Ahrweiler Bunkermuseum

Deutsches Historisches Museum Berlin überlässt Original-Friseurstube

Zurück am angestammten Platz: Heike Hollunder freut sich über die Rückkehr des Friseursalons ins Bunkermuseum.

AHRWEILER. Die Kaltwelle für den Kalten Krieg. Da läuft es einem heute kalt den Rücken runter. Denn mit der Rückkehr der Original-Friseurstube aus dem Deutschen Historischen Museum (DHM) Berlin gestern in die Ahrweiler Dokumentationsstätte Regierungsbunker wird klar, wie schizophren die Planungen waren.

Atomarer Schlag - egal, Hauptsache, die Frisur sitzt und man geht perfekt frisiert und äußerlich korrekt in den 3. Weltkrieg. In dem Schriftverkehr zwischen Bundesinnenministerium und dem Bundesministerium für wirtschaftlichen Besitz vom 7. März 1960, als die Bunkerplanung "in jedem Tunnel die Einrichtung einer Friseurstube erwünscht, in der unkomplizierte Friseurarbeiten (Haarschneiden, Haarwaschen, Kaltwelle) vorgenommen werden könnten", führt dieses Kuriosum zu handschriftlichen Randnotizen.

"Soll das ein Karnevalsscherz sein? Nein! So weit geht bereits heute die Planung für den Ernstfall. Motto: Leute, die sich pflegen, sind andern überlegen. Sogar im Ernstfall", lautete damals der nicht gerade wohlwollende Kommentar eines Mitarbeiters.

Eingerichtet wurde dann ein Salon mit einem höhenverstellbaren und einem drehbaren Stuhl mit weißen Kopfstützen, Konsolen in weiß-blau, Spiegel, einem Föhn der Marke Forfex, Nato-olivgrünen Frotteehandtüchern, einem schwenkbaren Waschbecken und, auch wieder skurril durchs Wortspiel, einer Trockenhaube der Firma "Schwarzkopf".

Den Kopf gewaschen bekommen hat dort nie jemand. "Auch nicht bei den Übungen, zum Beispiel 1970, als 70 Frauen im Regierungsbunker weilten", so Museumsleiterin Heike Hollunder, die den Aufbau des Salons an seinem Originalplatz in Raum 27/15 zwischen Schlafstätte des Bundespräsidenten und seiner Suite organisiert hat.

Wenn die Dokumentationsstätte nächste Woche ihren fünften Geburtstag feiert, freuen sich die Besucher über die neue Errungenschaft aus Berlin. "Wir sind an solchen Zeugnissen des Atomzeitalters sehr interessiert", schrieb auch am 18. Juni 1998 die zuständige DHM-Mitarbeiterin. Sie zog in Betracht, dass einiges aus dem Bunker in der Ausstellung zum 50-jährigen Bestehen der Bundesrepublik gezeigt werden könnte.

"Inwieweit das erfolgt ist, weiß jedoch keiner", betont Hollunder. So landeten sie im Magazin des DHM. Gab es bei der Eröffnung in Ahrweiler 2008 schon Dauerleihgaben aus der Hauptstadt, so war man nun auch einverstanden, den Salon nach Ahrweiler transportieren zu lassen. Wie aufwendig das Museum mit seinen Stücken umgeht, sieht man am Beispiel des Nato-Handtuches: Das war um eine Rolle gewickelt, in Seidenpapier gehüllt und von einer Papphülse umschlossen.

"Der Salon ist ein handfestes, aber auch kurioses Stück Bunkergeschichte. Das Äußerliche schien damals wichtiger zu sein, als etwas für die Seele zu tun. Es gab zwar Militärpfarrer und Valium, aber keinen Musikraum oder Bibliothek", so die Museumsleiterin, die sich über die Rückkehr des kompletten Salons bis in die Haarspitzen freut.