Neuwahlen des Vorstands

Die Werbegemeinschaft Bad Neuenahr sucht Verstärkung

BAD NEUENAHR. Die Werbegemeinschaft Aktivkreis Bad Neuenahr wünscht sich mehr Unterstützung und bemängelt, dass man die Arbeiten im Stadtmarketing im Ehrenamt so nicht weiter leisten könne und daher nach professioneller Hilfe suche.

„Quo vadis, Werbegemeinschaft?“ fragte Volker Danko. Und das aus gutem Grund. Der Chef der Werbegemeinschaft Aktivkreis Bad Neuenahr-Ahrweiler blickte etwas ratlos in die Runde. Nur 16 von 96 der Dachorganisation der Einzelhändler angeschlossenen Gewerbetreibenden aus der Kreisstadt waren zur Mitgliederversammlung gekommen. Eigentlich stehen Vorstandsneuwahlen an, Danko findet aber keinen Nachfolger. Überhaupt fühlt er sich ziemlich alleinegelassen. Obwohl er und seine Mitstreiter große Erfolge vorweisen können.

Dem Einzelhandel geht es – allen Unkenrufen zum Trotz – gut. 513 Milliarden Euro setzen die Händler in 2017 bundesweit um, 4,5 Prozent (bereinigt um Preissteigerungen: rund drei Prozent) mehr als im Jahr zuvor. Für das laufende Jahr rechnen die Einzelhandelsverbände gar mit einer Rekordsumme von 523 Milliarden Euro. Trotz Online-Handel. Der Einzelhandel profitiert von der guten Arbeitsmarktlage, höheren Löhnen, niedrigen Zinsen und der guten Kauflaune der Deutschen.

Erwartungen an die Stadt nicht erfüllt

Auch in Bad Neuenahr dürfte es da kaum Grund zur Klage geben. Schließlich ist die Kaufkraftbindungsquote hoch, zudem pendelt hohe Kaufkraft von außen in die Stadt hinein.

Wenngleich also auch die äußeren Rahmenbedingungen stimmen, hadert die Spitze der Werbegemeinschaft mit inneren Gegebenheiten. „Der Vorstand braucht Verstärkung“, meinte Danko, der seit fünf Jahren Vorsitzender des Aktivkreises ist. Es sei einfach zu viel geworden. Erst recht, nachdem zwei Vorstandsmitglieder die Gemeinschaft verlassen hätten und bislang nicht ersetzt werden konnten.

„Es tut sich nichts in der Mitgliederschaft“, sagte Volker Danko mit einem Anflug von Resignation. „Man steht alleine da.“ Er habe sich mehr Unterstützung gewünscht. Ein Wunsch übrigens, den bereits Dankos Vorgängerin Gisela Dieringer in großer Regelmäßigkeit hilfesuchend geäußert hatte. Erfolglos. Dabei beschränkte sich Dankos Unterstützungsanliegen nicht nur auf die eigene Mitgliederschaft.

Auch von öffentlicher Seite, sprich von der Stadt, habe er sich mehr erhofft. Die hatte zwar einen eigenen City-Manager eingestellt, der jedoch offenbar die Erwartungen des Einzelhandels nur unzureichend zu erfüllen scheint. „Wozu ist der da? Was macht der?“ fragte ein Mitglied des Aktivkreises. Zur Mitgliederversammlung hatte sich der Rathausvertreter entschuldigen lassen. „Dabei betreiben wir viel Stadtmarketing. Das können wir im Ehrenamt so nicht weiter leisten. Wir brauchen professionelle Hilfe“, so Danko.

Arbeit der Werbegemeinschaft wird unterschätzt

Auf diesem weiten Feld der städtischen Außendarstellung ist jedoch nicht nur die Werbegemeinschaft aktiv: Der von der Stadt unterstützte Ahrtal-Tourismus, der Ahrwein e.V., die von der Stadt gegründete Heilbad GmbH, die Ahrweiler Werbegemeinschaft, die städtische Wirtschaftsförderung, der City-Manager und nicht zuletzt die Laga GmbH sind alle in Sachen Stadtmarketing unterwegs. Danko: „Hier müssen die Kräfte gebündelt werden. Es müssen andere Strukturen her.“

Plötzlich waberte eine nicht unerhebliche Frage durch den Saal im Hotel Krupp, in dem sich die Mitglieder des Aktivkreises getroffen hatten: „Was passiert, wenn es keine Werbegemeinschaft mehr gibt?“ Zum Beispiel würden dann keine verkaufsoffenen Sonntage mehr stattfinden, lautete eine Antwort. Dessen seien sich die Einzelhändler, die bislang nur wenig Engagement in ihrer Dachorganisation gezeigt hätten, wohl nicht bewusst, so eine Geschäftsfrau.

Von Auflösungserscheinungen will Volker Danko vorerst nicht sprechen. Bis Karneval hofft er, eine neue Vorstandsmannschaft präsentieren zu können. Bis dahin nämlich muss der Aktivkreis nach der Satzung gewählt haben. Er selbst, so Danko unmissverständlich, werde den Steuerknüppel in jedem Fall abgeben.

Dabei wird der Bad Neuenahrer Weinhändler durchaus eine Erfolgsbilanz hinterlassen. Die Mitgliederzahl wurde in den vergangenen Jahren von 65 auf 96 hochgeschraubt, die Finanzen stimmen, die für den Handel wichtige Weihnachtsbeleuchtung ist längst aus der Defizitzone und auch für 2018 auf den Weg gebracht. Feste wie „Rund ums Ei“, „Rund um den Weckmann“, das „Fest der guten Laune“, verkaufsoffene Sonntage, Adventskalender-Aktionen, Einkaufsführer, die Grün-Card: Die Angebotspalette der Werbegemeinschaft kann sich sehen lassen und führt zu hohen Besucherfrequenzen in der Innenstadt. „Es gab auch viel Arbeit, die man nicht sieht“, so Danko. Natürlich hofft er, dass es irgendwie weitergeht und das Motto der Bad Neuenahrer Einzelhändler Bestand haben wird: kaufen, erholen, entdecken.