Ahrweiler entwickelt die Zukunft des Calvarienbergs

Der Preis steht, die Ideen sind da

AHRWEILER. Großes Interesse herrschte beim Workshop des Investors für die künftige Nutzung des Klosters Calvarienberg. Die Beteiligten haben viele Übereinstimmungen festgestellt.

„Kloster Calvarienberg Neudenken“ – so lautete das Motto eines Workshops der Aachener Landmarken AG zur künftigen Nutzung des Klosters, der Kirche und den angrenzenden Liegenschaften. Rund 30 Teilnehmer – von den Ursulinen über die beiden Schulen, die Verwaltung, Tourismus, Kirche, Parteien, Denkmalschützer bis hin zu Nachbarn – folgten der Einladung des Projektinvestors zum regen Austausch.

„Hinter dem sogenannten 'World-Café' steckt der frühzeitige Austausch, das Kennenlernen der Protagonisten. Wir möchten von den Ideen der Gemeinschaft Impulse empfangen. Die Bürger haben die Historie vor Augen und haben sich Gedanken gemacht, Befürchtungen entwickelt, als sie von der Schließung und dem Verkauf erfuhren“, so Vorstand Jens Kreiterling beim anschließenden Pressegespräch, an dem auch Projektleiterin Susanne Gellert und Bereichsleiterin „Wohnen“, Sylvia Friederich teilnahmen.

Nach einem Impulsvortrag von Professor Johannes Kister vom Kölner Architekturbüro Kister-Scheithauer-Gross ging es in Zehnergruppen an Tische. Unter den drei Arbeitstiteln „Entwicklungsflächen wie alte Ökonomie und Klostergarten“, „Hauptteil Kloster“ und „Internatsgebäude“ machten sich die Akteure über die Tischdecken her, denn die galt es zu beschriften. „Jeder wechselte drei Mal, so entstanden konstruktive Diskussionen. Beispielsweise regte jemand Gastronomie im Klostergarten an, dem aber das Ruhebedürfnis derer entgegenstand, die dort künftig wohnen. Also kam man auf einen Garten der Stille“, so Kreiterling. Ein Zeichner hielt an Stellwänden sogleich die Wünsche und Kritik fest. So tauchten Begriffe wie „Begegnung, Gastronomie, Familien-Hotel, Klinik, Hochzeiten, Amphitheater, Konzertsaal, Besinnungstage, Hofladen oder Büros und Praxen“ auf.

Tiefgarage im Hang

Für den Internats-Bereich notierten die Teilnehmer „Campuswohnen, Innenhof-Konzerte, Mehrgenerationenwohnen, interkultureller Austausch und Bildungshaus“, für die noch unbebauten Flächen „Wohnen passt super gut, aber nur im Mix“ mit den Anregungen „Die Mauern erhalten“, „Gemeinschaftsflächen mit anbieten“ und „Familien im Fokus“. Dass die Kölner Architekten aufgrund der baulichen Besonderheiten sich auch schon Gedanken gemacht haben, zeigte sich bei der Anwohnerkritik mit Blick auf die engen Straßen und die fehlenden Parkmöglichkeiten: Eine Tiefgarage im Hang, die nicht sichtbar ist und sich nicht störend auf den Blick auf das Gebäudeensemble auswirkt.

„Die Gemeinsamkeit ist das Thema 'Wohnen'. Es war schön zu beobachten, dass die Bürger ähnliche Ansätze haben wie wir. Öffnen, statt zu beschränken, das war wichtig. Nicht sagen, was nicht geht, sondern die Herausforderung annehmen“, betonte Kreiterling. Friederich: „Eine Schnittmenge ist da. Jetzt, wo wir ein Stimmungsbild haben, fällt uns das Sortieren leichter. In den kommenden Monaten müssen wir Bewertungen vornehmen, analysieren, wie belastbar die Konzepte sind.“ „Und die Ideen mit den Gebäuden, die derzeit untersucht werden, in Einklang bringen. Den Ahrweiler Bürgern scheint eine öffentliche bis halböffentliche Nutzung mit Blick auf Klausur, Kirche und geistlichem Zentrum wichtig“, so Gellert.

Im Frühjahr 2017 kämen die verfeinerten Ideen auf den Prüfstand, auch künftig will man die Bürger mitnehmen. Zur wirtschaftlichen Komponente erklärte der Vorstand erneut, dass die Landmarken AG von den Ursulinen ein Kaufangebot erhalten habe, das derzeit geprüft werde. „Anlass war ja, so viele Mittel zu erzielen, dass sich die Stiftung zum Erhalt der beiden Schulen rechnet. Die Kaufsumme steht fest, jetzt hängt davon ab, ob wir die Konzepte mit Leben füllen können und wir die Akzeptanz erreichen. Wir müssen Nutzer und Betreiber finden, um das Projekt nach vorne zu treiben. Ziel ist der Kaufabschluss in 2017.“

Die Verzögerung der Stiftungsgründung bestätigte derweil Generaloberin Maria Monheim. „Von der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion gab es kein grünes Licht, die Stiftung bereits am 1. Januar 2017 zu gründen. Das geht an Privatschulen in Rheinland-Pfalz nur zu einem Schuljahreswechsel, also zum 1. August 2017.“