der Karnevalisten verantwortlich zeichnete, ist mittlerweile auf eine Person reduziert. Krah steht derzeit fast täglich mehrere Stunden in der Wagenbauhalle am südlichen Ortsrand von Ahrweiler. Dort hinein passen zwei Motivwagen, an denen der Schreiner arbeitet. Mit den Jahren hat man hier ein Baukastensystem entwickelt. Auf einem Plateauanhänger werden die jeweiligen Komponenten aufgesetzt und befestigt. Wo gestern noch der Senat der Karnevalisten mit Kamelle geworfen hat, werden bald Weinmajestäten oder Vereinsvertreter edle Tropfen ausgeben.

Seit sechs Wochen schon ist Bernd Krah beschäftigt, immer wieder kutschiert er die Wagen in die Halle, fährt fertige Wagen in einen anderen Unterstand ganz in der Nähe oder nach Walporzheim. Dann greift der Wagenbauer zu Säge oder Akkuschrauber. Zu jedem Festzug entstehen neue Motivwagen, auf denen dann aber auch Vertreter der Vereine Platz nehmen, um Rotwein auszuschenken.

Oder aber die Weinkönigin, in Ahrweiler Burgundia genannt. Ihr Wagen ist bereits fertig, noch vor dem Wagen von Weingott Bacchus. Diese Person verkörpert Bernd Krah ebenfalls. Gerade erst hat er sich einen neuen Sitz aus einem alten Barrique-Fass gebaut. Ansonsten entstehen die Motive aus Sperrholz, bestückt mit Styropor, danach werden sie bemalt oder mit Großformatfotos beklebt. „Das ist authentischer als Malereien“, sagt Krah. So entstand der Wagen mit der Stadtmauer, auf dem die Weinmajestäten aus Ahrweiler, Bachem und Walporzheim durch Ahrweiler gefahren werden.

Motivwagen mit Brückenpfeilern ist fertig

Die Motive denkt sich der Schreiner selbst aus und stellt sie dann dem Arbeitskreis Ahrweiler zur Stellungnahme vor. Tipps nimmt er gerne an. So hat Krah gerade erst einen Motivwagen mit alten Brückenpfeilern geschaffen. Eine für dort geplante touristische Attraktion wird im Festzug nicht zu sehen sein, wurde darüber doch jüngst noch kommunalpolitisch kontrovers diskutiert. Krah: „Davon wurde mir abgeraten, jeder Gast kann sich seine Meinung zu dem Motiv bilden, aber politisch werden wir bei den Festwagen nicht. Wir sind eine Stadt und wollen alle gut miteinander auskommen.“

In diesem Jahr sind es neun Wagen, die Bernd Krah baut, genutzt werden sie unter anderem von Männergesangverein, Kolpingverein, den Bürger- und den Junggesellen-Schützen, von den katholischen Frauen und dem Jugendrotkreuz. Ein Überraschungswagen ist auch dabei, den bekommt nicht einmal der Arbeitskreis Weinfest Ahrweiler um Vorsitzende Steffi Koll-Bensberg zu Gesicht. Sie muss sich in diesen Tagen mit ihrem Team um alle andern Belange des Winzerfestes kümmern.

Und das ist wahrlich genug, zumal nun noch ein großes Problem hinzukommt. Die Unterstellmöglichkeiten der Wagen an der Ramersbacher Straße fallen nämlich zum 1. Januar weg. Noch stehen dort sieben Wagen der Karnevalisten und des Weinfestes. Es muss dringend eine Halle her. Wenn die Wagen unter freiem Himmel stehen, verrotten sie. Und Wagen aus anderen Orten kann man sich für die Züge nicht ausleihen, weil diese meist zu groß für die Durchfahrt durch die Stadttore sind. Die Winzerfestwagen sind maximal 2,20 Meter breit und 3,30 Meter hoch. Derzeit ist man noch ratlos.