Gedenkstätte in Marienthal

Die Tränen der Zwangsarbeiter im Lager "Rebstock"

MARIENTHAL. Die Gedenkstätte für die Außenstelle des Konzentrationslagers Buchenwald wurde eingeweiht. Zu der Feier kamen einige ehemalige Zwangsarbeiter.

Arie van Houwelingen kämpfte am Donnerstagmittag erst gar nicht gegen seine Tränen an. Der Niederländer, der demnächst 94 Jahre alt wird, war trotz seines hohen Alters zurückgekehrt an den Ort seiner Qual: Auf das Plateau vor dem einstigen Regierungsbunker Marienthal, wo Houvelingen als Zwangsarbeiter Schienen für das Lager „Rebstock“ verlegen musste.

Sichtlich bewegt verfolgte der Mann, der in Marienthal um seine Jugend gebracht wurde, die Einweihungsfeier der Gedenkstätte für die Außenstelle des Konzentrationslagers Buchenwald. Und auch Gertrud Schneck aus Heimersheim stand ergriffen vor der Tafel, auf der ein Foto sie mit ihrem Mann Toni zeigt. Die 94-Jährige war als junge Frau vom Reichsarbeitsamt zum Dienst im Lager zwangsverpflichtet worden und verfolgte, wie Konsularvertreter aus fünf Nationen Blumen an den Erinnerungsstelen für ihre insgesamt rund 1500 Landsleute niederlegten: Niederländer, Italiener, Russen, Franzosen und 300 ungarische Juden, deren Spur sich nach dem Aufenthalt im Lager „Rebstock“ verläuft.

Letzteren gedachte besonders Konsulin Terézia Miskolci, die am Jahrestag der Pogromnacht die Gedenkstätte auch ein Holocaustmahnmal nannte. Da passten bei der ökumenischen Einweihung mit Diakon Bernhard Stahl und Pfarrer Thomas Rheindorf die Jeremias-Verse, die Abram Abayev von der jüdischen Gemeinde Koblenz auf Hebräisch sang: „... dass sie mein Erbe mit Greueln angefüllt haben“.

Hauptredner vor der gut hundertköpfigen Schar war nach der Begrüßung durch Klaus Liewald, der mit seinem Bürgerverein Synagoge Träger der neuen Gedenkstätte ist, der Mainzer Kulturminister Konrad Wolf. Er unterstrich, dass eine regionale Initiative um Wolfgang Gückelhorn eine „Gedenkstätte von außenpolitischer Bedeutung“ geschaffen habe. Das werde durch die Teilnahme der Vertreter aus den diplomatischen Korps untermauert: „Es ist ein internationaler Erinnerungsort“, so der Minister, der angesichts eines „Rechtsrucks in Europa“ von „fundamentaler Notwendigkeit der Erinnerungsarbeit“ sprach.

Landrat Jürgen Pföhler hob hervor, dass es sich bei dem Erinnerungsort „um die bislang einzige Einrichtung dieser Art in Deutschland handelt, deren Träger nicht der Staat, sondern eine Initiative aus der Bürgerschaft ist“. Auch für seine Amtskollegen Achim Juchem, Grafschaft, und Achim Haag, Altenahr, dankte Kreisstadt-Bürgermeister Guido Orthen im „Dreiländereck“ der Kommunen Wolfgang Gückelhorn, Klaus Liewald und ihrem Team für die langjährige Forschungsarbeit und die Übernahme der Verantwortung durch den Bürgerverein, „ohne die wir von einer Realisierung der Gedenkstätte noch weit entfernt wären“. Dieter Burgard, Bürgerbeauftragter des Landes Rheinland-Pfalz, attestierte auch im Namen der Landesarbeitsgemeinschaft der Gedenkstätten den Initiatoren eine „herausragende bürgerschaftliche Arbeit“.