Museum des Kalten Krieges

Besucherboom im Ahrweiler Bunker

AHRWEILER. Das Museum des Kalten Krieges im ehemaligen Regierungsbunker in Ahrweiler hat kurz vor der Winterpause seinen 850 000. Besucher begrüßt. Seit seiner Eröffnung vor rund zehn Jahren hat das Museum Erfolgsgeschichte geschrieben.

Kinos und Museen haben gemeinsam, dass sie mit ihrem Programm stets um die Gunst der Besucher feilschen müssen. Was hat der seit vier Wochen laufende Bully-Herbig-Thriller „Ballon“ mit der Ahrweiler Dokumentationsstätte Regierungsbunker gemein? „Sehr viel“, so Museumsleiterin Heike Hollunder, „denn es ist die Geschichte von Günter Wetzel, die Michael Herbig zum DDR-Fluchtdrama 'Ballon' animiert hat. Wetzel konnten wir bereits mehrfach in unserem Museum des Kalten Krieges am Ahrweiler Silberberg zu Vorträgen begrüßen.“

Der deutsche Filmemacher erzählt in dem Kinofilm die wahre Geschichte der Familien Wetzel und Strelzyk, die 1979 mit einem Heißluftballon die Flucht aus der DDR in den Westen wagten. „Unsere Bunkerbesucher waren auch bei seinem Vortrag im März fasziniert von Wetzels spannenden Schilderungen der wohl spektakulärsten Flucht. Aus knapp 1300 Quadratmetern Stoff und 60 Nähten fertigten sie den größten selbstgebauten Ballon Europas für die Flucht aus dem Osten“, so Hollunder.

Viele Kamerateams zu Gast

Kamerateams und Journalisten aus der ganzen Welt hat die engagierte Museumsleiterin in den zehn Jahren des Bestehens des Bunkermuseums begrüßt. Ungebrochen groß ist die Neugierde von Jung und Alt auf den Originalschauplatz dieses Kapitels deutscher Geschichte, das Teil eines weltweiten Drohszenarios der Supermächte in Ost und West war. So waren in dieser Saison nicht nur die regionalen Fernsehsender SWR und WDR sowie SAT 1 vor Ort, sondern gerade erst drehte das ZDF für den Länderspiegel einen Beitrag übers Ahrtal auch im Bunker. Die Ausstrahlung ist am Samstag, 3. November, ab 17.05 Uhr.

Zieht Hollunder für den GA eine Jahresbilanz 2018, bevor der Bunker in den Winterschlaf fällt (siehe Infobox), vergisst sie nicht zu erwähnen, dass beim Festakt zum zehnjährigen Bestehen am 20. April neben 100 geladenen Gästen auch die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer zugegen war. Auch Dreyer machte sich ein Bild von der unglaublichen Erfolgsstory, die in der 203 Meter langen musealen Anlage unter der Erde 2008 begann. Ging man anfangs von einigen wenigen Besuchern aus, erlebte der Bunker im Bundesbesitz einen Boom ungewöhnlichen Ausmaßes.

Im April konnte der 800 000. Besucher begrüßt werden, in dieser Woche gerade das Ehepaar Andrea und Klaus Böhm aus Würzburg als 850 000. und 850 001. Gast. „Bevor wir heute zurückfahren, wollten wir den Regierungsbunker besichtigen. Das Museum haben wir bei einer Wanderung von Ahrweiler nach Altenahr entdeckt. Der viertägige Aufenthalt hat uns auch mit Besuchen in Bonner Museen so gut gefallen, dass wir an Ostern zum Radfahren im Ahr- und Rheintal wiederkommen“, so die Touristen, die von Hollunder, Wilbert Herschbach, Vorsitzender des Heimatvereins Alt-Ahrweiler, der die Dokumentationsstätte als Träger betreibt, und Bunkerführer Wolfgang Gies mit einem reich bestückten Präsentkorb überrascht wurden.

1200 Voranmeldungen von Schulkassen für 2018

„Im September wartete der Regierungsbunker mit der viertbesten Monatsstatistik seit der Eröffnung auf. Mehr als 13 000 Gäste machten sich ein Bild vom ehemaligen Staatsgeheimnis Nummer 1. Insgesamt gebucht für 2018 sind 12 000 Schüler sowie rund 35 000 Besucher in Gruppen, sie sich über den Ahrtal-Tourismus anmelden. Hinzu kommen mehr als 30 000 Einzelbesucher. Für 2019 haben wir Voranmeldungen von 1200 Schulklassen“, ist Hollunder stolz auch auf die Leistung ihres Teams mit 56 Gästeführern.

Mehr als sechs Millionen Zugriffe auf die Internetseite der Dokumentationsstätte – im Ranking sind die Nutzer aus Europa, Asien, USA und Afrika vorne – erfolgten in den ersten zehn Monaten des Jahres. „Das sind über 20 000 Besucher am Tag und ein Plus von 167 Pozent zum Vorjahr.“ Nach dem Spatenstich für den langersehnten Neubau des Gastro- und Toilettengebäudes vor wenigen Tagen (der GA berichtete), freut sich die Bunker-Mannschaft auf dessen Fertigstellung mit dem Beginn der 2019er-Saison, aber auch auf die kommenden ruhigeren Wintermonate.