Kommentar zur Kur AG

Bittere Pille für Aktionäre

Das altehrwürdige Kurhaus in Bad Neuenahr gehört zum Immobilienpaket, das im Rahmen des Insolvenzverfahrens den Eigentümer wechseln wird.

Das altehrwürdige Kurhaus in Bad Neuenahr gehört zum Immobilienpaket, das im Rahmen des Insolvenzverfahrens den Eigentümer wechseln wird.

Das Kapitel „Aktiengesellschaft Bad Neuenahr“ ist noch nicht zu Ende. Auch in Zukunft wird es nach derzeitigem Stand das mehr als 150 Jahre alte Traditionsunternehmen, das auch gerne „Kur AG“ genannt wird, geben – die AGBN lebt weiter. Wenn auch anders, als bisher.

Hans-Joachim Brogsitter, erfolgreicher Unternehmer aus dem Ahrtal, übernimmt nach langem Hin und Her gemeinsam mit Mitinvestoren die insolvente AG und wird neuer Eigner von 25 unbebauten und 23 bebauten Grundstücken. Zu den Häusern, die künftig sein Portfolio anreichern, zählen markante, das Stadtbild prägende Gebäude wie das Kurhaus, das Thermalbadehaus oder das Steigenberger Hotel. Man darf getrost davon ausgehen, dass sie bei dem als heimatverbunden geltenden Brog-sitter in besten Händen sind.

Mit Wehmut mag man auf Kuren und Badeanwendungen, auf die Tradition der Stadt und ihre AG zurückschauen. Ebenso darf man aber auch mit Mut in die Zukunft blicken. Wenigstens die Immobilien und der Firmenname bleiben erhalten. Zugegeben: Den mehr als 100 Mitarbeitern, die in den vergangenen Jahren „freigesetzt“ wurden, nutzt das freilich nichts. Und den Anhängern der alten Badetradition auch nicht.

Man muss sich aber darüber im Klaren sein, dass es noch viel schlimmer hätte kommen können. Lieber ein Ende mit vielleicht kleinem Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. So bleibt zumindest wertvolle Bausubstanz erhalten – und wer weiß, was Brogsitter, der sich auch bei diesem Investitionsgeschäft gerne im Hintergrund hält, mit den Immobilien vorhat, welches Leben er ihnen einhauchen will.

Bitter ist der bevorstehende Abschluss des Insolvenzverfahrens natürlich für die Aktionäre. Einst wurden die Aktien mit mehr als 200 Euro gehandelt. Für die Stadt, die mehr als 27 Prozent der Anteile hält, bedeutet dies, dass sie ihr AGBN-Anlagevermögen auf Null setzen darf – und viel Geld verliert.

Die Gläubiger hingegen dürfen ein wenig aufatmen. Sie werden ihre Forderungen mit einer Quote von mehr als 40 Prozent geltend machen können. Bei Regelinsolvenzen liegt sie ansonsten unter mageren fünf Prozent.