Kommentar zum demografischen Wandel

Die Tiefe fehlte

Freiheiter-Diskussion im Augustinum (von links): Lisa Offergeld,Henning Scherf, Ebba Hagenberg-Miliu und Celia Sasic.

Freiheiter-Diskussion im Augustinum (von links): Lisa Offergeld,Henning Scherf, Ebba Hagenberg-Miliu und Celia Sasic.

BAD NEUENAHR. Kaum ein Thema ist spannender als die demografische Entwicklung und ihre Folgen. Umso enttäuschter musste man sein, als in der Podiumsdiskussion der Freiheiter die Realität nur selten Platz greifen konnte.

Wenn in einer Diskussion, in der es um den demografischen Wandel, um das jetzige und spätere Miteinander von Jung und Alt geht, nicht ein einziges Mal der Begriff Generationenvertrag fällt, wenn der gigantische Themenkomplex Altersarmut so gut wie ausgeblendet bleibt, wenn der dramatische Fachkräftemangel in Pflegeberufen nur mit wenigen Sätzen äußerst notdürftig angehaucht wird, wenn nicht darüber gesprochen wird, dass Renten schon jetzt nur noch mit einem „Zuschuss“ in Höhe von fast 100 Milliarden Euro aus Steuermitteln (fast 30 Prozent des Bundeshaushaltes) darstellbar sind, die zudem noch von immer wenigen Steuerzahlern für immer mehr alte Menschen zu zahlen sind, dann ist etwas schief gelaufen.

Was nutzt ein Geplauder darüber, dass sich Großeltern für ihre Enkel förmlich zerreißen würden, um ihnen eine gute Perspektive zu geben? Und dass Jüngere die Alten angeblich so sehr respektieren und natürlich bereit sein würden, zu pflegen und zu helfen?

Tatsache ist, dass es in der Regel noch nicht einmal zur Grabpflege reicht. Klar, Eigennutz und generationsübergreifendes Miteinander schließen sich nicht zwangsläufig aus. Die Realität sieht aber oftmals anders aus.

Solange es Jahr für Jahr steigende Renten gibt, mögen die Senioren, die schon bald als größte Bevölkerungsgruppe eine dominierende Stellung in unserer Gesellschaft und Demokratie einnehmen, zufrieden sein. Irgendwann aber werden sich die Steuerzahler – die heute noch Jüngeren – vermutlich allerdings fragen, woher sie die zur Renten- und Sozialhilfefinanzierung der Alten erforderlichen Finanzmassen noch nehmen sollen, zumal für andere Belange im Staat immer weniger übrig bleibt. Wie weit wird die Opferbereitschaft der „Generation Y“ gehen?

„Alt ist nicht gleich gebrechlich“, so Diskutant Hennig Scherf. Das stimmt oft. Noch öfter stimmt es aber halt nicht. Wie auch nicht jeder Alte das Geld hat, würdevoll den Lebensabend zu verbringen.

Das Thema hätte mehr Tiefe verdient gehabt. So aber blieb es bei einem unverbindlichen Plauderstündchen, in der die Hauptfrage, nämlich „Schaffen wir das Miteinander der Generationen?“ nicht einmal ansatzweise beantwortet wurde.