Nach Wegzug aus Bonn

Die Klangwelle wird in Bad Neuenahr aufgebaut

Bad Neuenahr. Der Aufbau der Klangwelle im Kurpark Bad Neuenahr ist in vollem Gang. Die aufwendige Wasser-Show erfordert eine tagelange Vorarbeit.

Was hat der Bad Neuenahrer Kurpark in Wien verloren? In seinem Grundkonstrukt und nachgebaut im Computer in 3D bietet er dort Showdesigner Mischa Anton seit Monaten die perfekte Animationsbasis, um die Bad Neuenahrer Klangwelle 2017 vorzubereiten. Vergangenen Sonntag rückte er mit zwölf Technikern, 16 Helfern und zwei 30 Tonnen schweren Sattelzügen im Kurpark an, um zehn Tage lang die vierte Klangwelle zu installieren. Und um das Element in den Fokus zu rücken, dem das Heilbad seinen Namen verdankt: Wasser.

Anton ist ein Nachtarbeiter, denn Probeläufe bei strahlendem Sonnenschein bringen dem Operator der österreichischen Firma „Consortium“ nicht viel. Zwar kann er den Aufbau des Wasserbeckens, das Platzieren der Düsen und Pumpen sowie das Justieren der Scheinwerfer als Gesamtinstallation zwischen den Baumalleen begleiten und begutachten. Doch in der Nacht erfolgt der Feinschliff, das Anpassen von Licht und Laser an die Musik, die der künstlerische Leiter Roland Nenzel aus Bonn diesmal für das Motto „Hymnen“ ausgewählt hat. Jedes Detail muss berücksichtigt, Dinge wie die Reflexion der Baumriesen beachtet werden. „In der Regel komme ich dann morgens um 7 Uhr hier raus“, so Anton im GA-Gespräch.

In seiner Regie-Schaltzentrale vor dem Springbrunnen des Parks, der diesmal noch mehr ins Geschehen eingebunden ist, ist er an den acht Veranstaltungsabenden ab Donnerstag, 5. Oktober, mit einem Techniker Herr über ein aus Computern, Tastaturen, Knöpfen und Reglern bestehendes Equipment, das allein einen Wert von 150 000 Euro hat. „Zur Musik von Roland Nenzel kreiere ich hier jetzt einzelne synchrone Wasserbilder, mit denen ich Geschichten erzähle, um die Emotion der Musik ans Publikum heranzutragen und den Funken überspringen zu lassen“, so der Lichtdesigner. „Hier vor Ort in Bad Neuenahr hole ich die letzten 30 Prozent Qualität aus dem in Wien im Studio erarbeiteten Konzept heraus.“

7000 bis 8000 Wasserbilder entstehen für die zweistündige Klangwelle. Auch während der Präsentation kann Anton Eingriffe ins Geschehen tätigen. Er hat jede Sekunde die Symmetrie aus Musik, Licht- Laser- und Feuereffekten seines Gesamtkunstwerks im Auge, während seine Systemtechniker in der Nähe des Wasserbeckens positioniert sind. „Ein regulierender Eingriff kommt an den acht Abenden vielleicht zwei Mal vor. Der Super-Gau wäre ein Sturm, der das Wasser entweder in Richtung Publikum oder zur Ahr hin verbläst.“

Was ist neu bei der Klangwelle 2017, zu der 16 000 Besucher erwartet werden? „Die technische Weiterentwicklung ist enorm. Hatten wir beispielsweise 2016 noch sieben Wasserfontänen, die 30 Meter in die Höhe schossen, so sind sie nun höhenregulierbar, wodurch sich komplett neue Bilder ergeben. Auch die Wasserleinwand ist größer und erlaubt dadurch eine höhere Schärfe der Videos. Alle Geräte wurden von uns selbst neu entwickelt. Ich verrate so viel: Die Show wird heller, weil wir bei den Video-Parts die vierfache Lichtstärke des vergangenen Jahres haben. Und sie wird im wahrsten Sinne heißer, weil wir mehr Feuer einsetzen.“

Beim Thema „rasante Technikentwicklung“ stimmt ihm Nenzel, der mit Wirtschaftsförderer Thomas Spitz wieder die Moderation übernommen hat, zu: „Dieselbe Musik der ersten Bad Neuenahrer Klangwelle wäre mit der Technik von heute eine ganz andere Show.“ So wie in Bad Neuenahr das Wasser sprudelt, so sprudeln beim Musikexperten die Ideen für weitere Klangwelle-Motti. „Natürlich wird es 2020 zum 250. Beethoven-Geburtstag im Klassik-Part einen Schwerpunkt mit Werken des Komponisten geben.“ Was er für die Klangwelle im Jahr der Landesgartenschau 2022 schon im Kopf hat, gibt Nenzel nicht preis.

Jetzt heißt es aber für Anton erst einmal, die vierte Klangwelle auf die Beine zu stellen, in seinem Element zu sein mit den Elementen. „Hymnen“ sollen den Park in vier Akten – Rock- und Popmusik, Karneval, Flower-Power-Zeit und Klassik – erbeben lassen und für Gänsehaut-Momente sorgen – ob „Bohemian Rhapsody“ von Queen, „Drink doch ene met“ von den Bläck Fööss, „San Francisco“ von Scott McKenzie oder Puccinis „Nessun Dorma“.

Was das Klangwelle-Macher-Duo eint, ist eine weitere Hymne, ein besonderer „Preis- und Lobgesang“: die Begeisterung für die Besonderheit der „Location Kurpark“ mit seinem Ambiente als Szenenfläche. War „Consortium“ im vergangenem Jahr in Indien, im Irak, in den USA, in Usbekistan, Nizza und Schwerin aktiv, so bezeichnet Anton das Flair des Bad Neuenahrer Parks als etwas ganz Besonderes. „Hinzu kommt die Begeisterung der Bevölkerung, die hinter der Klangwelle steht. Das haben wir selten erlebt. Wo wir in der Stadt auftauchen, erkennbar an unserem Emblem, werden wir mit großer Sympathie empfangen“, so Anton. Nenzel ergänzt: „Neben den traumhaften räumlichen Voraussetzungen bekommen wir eine erstklassige Unterstützung von Seiten der Stadt und der veranstaltenden Heilbad Gesellschaft. Auch das ist nicht an allen Veranstaltungsorten selbstverständlich.“