Widerstandskämpfer, Demokrat und Forstfunktionär

Ehrenbürger des Kreises Ahrweiler

KREIS AHRWEILER. Philipp Freiherr von Boeselager wäre am 6. September 100 Jahre alt geworden. Eine Schule in Ahrweiler und die Kaserne in Gelsdorf tragen seinen Namen.

Er ist der erste und bislang einzige Ehrenbürger des Kreises Ahrweiler. Zwei staatliche Einrichtungen im Kreisgebiet tragen seinen Namen. Am Mittwoch, 6. September, wäre er 100 Jahre alt geworden. Philipp Freiherr von Boeselager gehörte dem innersten Kreis der militärischen Widerstandsgruppe um Generalmajor Henning von Tresckow an, die am 20. Juli 1944 das Attentat auf Adolf Hitler verübte und damit der Diktatur der Nationalsozialisten ein Ende bereiten wollte.

An den 100. Geburtstag des Mannes, der auf Burg Kreuzberg in der Ortsgemeinde Altenahr lebte, erinnert eine Reihe von Persönlichkeiten, die beruflich oder familiär mit Boeselager verbunden sind: Landrat Jürgen Pföhler, der ihm 2005 bei einem Festakt die Ehrenbürgerschaft des Kreises verlieh. Generalmajor Axel Binder, Kommandeur des Kommandos Strategische Aufklärung der Bundeswehr mit Dienstsitz in der Philipp-Freiherr-von-Boeselager-Kaserne in Gelsdorf. Und Albrecht Freiherr von Boeselager, ein Sohn des Ehrenbürgers und in Familientradition wohnhaft auf Burg Kreuzberg.

Vorbild für Soldaten

Ein Künstler, der ebenfalls im Altenahrer Ortsteil Kreuzberg beheimatet ist, hat eine Bronze-Büste des am 1. Mai 2008 verstorbenen Widerstandskämpfers entworfen: Rudolf P. Schneider, dessen Kunstwerk im Foyer der Gelsdorfer Boeselager-Kaserne ausgestellt ist.

Generalmajor Binder betont: „Philipp Freiherr von Boeselager, der als junger Mensch die dunkle Zeit des Nationalsozialismus er- und überlebt hat, wirkt als Widerstandskämpfer bis heute sehr nachhaltig in unserer Bundeswehr. Er war als Offizier der Wehrmacht einer der Träger des „Aufstand des Gewissens“ gegen Hitler und sein Unrechtsregime. Sein damaliges mutiges, ehrenhaftes Handeln unter Einsatz seines Lebens ist bis heute leitendes Beispiel für unsere Ausbildung und Erziehung als Soldaten der Bundeswehr. Es verdeutlicht uns die moralischen Grenzen von Befehl und Gehorsam, dem unverrückbaren Prinzip einer jeden Armee, und untermauert unsere Bindung als Parlamentsarmee an die Werte und Normen unseres Grundgesetzes. Philipp Freiherr von Boeselager ist Vorbild für die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr.“

„Et si omnes, ego non“

Landrat Pföhler erinnerte daran, dass sich von Boeselager, der 1948 Bürger des AW-Kreises wurde, stets aktiv in die Region einbrachte, etwa bei der Waldwirtschafts- und Forstpolitik. Dessen Name bleibe jedoch untrennbar damit verbunden, während des Zweiten Weltkriegs das Unmögliche gewagt zu haben: das Attentat vom 20. Juli 1944 auf Hitler. Der junge Wehrmachtsoffizier habe sein Leben „für ein besseres Deutschland eingesetzt“. Die Gesinnung und Geisteshaltung Baron Boeselagers, so der Landrat, finde sich im lateinischen Leitspruch der Familie wieder: „Et si omnes, ego non“ (Auch wenn alle, ich nicht).

Albrecht Freiherr von Boeselager sagt, die Familie blicke „mit Respekt und Dankbarkeit auf das Leben unseres Vaters und Großvaters“. Der Kontakt zur Jugend sei ihm stets ein großes Anliegen gewesen. So habe er als Zeitzeuge regelmäßig in Schulklassen über seine Erfahrungen während der nationalsozialistischen Diktatur berichtet und dabei an Vernunft und Christlichkeit der jungen Generationen appelliert.

Auch eine Schule in Trägerschaft des Kreises Ahrweiler trägt den Namen des Ehrenbürgers: die Philipp Freiherr von Boeselager Realschule plus Ahrweiler an der Schützenstraße. ⋌