Esso-Tankstelle in Bad Neuenahr schließt

Der Tiger sagt adieu

BAD NEUENAHR. In Bad Neuenahr geht eine Tankstellen-Ära zu Ende: Nach 64 Jahren Familienbetrieb hat Winfried Angsten die 1952 von seinem Vater Ernst gegründete Tankstelle zum Jahresende geschlossen.

Tiger im Tank - das war einmal. Dito die Wegbeschreibung von Ahrweiler nach Königsfeld: "Bis zur Esso-Ampel, dann rechts und immer geradeaus."

Der Tiger sagt adieu. Auf dem Areal laufen derzeit Umbauarbeiten, voraussichtlich bis Ende Februar. Dann kommt der Sprit unter der Flagge BFT, was für Bund Freier Tankstellen steht, von der "Q 1 Energie AG" aus Osnabrück, einem mittelständischem Mineralölhändler, der von Angsten auch die zur Tankstelle gehörende Waschstraße gepachtet hat.

Viel hat sich verändert, seit  Ernst Angsten aus dem damaligen Acker an der Ringenerstraße seine Ahrtal-Station baute.  In damals modernstem, abgerundeten Design. Das war die Zeit als Sprit noch Pfennigskram war, der Tankwart noch die Scheiben putzte und bei den Automobilisten nach dem Öl schaute.

Zapfsäulen mit Nummern statt Tankwart

Dann kam die Ölkrise mitsamt ihren Begleiterscheinungen wie autofreien Sonntagen. Benzin war für heutige Verhältnisse zwar immer noch erschwinglich, doch aus den USA schwappte das "Selbsttanken" rüber.  So baute Ernst Angsten 1974 um. Zapfsäulen mit Nummern lösten den freundlich grüßenden Tankwart ab.

In den Siebzigern kam dann auch die erste Waschstraße im Kreis Ahrweiler hinzu. "Der Umbau mit neuem Fahrbahndach samt überdimensionalem Gummi-Tiger und Reifenhalle erfolgte 1982, sagte Winfried Angsten im Gespräch mit dem GA. Der heute 55-Jährige hat nach einem Studium des Wirtschaftsingenieurwesens 1986 die Geschäftsführung und 1987 das Geschäft von seinem Vater übernommen. 30 Jahre folgten, in denen Angsten die Tankstelle zum Autoservice-Zentrum ausbaute.

Diese wird Angsten in Kooperation mit Olaf Hammelmann auch weiterhin beibehalten. Das bisherige Personal der Tankstelle hingegen wird komplett von "Q1 Egergie" übernommen. "Das ist Bestandteil des Pachtvertrages", sagte Winfried Angsten zur Zukunft seiner zehn Mitarbeiter. Er selbst will's künftig  etwas ruhiger angehen, mehr Zeit für Familie und seine beiden Kinder haben.