Kehraus in Ahrweiler

Das große Räumen im Kloster Calvarienberg

AHRWEILER. Freiwillige Helfer unterstützen die Ursulinen bei der Auflösung ihres Hausstands auf dem Calvarienberg.

Von wegen „Wo ist das Klavier, ich trag' die Noten“. Wer einmal umgezogen ist oder einen Haushalt aufgelöst hat, weiß was das für eine Schinderei ist. Und wenn wie beim Calvarienberg in Ahrweiler gleich ein ganzes Kloster geräumt werden muss, ist dieses Auflösung in Potenz.

Im Sommer verlassen die noch verbliebenen 18 Ursulinenschwestern um Generaloberin Sr. Maria Monheim nach 178 Jahren ihr Mutterhaus in Ahrweiler. Das Kloster wird verkauft (der General-Anzeiger berichtete). In seinen Hochzeiten lebten mehr als 200 Ordensfrauen auf dem Berg, wohnten Zelle an Zelle in dem riesigen Klosterkomplex rund um den Innenhof, der in der regel den Schwestern und Internatsschülerinnen vorbehalten war.

Und in 178 Jahren hat sich im Kloster neben Hausrat und Mobiliar so einiges angesammelt, was bis zum Sommer entsorgt, verkauft oder abtransportiert werden muss. „Das können die Nonnen nicht allein schaffen“, sagte sich Ahrweilers Bürgerhauptmann Jürgen Knieps und „mailte mal schnell“ seine Schützen an.

Die Resonanz überraschte die Generaloberin: „So viele Männer, so viele Hände.“ Mehr als zwei Dutzend Hände schüttelte die Ursulinenschwester an der Klosterpforte, um dann gleich ihrem Titel gerecht zu werden. Denn das große Räumen der kommenden Monate hat sie generalstabsmäßig vorbereitet. Ein Blick auf den Einsatzplan, ein Stoßgebet nach oben und schon teilte sie den Trupp der Freiwilligen auf. So, dass auch immer eine Schwester dabei war. Den Grund für die Begleitung erläuterte die Generaloberin dem General-Anzeiger: „Das ist kein Misstrauen, aber jede neue Schwester brauchte im Kloster mindestens vier Wochen, bis sie sich nicht mehr verlaufen hat.“

Denn der Calvarienberg ist mit seinen acht Stockwerken nicht nur ein Hochhaus, sondern mit Gängen und „Katakomben“ ein wahres Labyrinth. So ging es über Treppen und verwinkelte Gänge für einen Trupp zunächst in den alten Kindergarten. Und viele der Helfer wunderten sich. Denn den Raum mit den großen Glasfenstern hatten sie als Zöglinge von Mutter Klothilde Angela vor einem halben Jahrhundert nun doch größer in Erinnerung. Aber da waren sie auch keine gestandenen Männer, sondern noch Dreikäsehochs.

Damals und heute

Zuletzt hatten im alten Kindergarten unbegleitete jugendliche Flüchtlinge gelebt. Betten, Matratzen, Schränke – alles musste raus. Und das ohne Kilometergeld immer schön im Gänsemarsch.

Unterm Dach führte indes Schwester Irmgard Regie: Klosterzellen räumen, an deren Türen nur noch kleine Schilder auf die einstigen Bewohnerinnen hinweisen. Bett, Schrank, Tisch, Stuhl – spartanisch waren die Ordensfrauen eingerichtet. Aber alles massiv und folglich schwer. Und Schwester Irmgard hatte auch die Antwort darauf parat, wozu denn die kleinen Holzwinkel neben den Zellentüren sind: „Maileingang. Da wurden den Schwestern Zettel mit Nachrichten oder ihre Post drauf gelegt. Praktisch, ebenso wie das Glockenseil, das sich durch Löcher im Boden durch alle Stockwerke zieht. Der Anblick war zu verlockend. Das musst wenigstens einmal probiert werden und erstaunte: Auch Läuten kostet Kraft.

Derer hatten die Helfer, unter ihnen auch Rainer Ulrich vom Pfarreienrat und Bürgerkönig Willi Busch, gar viel mitgebracht. Schränke wurden abgeschlagen, Truhen geschleppt und so manch einer fragte sich, was denn in den alten Koffern sein mag, die er gerade aus der Mansarde ins Parterre karrt. Koffer, die irgendwann einmal eine Schwester beim Einzug ins Kloster mitgebracht und dann nie wieder gebraucht hat.

Für wertvolles Inventar wie handgeschnitzte Schränke oder den Konzertflügel im Speiseraum der Internen gibt es schon Interessenten, doch etliches wird auch auf dem Sperrmüll landen. Nicht jedoch die „kleinen Kostbarkeiten“ der Ordensfrauen vom Kreuz bis zur Heiligenstaue.

Alles, was des Rettens wert ist, wollen die Ursulinen unter die Leute bringen. Dafür gibt es am heutigen Samstag im Kloster von 10 bis 15.30 Uhr den ersten Flohmarkt. Weitere Markttage sollen bis zum Auszug aus dem Calvarienberg an jedem ersten Samstag im Monat folgen.

Drei der 18 Ursulinen werden auch nach der Auflösung des Bergklosters in Ahrweiler bleiben. „Wir mieten ein Haus an der Walporzheimer Straße“, sagte Schwester Roswitha Maria dem General-Anzeiger. „Dort werden wir mit Genehmigung von Bischof Stephan Ackermann einen Dreier-Konvent als offenes Haus führen. Und unter das dach kommt dann unsere kleine Kapelle.“ Traurig ist Schwester Roswitha Maria wie alle Ordensfrauen, dass der Calvarienberg bald Geschichte ist: „So schön werden wir es nie mehr haben. Aber es ging nicht mehr.“

Und was machen die freiwilligen Helfer? „Wiederkommen“, sagt Jürgen Knieps, der eigentlich Vorstandschef der Steyler Bank ist, sich wie die anderen Helfer im Blaumann aber ebenso wohl fühlt. Die nächste Mail kommt bestimmt. Denn die Ursulinen brauchen der helfenden Hände wieder gar viele.