Verein "Zweig" in Bad Neuenahr

Eigenständig und trotzdem in Gemeinschaft

Der Vorstand des neuen Vereins: (hinten, v.l.) Annette Glauner, Gisela Querbach, Rainer Stuckenschmidt, Maria Icking und Ulla Reimann. Vorne (v.l.): Heike Krämer-Resch und Helen Brosius.

BAD NEUENAHR. Sie wollen anders wohnen als es bisher im Kreis Ahrweiler möglich ist. Deshalb haben sich mehr als 25 Interessierte im Bad Neuenahrer Mehrgenerationenhaus getroffen.

16 von ihnen gründeten den Verein "Zweig": Der Name steht für "Zusammen wohnen eigenständig in Gemeinschaft" und umschreibt das Ziel der Vereinsmitglieder. Sie wollen eine neue Wohnform schaffen, die Schutz vor Isolierung und Vereinsamung sowie sozialen Wohnraum für Jung und Alt bietet mit Hilfe gegenseitiger Erfahrung und Unterstützung,

"Der demografische Wandel und die vielen Veränderungen in der Gesellschaft zwingen zur Entwicklung neuer Formen, wo wir uns als soziales Wesen nochmal neu einbinden können. Weil der Mensch nur Mensch ist unter Menschen", sagte Maria Icking. In einer sehr harmonischen Gründungsversammlung wurde sie einstimmig zur ersten Vorsitzenden des neuen Vereins gewählt.

Ebenso einstimmig machten die Mitglieder Gisela Querbach zur stellvertretenden Vorsitzenden, Heike Krämer-Resch zur Schriftführerin und Annette Glauner zur Schatzmeisterin. Als Beisitzer fungieren Rainer Stuckenschmidt, Ulla Reimann, Helen Brosius sowie als Kassenprüferin Ursula Dahmke, deren Stellvertreterin Brigitte Ochs ist.

Seine Hauptaufgabe sieht der Verein in der Entwicklung eines Konzepts zur Umsetzung eines generationenübergreifenden Wohnprojekts. Wie das genau aussieht und wo es umgesetzt werden soll, sollen die Mitglieder bestimmen. "Sicher brauchen wir noch einen Investor und ein Grundstück, und wir möchten auch die Stadt aktivieren wegen der Ausschau nach geeigneten Grundstücken", sagte Querbach.

Bereits seit fast zwei Jahren sind sie und einige Mitstreiter aktiv. Mit vergleichbaren Wohnprojekten von Bonn bis Trier haben sie sich beschäftigt. Dass zur Gründungsversammlung nur Menschen kamen, die zum Teil deutlich über 40 Jahre alt sind, obwohl auch junge Menschen zum Generationenwohnen gehören, sieht sie entspannt: "Das ist in allen vergleichbaren Projekten so gewesen. Junge kommen erst dann dazu, wenn konkret ein Objekt entsteht. Weil sie beruflich eingebunden sind, haben sie ja erstmal gar nicht so die Möglichkeit, sich im Vorfeld so zu engagieren."

Die Gemeinschaft und das Miteinander sind für den neuen Verein zentrale Anliegen. "Unsere freie Zeit für die Freizeit der Jungen und unsere Erfahrung gegen ihre Hilfe", fasst Helen Brosius als eine der ältesten Gründungsmitglieder zusammen. "Wer weiterleben will wie bisher. mit ein bisschen Hilfe, der hat genügend Möglichkeiten, sich alle möglichen Leistungen einzukaufen. Was uns vorschwebt, ist das Gemeinschaftliche", fügt Stuckenschmidt an.

Dazu gehöre auch die Bereitschaft, sich auf Gemeinschaft einzulassen und das eigene Leben ein bisschen danach zu richten: "Vielleicht mal auf die Urlaubsreise nach Spanien zu verzichten, weil eine Frau krank geworden ist und eine Kinderbetreuung braucht." Bei einer schweren Krankheit im vergangenen Jahr, habe sie sich gewünscht, dass mal jemand reingeschaut und gefragt hätte "Wie geht's? Kann ich dir etwas besorgen?", erklärte Brosius ihre Motivation mitzumachen: "Bei einer Wohnform des Miteinanders geht es nicht darum, dass die Leute mich pflegen, sondern um das Anteilnehmen und um die Achtsamkeit, füreinander da zu sein."

Info

Die Mitgliedschaft im Verein kostet 30 Euro im Jahr. Der Verein trifft sich immer am dritten Mittwoch im Monat um 18 Uhr. Das nächste Mal am 15. Oktober wieder im Bad Neuenahrer Mehrgenerationenhaus.