Weinwochen

Burgundia strahlt in Ahrweiler

AHRWEILER. Die Schützen marschierten auf, die Stadttore fielen zu. Der der Schutz vor „Belagerern“ stand am Sonntag in Ahrweiler an vorderster Stelle. Klingt martialisch, war aber ein äußerst friedliches Ritual zum Winzerfest.

Dieses bildet seit Freitag den Auftakt der Ahrweiler Weinwochen. Und wer dabei am Sonntag, dem Festzugtag, Zugang in die historische Altstadt erbat, dem wurde dieser von den gut gelaunten Schützen auch gewährt, am liebsten nach Zahlung einer Maut von drei Euro. Dafür gab es dann auch ein Festglas, das im Laufe des Nachmittags noch wichtig werden sollte. Zumindest dann, wenn man einen Schluck Wein oder Traubensaft von den vorbeiziehenden Fußgruppen oder Festwagenbesatzungen erhaschen wollte. Wer es durch die engen Schlupflöcher in den Toren geschafft hatte, traf auf ausgelassene Stimmung. Letzteres war aber nicht nur am Sonntag der Fall.

Doch der Reihe nach: Schon am Freitag war mit der Proklamation von Burgundia Elena Platz (der GA berichtete) ein Festwochenende eingeläutet worden, das Weinliebhaber, Partygäste, Wanderer und Gastgeber zu einem stimmungsvollen Miteinander vereinte. Auf dem Marktplatz sorgte die Ahrweiler Vereinswelt dafür, dass vor allem die hellen Weine in Strömen flossen. Mitten in der bereits laufenden Weinlese waren Blanc de Noir und Weißburgunder gefragt, erst zu späterer Stunde und bei sinkenden Temperaturen eroberten die roten Spät- und Frühburger die Gläser der Gäste.

Viele Menschenmassen besonders am Samstag

„Hier lässt es sich so herrlich feiern, zum tollen historischen Ambiente ist es vor allem die Qualität der Weine, die uns ansprechen und die dieses Fest ausmachen“, zeigte sich Hermann Meister aus der Nähe von Bochum begeistert. Seit vielen Jahren kommt er mit seinen drei Freunden zum Winzerfest nach Ahrweiler. Das Quartett bleibt über das gesamte Wochenende, begibt sich tagsüber auf die Wanderstrecken an der Ahr und abends in die Ahrweiler Altstadt. Dort war nicht nur auf dem Markt gut zu tun, die Winzerfestgäste füllten auch Lokale, Restaurants und Terrassen. Die Massen konzentrierten sich zwar auf den Marktplatz und dort sowohl an den Ständen, als auch auf der imaginären Tanzfläche vor der Bühne, von der herab das ganze Wochenende Stimmungsmusik in vielen Facetten erklang. Besonders am Samstagabend war der Markt effektiv zu klein für die Menschenmassen.

Die, die es dorthin schafften, erfreuten das Personal in den Ständen mit viel Arbeit. „Das war vergleichbar mit den einstigen Diensten im Weinbrunnen, den wir alle vier Jahre bewirtschaften durften“, zeigte sich Udo Willerscheid, Vorsitzender der Ahrweiler Karnevalisten, hochzufrieden mit dem Verlauf. Und das sah man ihm und seiner bunten Truppe beim Festzug am Sonntag auch an. Überhaupt war es ein Lindwurm aus Fröhlichkeit und Herzlichkeit, der sich am Nachmittag durch das Spalier Tausender Gäste schob. Alles, was in Ahrweiler der großen Ehrenamtsfamilie angehört, lief mit, schenkte aus, verteilte Brezeln oder Rotweinkuchen, lachte und sang mit den Feiernden.

Burgundia ist der Star

Schüler, Junggesellen und Bürgerschützen, Chöre und Narren, Kolpingfamilie und katholische Frauen, sie alle zählten sich zur großen Winzerfamilie und sorgten für einen Umzug aus weinseliger Leichtigkeit gepaart mit rheinischem Frohsinn.

Dazwischen dann die Repräsentantinnen, aktuelle Weinmajestäten und viele Ehemalige, auch die, die vor 25 Jahren (Anja Bernhards) und vor einem halben Jahrhundert (Mathilde Liberz-Groß) die Krone der Burgundia trugen. Hoch oben auf einem Fass thronte Weingott Bacchus (Bernd Krah) und schützte Fest und Feiernde. Ihn übertrumpfte nur noch Burgundia Elena Platz in „ihrem“ Festzug. In einem leuchtend rotem Kleid auf einem von zwei Pferden gezogenen Prunkwagen war sie der Star des Winzerfestzugs.

Heute geht das Winzerfest um 17 Uhr in die finale Runde, um 22 Uhr wird aus den Weinbergen über Ahrweiler ein Höhenfeuerwerk abgeschossen. Am Freitag startet der dreitägige Weinmarkt. Samstag und Sonntag ist Altstadtfest.