Spektakuläre Entwicklung in Bad Neuenahr

Brogsitter übernimmt die Kur AG

Bad Neuenahr. Die insolvente Aktiengesellschaft Bad Neuenahr soll bestehen bleiben. 23 Gebäude und 25 Grundstücke wechseln den Eigentümer. Beim Thema Übernahmepreis wird jedoch Stillschweigen gewahrt.

Für die Zukunft der Aktiengesellschaft Bad Neuenahr zeichnet sich nach mehr als zweijährigem Insolvenzverfahren nun eine Lösung ab. Ein Unternehmer aus der Region hat mit seinen Mitinvestoren gegenüber dem Koblenzer Insolvenzverwalter Jens Lieser ein Angebot zur Übernahme aller Immobilien abgegeben.

Zu den Vermögenswerten der AGBN, die übernommen werden sollen, zählen 25 unbebaute und 23 bebaute Grundstücke sowie zehn Erbbaugrundstücke. Über die Details der Übernahme haben die Parteien Stillschweigen vereinbart. Nach GA-Informationen handelt es sich beim Hauptinvestor um Hans-Joachim Brogsitter.

Der Unternehmer aus der Grafschaft ist als weltweit operierender Weinhändler, Weingut- und Immobilienbesitzer sowie Hotelier und Restaurantbesitzer bekannt. Das auch als „Kur AG“ bekannte Unternehmen sah sich zuletzt mit angemeldeten Forderungen in Höhe von rund 21 Millionen Euro konfrontiert.

Schulden werden übernommen

Brogsitter und seine Mitinvestoren werden diese Schulden komplett übernehmen. Sie erhalten im Gegenzug unter anderem das Thermal-Badehaus, das Gebäude des Steigenberger Hotels, das Kurhaus, das Gebäude, in dem sich das Bad Neuenahrer Spielcasino befindet, und auch das Parkhaus.

Erst vor wenigen Tagen hatte Jens Lieser den Insolvenzplan beim Amtsgericht Ahrweiler eingereicht, mit dem die Investoren die „Kur AG“ durch einen Kapitalschnitt übernehmen wollen. „Der Gläubigerausschuss ist mit der Übernahme der Vermögenswerte durch die Investoren einverstanden“, so Lieser im Gespräch mit dem GA. Letztlich werden die bereits geschlossenen Verträge aber erst wirksam, wenn die Gläubigerversammlung dem Insolvenzplan zustimmt und damit der Übernahme endgültig grünes Licht gibt.

Das Gericht wird den hierfür vorgesehenen Erörterungs- und Abstimmungstermin voraussichtlich im Oktober anberaumen. „Damit wäre die AG Bad Neuenahr für die Zukunft solide aufgestellt“, meinte Insolvenzverwalter Lieser. „Ich freue mich sehr über diese Lösung, denn es ist uns unter schwierigen Bedingungen gelungen, für das uneinheitliche Immobilienportfolio ideale Partner zu finden, die wirtschaftlich und konzeptionell in der Lage sind, Neues zu entwickeln und den jahrelangen Stillstand bei der AG Bad Neuenahr zu beenden“, so Lieser weiter.

Insolvenzverfahren kurz vor Abschluss

Damit steht das Insolvenzverfahren unmittelbar vor dem Abschluss. Bei dem Verkauf wird bei der AGBN, die in der Rechtsform einer Aktiengesellschaft geführt wird, das gesamte Grundkapital im Zuge einer Kapitalherabsetzung auf null gesetzt. Bedeutet: Die Aktien sind nichts mehr wert. Zu den größten Anteilseignern gehört die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler, die rund 27,5 Prozent der Aktien hält.

In Kürze findet dann durch die neuen Investoren eine Kapitalerhöhung mit der Herausgabe neuer Aktien statt, die diese in Gänze übernehmen. Die bisherigen Aktionäre der AGBN erhalten bei der Übernahme kein Geld, da zuerst die Gläubiger aus der Masse bedient werden müssen. Lieser: „Dies sieht der Gesetzgeber in der Insolvenzordnung so vor. Als nachrangige Gläubiger haben die Alt-Aktionäre daher keine Zahlungen zu erwarten.“

Durch die Übernahme der AGBN werden der Masse erhebliche Mittel zufließen, die – so Lieser – zu einer hohen Quote für die ungesicherten Gläubiger führen werde. Die durchschnittliche Quote bei Regelinsolvenzverfahren liegt bei deutlich unter fünf Prozent. „Es wird aber in dem Fall der AGBN eine garantierte Befriedigungsquote im mittleren zweistelligen Bereich geben, die nach der Bestätigung durch die Gläubigerversammlung noch innerhalb weniger Wochen an die Gläubiger fließen wird“, erklärte Lieser gegenüber dem GA.

Außerdem werde sich diese garantierte Quote noch durch weitere Zuflüsse erhöhen, so Lieser. Die genaue Höhe der am Ende des Verfahrens an die Gläubiger fließenden Quote hänge vom Ausgang von Rechtsstreiten und dem Besteuerungsverfahren ab.

Rückzahlungen bei Rückbau

Da weder die Investoren noch sonst wer den sogenannten Bademantelgang mit seinen erheblichen baulichen Risiken betreiben wollten, bleibe keine andere Wahl, als den Bademantelgang zurückzubauen, so Lieser. Hierfür müssen vom Insolvenzverwalter erhebliche Rückstellungen gebildet werden. Zudem müssen bei einem Rückbau Rückzahlungen für gewährte Zuschüsse an das Land Rheinland-Pfalz erfolgen.

Das Land hatte seinerzeit den Tunnel zwischen dem Thermal-Badehaus und den Ahr-Thermen mit etwa 2,3 Millionen Euro subventioniert. Lieser: „Die für den Rückbau sowie für die Rückerstattung an das Land anfallenden Gesamtkosten belasten die Masse erheblich. Infolgedessen können die ursprünglich prognostizierten Befriedigungsquoten für die Gläubiger nicht ganz erreicht werden.“

Da die „Kur AG“ nach Liesers Angaben seit mehr als zehn Jahren über kein strategisches Konzept mehr verfügte und daher jedes Jahr operativ hohe Verluste erwirtschaftet hatte, sei eine konsequente Sanierung unumgänglich: „Zuvor wurden Verluste über Jahre nur durch den Verkauf von Immobilien ausgeglichen, was letztlich nur die Substanz der AGBN aufgezehrt hat.“

„Die Restrukturierung des Unternehmens musste im Rahmen der Insolvenz durch eine Reduzierung des Geschäftes auf den profitablen Kern der AGBN erfolgen“, so der Koblenzer Anwalt und Insolvenzverwalter. Daher habe er alle defizitären Geschäftsbereiche geschlossen oder abgegeben. Aktuell erwirtschafte die AGBN wieder schwarze Zahlen.

Strategische Partner sind notwendig

Diese Ergebnisse könnten nur ein erster Schritt sein, da sie nicht ausreichten, um die anstehenden hohen Zukunftsinvestitionen in die teils historische Bausubstanz sowie aufgrund des jahrelangen Stillstands zu schultern, führte Lieser im GA-Gespräch in Koblenz aus. Hierfür seien strategische Partner notwendig, „die über eine solide wirtschaftliche Stärke verfügen, um die Herausforderungen der Zukunft zu finanzieren“.

Die AGBN habe mit dem „Unternehmer aus der Region“ und seinen Mitinvestoren die richtigen Partner gefunden, die eine hohe Reputation genießen und „von vielen Beteiligten in ihren Vorhaben unterstützt werden“, meinte Lieser abschließend.