Archäologie in Ahrweiler

Der Hausherr war Zirkusmanager

AHRWEILER. Beim Bau der Umgehung Ahrweiler sind 1980 am Fuß des Silberbergs Bagger auf römische Mauern mit Wandmalereien gestoßen. Der Grundstein für das heutige Museum Römervilla, das nach zwölfjähriger Ausgrabung 1993 eröffnet wurde. Und das immer noch für Überraschungen gut ist.

Der Mainzer Archäologe Rüdiger Gogräfe wertete 35.000 Fragmente von Putz und Malereien aus, hat neue Erkenntnisse zum Herrenhaus, das unter Kaiser Nero erbaut und unter dessen Nachfolgern Dometian und Trajan erweitert wurde, gewonnen. Und ist zu dem Schluss gekommen: "Die Villa hatte prominente Bewohner. Die Wandmalereien lassen die Erstellung eines sozialen Profils zu. Das ist sehr selten."

Gogräfe führt als Beispiel die sogenannte Opferdienerwand an, die mittlerweile als teilweise zusammengesetztes Puzzle einen eigenen Platz in der Villa hat. "Die beschürzten Diener tragen Ölkanne und Opfermesser über einem Adlerkranz. Ein Zeichen dafür, dass hier Jupiter geopfert wurde", so Gogräfe. Der purpurfarbene Mantel unterstreiche den gesellschaftlichen Stellenwert des Hausherrn, der sich bei der Opferung habe abbilden lassen. "Das muss ein Ädil gewesen sein, ein Editor ludes, also ein Spiele-Herausgeber." Nur diese Zirkusmanager hätten das Recht gehabt, den Mantel eines Triumphators zu tragen. Der Hausherr der Villa in Ahrweiler müsse folglich derjenige gewesen sein, der in der Colonia Claudia Ara Agrippinensis (Köln) für die Spiele verantwortlich war. Rüdiger Gogräfe: "Dort, und nicht im näher gelegenen Bonn, war eine Person, wie der Besitzer der Villa am Silberberg, gesellschaftlich verankert. Das blühende Spiele- und Gladiatorenwesen der Stadt ist bekannt, auch wenn dort bis heute kein Amphitheater gefunden wurde."

Gladiatorenkämpfe, Wagenrennen oder Tierhatz sind denn auch Motive, die die Sockel eines Raumes der Villa zieren. Für den Laien kaum noch erkennbar sind dort Malereien zu finden, wie sie einst den Zirkus in Rom zierten. "Das finden wir auch in Villen in der Schweiz und Lybien", sagte Gogräfe, der unterstreicht, dass es sich bei solchen Abbildungen in der Regel um "Erinnerungen an besondere Kämpfe" handele.

Aber auch unabsichtliche Zeugnisse vom Leben in der Villa gibt es. Viele kennen das Gezeter von Bauherr und Polier, wenn jemand durch den frischen Estrich gestapft ist. Nicht anders dürfte es bei den frischen Dachziegeln der Villa vor 2000 Jahren gewesen sein. Hund, Kind und Katze haben jedenfalls ihre Spuren für die Ewigkeit hinterlassen.