Eingliederung im Ahrkreis

Ein Landespreis für Inklusion am Arbeitsplatz

Verleihung des Landespreises für beispielhafte Beschäftigung für die Getränke Michel GmbH aus Bad Neuenahr-Ahrweiler. Seit drei Jahren beschäftigt der Betrieb von Geschäftsführer Michael Juchem (6. von links) den 38-jährigen Fabian Maagh (2. von links). Vertreter von Kreis, Caritas und Barmherzigen Brüdern gratulieren.

Verleihung des Landespreises für beispielhafte Beschäftigung für die Getränke Michel GmbH aus Bad Neuenahr-Ahrweiler. Seit drei Jahren beschäftigt der Betrieb von Geschäftsführer Michael Juchem (6. von links) den 38-jährigen Fabian Maagh (2. von links). Vertreter von Kreis, Caritas und Barmherzigen Brüdern gratulieren.

KREIS AHRWEILER. Der Heimersheimer Betrieb für beispielhafte Beschäftigung schwerbehinderter Menschen ist jetzt ausgezeichnet worden. Nur jeder fünfte Betrieb kommt der Inklusions-Verpflichtung nach.

Etwa jeder vierte rheinland-pfälzische Arbeitgeber mit mehr als 20 Mitarbeitern beschäftigt keinen einzigen schwerbehinderten Menschen – und das, obwohl Betriebe dieser Größe eigentlich gesetzlich zu einer Quote von mindestens fünf Prozent angehalten sind. „Ich appelliere an die Unternehmen, die gute konjunkturelle Lage zu nutzen und in die Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen zu investieren“, sagt der Landesbeauftragte für die Belange behinderter Menschen, Matthias Rösch. Ein Appell, den ein Heimersheimer Unternehmen nicht braucht. Denn die Getränke Michel GmbH ist mit dem Landespreis für beispielhafte Beschäftigung schwerbehinderter Menschen ausgezeichnet worden. Den Landespreis gibt es seit 1998. Seit drei Jahren beschäftigt der Betrieb den schwerbehinderten Fabian Maagh.

Der 38-Jährige kam durch eine Kooperation des Betriebes mit den Caritas Werkstätten zu seiner Stelle. Was 2015 als sogenannter ausgelagerter Arbeitsplatz der Werkstätten begann, führte 2017 zu einer Festanstellung. Diese Entwicklung hat Landrat Jürgen Pföhler, Christine Holzky vom Integrationsdienst der Barmherzigen Brüder in Ahrweiler und Doris Hein, Leiterin der virtuellen Werkstatt XTERN – eine Einrichtung der Sankt Raphael Caritas, Alten- und Behindertenhilfe – dazu veranlasst, den Getränkemarkt für den Preis vorzuschlagen. Die Jury entschied daraufhin, den ersten Preis in der Kategorie „Nichtbeschäftigungspflichtige Betriebe“ an die Getränke Michel GmbH zu vergeben. In diese Kategorie fallen Betriebe, die aufgrund ihrer Größe nicht verpflichtet sind, schwerbehinderte Menschen zu beschäftigen, das aber dennoch tun.

Alternative zu Behindertenwerkstätten

Die rheinland-pfälzische Sozialministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler und Detlef Placzek, Präsident des Landesamtes für Soziales, Arbeit und Gesundheit, haben den Preis überreicht. Vertreter der Kreisverwaltung Ahrweiler, der Caritas Werkstätten und der Barmherzigen Brüder gratulieren dem Betrieb. „Das Budget für Arbeit trägt sehr zur Integration behinderter Menschen mit erhöhtem Integrationsbedarf auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt bei. Der Getränke Michel GmbH und damit ihrem Geschäftsführer Michael Juchem danke ich für die Bereitschaft, Fabian Maagh einzustellen“, anerkannte Pföhler das Inklusionsprojekt. Aus dem sogenannten Budget für Arbeit wird ein Teil des Lohnes gezahlt. Es kann gewährt werden, wenn der Arbeitnehmer ansonsten eine Behindertenwerkstatt besuchen müsste.

Laut Sozialministerium gab es in Rheinland-Pfalz im Jahr 2016 insgesamt 6622 Arbeitgeber mit mehr als 20 Arbeitsplätzen. Nur 1379 – also etwa jeder fünfte Betrieb – erreichten die geforderten fünf Prozent schwerbehinderter Arbeitnehmer. 1715 Betriebe beschäftigten laut Rösch keinen einzigen schwerbehinderten Menschen. „Deshalb unterstütze ich auch die Forderung nach einer deutlichen Erhöhung der Ausgleichsabgabe“, sagte er. Diese Abgabe müssen Betriebe entrichten, die sich nicht an die Fünf-Prozent-Quote halten. In Rheinland-Pfalz sind je unbesetztem Pflichtarbeitsplatz aktuell höchstens 320 Euro pro Monat fällig. Der Landesbeirat zur Teilhabe behinderter Menschen hatte eine Erhöhung gefordert.

Menschen mit Behinderung sind laut Ministerium häufiger und länger arbeitslos als Menschen ohne Behinderung, die Erwerbstätigenquote sei nur halb so hoch – und das trotz guter Lage am Arbeitsmarkt. „Vom Anstieg der Erwerbstätigkeit profitieren Menschen mit Behinderungen nicht in gleicher Weise“, sagte Rösch.