Ausstellung in Seniorenresidenz

Biografien der Freude in Bad Neuenahr

Projektteilnehmer, Schüler und Gäste freuten sich über die gelungene Ausstellung.

Projektteilnehmer, Schüler und Gäste freuten sich über die gelungene Ausstellung.

BAD NEUENAHR. Schüler des Bonner Robert-Wetzlar-Berufskollegs überführen Lebenserfahrungen von Bewohnern der Bad Neuenahrer Seniorenresidenz Villa Sibilla in eine kreativ gestaltete Ausstellung.

Die Lobby der Bad Neuenahrer Seniorenresidenz Villa Sibilla wirkt verändert: Auf Lücke gesetzte Palletten-Stationen ziehen die Augen auf sich, markige Arrangements einer Ausstellung, die mit Fotos, Texten und Objekten von den Bewohnern des Hauses erzählen. An einem liest man „Mein Herz, o sage, was webst du für Erinnerung“. Genau passend erscheint Eduard Mörikes Dichter-Zeile für das Projekt, welches 16 Schüler der Höheren Berufsfachschule Gesundheit und Soziales am Bonner Robert-Wetzlar-Berufskolleg dank der elf Mitwirkenden der Villa Sibilla realisieren konnten. Im Fach Kunst strebten sie mit ihrer Lehrerin Ellen Quetsch-Reher an, Senioren einzuladen, „sich uns mitzuteilen über ihr langes Leben und sie zu einer fotografischen Begegnung zu ermutigen“.

Der entscheidende Kontakt kam durch Inka Orth zustande, Kreativ-Direktorin der Seniorenresidenz, die als Vorsitzende des Bunten Kreises Rheinland Pädagogin Quetsch-Reher kennenlernte und viele Gäste zur Ausstellung begrüßte. Schüler und Bewohner unternahmen nach Gesprächen ein ausgiebiges Foto-Shooting in den Räumen der Villa und im Kurpark. Dem entsprangen gelungene Konterfeis an den Wänden und zahlreiche Porträts der Paletten-Ensembles.

Munter und lebensbejahend

Sie machen Laune, so munter und lebensbejahend schauen die Darsteller reifen Alters drein. Zugleich beantworteten sie die Schüler-Frage, ob es gelingen kann, eine „Biografie der Freude zu zeichnen“, obwohl die Erzähler in jungen Jahren Krieg und grausame Erfahrungen erlebt haben. Doch beruflich Erreichtes, Freizeit-Ambitionen, privates Glück und der Einsatz für andere setzten positive Wegmarken, wie die Ausstellung individuell veranschaulicht.

Umgeben von echten Wanderschuhen, Karten und hinreißenden Naturausblicken lächelt ein inzwischen verstorbener, zu Projektbeginn vital wirkender 100-Jähriger. Zwischen Noten, Herzen und einer Zeichnung vom Kölner Dom erscheint ein Musik liebender ehemaliger Domstädter, nun Zuhause in der Villa. Ein Fußball und ein Tennisschläger erschließen sportliche Leidenschaft, wohingegen für eine Dame gestreuter Sand mit Muscheln und Havelland-Bildern ihre Zuneigung zur Brandenburger Seenregion ausdrückt.

Die Fähigkeit das Schöne zu genießen

Wenn in Christa Paffenholz‘ Segment ein Kandelaber, Tüll und ein Foto mit Ehemann Franz vorkommen, dann sprechen diese von der Fähigkeit, das Schöne zu genießen und eine liebevolle Partnerschaft zu leben. Das Duo Paffenholz, Inhaber einer Druckerei in Bornheim, logiert während der Ferien am Kurort gerne in der Villa und besuchte wie viele Teilnehmer die Präsentation. Sie wird in die Schule wandern, später aber zur Villa zurückkehren. Mitgemacht haben auch Dorothea und Hans-Josef Mürtz, der dem Residenzbeirat vorsitzt und in dieser Eigenschaft die jungen Aussteller lobte: „Ich finde das prima, was Ihr gemacht habt“. Mürtz, früher Schulleiter, weiß nämlich, „wie schwer Schüler zu motivieren sind“. Auf seiner Palette fehlen übrigens Hinweise aufs Unterrichten. Stattdessen gibt es Bilder, Infos und die Flagge Brasiliens.

Denn 1985 gründete Mürtz den Koblenzer Brasilienverein (Kobra), der sich für bedürftige Kinder und Jugendliche in Brasilien einsetzt. Fest steht: Das Projekt hat etwas bewegt. Schülerin Rebecca Schneider erfuhr, „wie verschieden die Menschen sind, die hier leben, und wie viel Spaß sie in ihrem Leben hatten“. Luise Arndt staunte über die Menschen, „sehr lebendig, sehr leise, viele sind um die Welt gereist, andere kommen von hier – man hat es nicht erwartet, dass sie so ein Leben hatten“. Und in der Villa Sibilla stellte man nach anfänglichen beiderseitigen Berührungsängsten fest, „dass die Schüler viel Dankbarkeit der Bewohner erfuhren, und sich andererseits die Kommunikation unter den Gästen der Villa verstärkt hat“.