Farbenprächtiges Spektakel im Kurpark

Das erwartet Besucher bei der Klangwelle in Bad Neuenahr

BAD NEUENAHR. 1500 Besucher haben am Donnerstag die erste von acht Klangwellen in diesem Oktober im Kurpark von Bad Neuenahr erlebt - eine farbenprächtige synchrone Komposition aus Wasser, Licht, Laser, Feuer und Videoprojektionen. 16.000 Zuschauer werden zu den acht Shows erwartet.

Die Zeichen standen auf Sturm, Xavier war das Tief, das der Klangwelle-Premiere ernsthaft hätte zusetzen können. Noch am Donnerstagmorgen hoben die Banner ab, um sich in Böen zu verselbstständigen. Als die Gäste um 20 Uhr in den Countdown für die vierte Klangwelle im Bad Neuenahrer Kurpark einstimmten, wurde die Stadt des Wassers ihrem Ruf gerecht. Xavier hatte sich verflüchtigt und Prince' „Purple Rain“, Led Zeppelins „Stairway to heaven“ und Leonard Cohens „Hallelujah“ nichts mehr entgegenzusetzen.

1500 Besucher erlebten eine Vollmondnacht, die an Faszination ihresgleichen sucht: Bis auf einen Technikhänger gleich zu Beginn bei der Anmoderation von Roland Nenzel und Thomas Spitz bot sich zum Thema „Hymnen“ eine harmonische, farbenprächtige und synchrone Komposition aus Wasser, Licht, Laser, Feuer und Videoprojektionen, die auch technisch einen neuen Maßstab setzte. „Durch einen vierfach leistungsstärkeren Beamer sind die Bilder und Videos auf der Wasserwand noch schärfer, die Strahler können in der Bewegung noch höher eingestellt werden und Feuerelemente setzen die Show und den Park eindrucksvoll in Szene“, so Showdesigner Mischa Anton von der österreichischen Firma „Consortium“.

„Es ist unser Ziel, dass die Klangwelle technisch jedes Jahr wächst, um uns deutlich vom ehemaligen Standort Bonn abzusetzen und durch die professionelle Darstellung eine deutschlandweit einmalige Show anzubieten“, betonte Christian Senk, Geschäftsführer der veranstaltenden Heilbad Gesellschaft. „Mit Bonn überhaupt nicht zu vergleichen“, fand dann auch zwei Stunden später Christian Hoffkirch aus der Bundesstadt, der das einmalige Ambiente und die Atmosphäre im Kurpark mit seinen Baumriesen als Kulisse für die Klangwelle lobte: „Der Eintrittspreis für diesen zweistündigen Mega-Event ist völlig gerechtfertigt.“

Lichtdesigner setzen Regenbogenfarben ein

Schon im ersten Akt stimmten die Fans in zeitlose Rock- und Pophymnen ein. Bei „When I ruled the world“ von Coldplay setzten die Lichtdesigner Regenbogenfarben ein, bei Robbie Williams „Angel“ platzierten sie weiße Flügel auf dem Hydroscreen. Dann die Hymne schlechthin, die in einen Popsong integrierte Opernpartitur: „Bohemian Rhapsody“ von Queen. Als Freddy Mercury nach dem Gitarrensolo „Nothing really matters to me“ singt, kommt auch der mit Showelementen bestückte Kurpark-Springbrunnen zum Einsatz.

Die Songs sind häufig auch untrennbar mit prägnanten Ereignissen im Weltgeschehen verbunden – dramatisch, euphorisierend, beeindruckend. So auch bei „We are the world“, von Weltstars mal für Afrika, mal für Haiti gesungen. Eine Menschenkette, ein Mädchen auf einer Weltkugel animierte die Klangwelle-Macher zu bunten Lasern und Feuerwerk mit Silberregen. Beim Final-Akt „Klassik“ tauchte dann das Pendant aus einer anderen Zeit auf: „Freude, schöner Götterfunken“ von Ludwig van Beethoven. „Gleiche Aussage, nur eine andere Zeit“, fand der künstlerische Leiter Roland Nenzel. „'Alle Menschen werden Brüder', das Streben nach Frieden, Freiheit, Toleranz und einem Miteinander ist das, was mich in die Politik hat gehen lassen“, stimmte Bürgermeister Guido Orthen ihm zu.

Während das Moderatoren-Duo in der ersten Pause Gewinnerin Christiane Best auf die Bühne bat – erstmals konnte man im Internet die persönliche Lieblings-Hymne vorschlagen und, sollte sie es in die Show schaffen, an einer Kartenverlosung teilnehmen – wurde sich im Gastrobereich gestärkt. Das war für die Begegnung mit Willy Millowitsch, Bläck Fööss, BAP, Brings und Höhnern im rheinischen Part der Klangwelle notwendig. Die tiefe Identifikation mit der Heimat, „denn he hält me zesamme“, ließ die 1500 Menschen schunkeln, tanzen, mitsingen. Die FC-Köln-Hymne musste natürlich in Rot-Weiß unterlegt sein, gestandenen Männern standen da die Tränen in den Augen. Bei so viel „Superjeile Zick“ nahm es das Publikum auch mit Düsseldorf nicht so genau und stimmte lauthals mit den Toten Hosen in „An Tagen wie diesen“ ein. Das ist eben so, wenn man „die Nacht der Nächte erlebt“. Die besten Hits der Hippiebewegung schlossen sich nahtlos an. Die „50 Jahre Summer of Love“ waren mal nachdenklich, mal fröhlich, psychedelisch, aber immer bunt.

Die Klangwelle in der Menge erleben

„Auch die Flower-Power-Zeit hat ja eine politische Aussage von Rebellion und Aufstand, soll aber trotzdem leicht und beschwingt daher kommen“, so Musikexperte Nenzel. Ihm ist wichtig, „den 60 Prozent Klangwelle-Stammgästen was Neues zu bieten, aber auch neue Gäste zu beeindrucken und zur Wiederkehr 2018 zu animieren“.

Formvollendet, harmonisch, perfekt komponiert, das macht einen Klassiker der Klassik aus. Die weltweit meistgespielte Hymne in dem Metier ist „Freude, schöner Götterfunken“. So wurde der vierte Akt zur Sternstunde der Musik. Eine Geschichte im Comic-Stil beschrieb bei „La donna è mobile“, dem „Marsch der Toreros“ oder Puccinis „Nessun Dorma“ das schwere Handwerk des Komponisten. Wasserfontänen, Lichtstrahlen, Pyrotechnik, Feuerblitze vereinten sich zum großen Finale . Ihm setzte das Duo Nenzel-Anton nur noch mit John Miles Hymne „Music was my first love“, Dauerbrenner auch bei der Reihe „Night of the Proms“, eins obendrauf.

Wer die Klangwelle mit all ihren Facetten erleben möchte, dem sei auch als Lounge-Besucher ans Herz gelegt, sich einmal in die Menge zu begeben. Kühle Wassertropfen und die Hitze der Feuer lassen einen die Elemente hautnah spüren. Und gepaart mit den Hymnen gibt es die Garantie auf Gänsehaut-Momente.